Die Dorferneuerung

 

Gesamtansicht des Dorfgemeinschaftshauses mit den Außenanlagen am Tag der Neueinweihung (29.9.2006).

 

Öffentliche Projekte im Rahmen der Dorferneuerung

 

Dorfgemeinschaftshaus

Bereits zwischen 1975 und 1977 war das 1951/52 erbaute frühere Schulhaus Gegenstand von Umbaumaßnahmen gewesen, als deren Ergebnis das jetzige Dorfgemeinschaftshaus (DGH) entstand. Nach rund einem Vierteljahrhundert intensiver Nutzung durch örtliche Vereine und Gruppen erfüllte das DGH nicht mehr die Anforderungen an ein neuzeitliches "Bürgerhaus". Der Saal erwies sich zunehmend als zu klein und zu schmal, um Feierlichkeiten und andere Veranstaltungen angemessen durchführen zu können. Zudem fehlten eine Bühne sowie angemessene Lagermöglichkeiten. Heizung, Belüftung, Fenster, Küche und sanitäre Anlagen waren ebenfalls sanierungsbedürftig, um nur einige "Schwachpunkte" zu nennen. Als "kulturelles Zentrum" des Ortes wurde das DGH fast zwangsläufig zum Schwerpunkt der Dorferneuerung. Die Planungen erfolgten durch das Architekturbüro Kind & Rausch.

Bereits im Spätsommer 2003 begannen die ersten Bauarbeiten der Dorferneuerung überhaupt mit dem Anbau des neuen Stuhllagers und Bühnenraumes an das bisherige Gebäude. Ab Ende September 2003 erfolgte die völlige Entkernung im Inneren des Gebäudes mit mehreren Wanddurchbrüchen, um den neuen Innenausbau vornehmen zu können. Während der folgenden eineinhalb Jahre war das DGH natürlich nicht benutzbar und es musste bei Veranstaltungen auf den Saal der Gastwirtschaft "Zum Deutschen Haus" oder auch das Sportlerheim und die alte Schule ausgewichen werden. Im Jahr 2004 wurde neben dem Innenausbau auch die Neugestaltung der nun wärmegedämmten Außenfassade und die Neueindeckung des Daches in Angriff genommen. Im Mai 2005 war der Umbau soweit gediehen, dass das DGH wieder für Veranstaltungen genutzt werden konnte. Es schloss sich die vollständige Neugestaltung der Außenanlagen an, welche im Frühjahr 2006 begonnen wurde und erst kurz vor der feierlichen Neueinweihung am 29.9.2006 zu einem Abschluss kam.

 

"Neues" Dorfgemeinschaftshaus am 29.9.2006 - Hofansicht.

 

"Neues" Dorfgemeinschaftshaus am 29.9.2006 - Gartenansicht.

 
Die dreijährigen Umbauarbeiten bedeuteten die bisher schwerwiegendsten Eingriffe in Bausubstanz und Erscheinungsbild des Dorfgemeinschaftshauses. Der nicht ortskundige Betrachter wird in dem Gebäude sicherlich nur noch mit sehr viel Phantasie ein Schulgebäude aus den frühen 1950er Jahren vermuten. Wichtigstes Element des Hauses ist nach wie vor der nunmehr fast 150 qm große Saal, der sich durch eine mobile Trennwand in zwei kleinere Räume unterteilen lässt (Normalzustand). Bei großen Veranstaltungen ist eine mobile Bühne nutzbar, die in das benachbarte neu angebaute Stuhllager geschoben werden kann, wenn sie nicht gebraucht wird. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich die ebenfalls vollständig neu eingerichtete Theke. Auf den neuesten Stand gebracht wurde auch die an den Saal anschließende DGH-Küche.

Eine Neuerung stellt auch das Foyer dar, für das ein neuer Anbau mit Holzverschalung errichtet wurde. Von dort aus ist der Saal über Treppe bzw. Treppenlift zu erreichen, der durch die Verlegung des Eingangsbereichs in das Foyer bedeutend an Nutzwert gewonnen hat. Im Dachgeschoss befindet sich weiterhin eine Mietswohnung, die nun über eine Außentreppe zu erreichen ist. Neben der alten Dachgaube zum Hof hin wurde eine weitere Gaube auf der gegenüberliegenden Seite hinzugefügt und das Dach mit roten Tonziegeln neu eingedeckt. Im Vergleich zum früheren weißen Außenputz fällt besonders die jetzt gewählte orange Farbgebung auf. Unverändert blieben im übrigen das frühere Lehrerhaus, das sich in Privatbesitz befindet, und das angrenzende Feuerwehrgerätehaus, welches ohnehin erst 1995 gebaut wurde.

Im Kellergeschoss befinden sich neben Heizungs- und Lagerräumen der bereits seit August 2005 völlig fertiggestellte "Chronikraum" der Arbeitsgruppe Dorfchronik und der noch nicht vollendete Jugendraum, welche unabhängig voneinander und vom darüberliegenden Saal über eigene Zugänge zu erreichen sind. Einen völlig andersartigen Eindruck vom DGH vermittelt auch die neue Außenanlage. So wurde das alte Tor an der Straßenkreuzung, über das seit fünf Jahrzehnten der ehemalige "Schulhof" (Hof des DGH) zu erreichen war, im April 2006 abgetragen und aus einzelnen seiner Steine ein neues und weit niedrigeres Eingangstor direkt am Hof erbaut. Hof und Zugangsweg, beide zuvor geteert, wurden vollständig neu gepflastert und entlang von Hochstättenweg und Neuwiesenweg zwei Parkflächen mit 18 Stellplätzen eingerichtet.

Auch für die notwendige Begrünung der Außenanlagen wurde durch die Anpflanzung von 6 Bäumen entlang des Zugangsweges und die Neuanlage von Rasenflächen gesorgt. Die Hoffläche wurde durch ein Rondell mit Sitzbänken, welches einen Baum umgibt, aufgewertet. Für dieses Rondell fanden ebenfalls einige der Bauteile des alten Hoftores eine neue Verwendung. Ein "Highlight" für die warme Jahreszeit stellt eine Terrasse mit direktem Zugang zum Saal auf der Rückseite des Hauses dar. Hinter dem DGH befindet sich auch der neue, am 3.8.2008 offiziell eingeweihte, Kinderspielplatz. Hervorzuheben ist hier, wie auch bei den anderen verwirklichten Projekten, der große Anteil an Eigenleistung durch die Bermuthshainer selbst an den Bauarbeiten.

 

Frontalansicht der alten Schule vor Beginn der Restaurierung/Sanierung.

 

Alte Schule

Wie bereits erwähnt, war der schlechte bauliche Zustand der alten Schule, Wahrzeichen Bermuthshains und wichtigstes Baudenkmal des Ortes, der eigentliche Anlass für die Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm. Der schleichende Verfall des alten Schulhauses setzte nach 1952 ein, als die Funktion des Schulgebäudes vom jetzigen DGH übernommen wurde. Danach war das Gebäude mit zwei Mietswohnungen in Gemeindeeigentum belegt und enthielt wie bisher auch den Betsaal (ab 1957 im Erdgeschoß). Die letzte wirkliche Sanierung des Bauwerks erfolgte genau hundert Jahre nach der Erbauung im Jahr 1929 (!). Die später vorgenommen Veränderungen an Außenfassade und Dach nach 1952 ließen das einst malerische Fachwerkgebäude immer unansehnlicher werden. Auch das triste Umfeld der alten Schule ließ kaum noch erahnen, dass dies noch vor 60 Jahren das "Herz" Bermuthshains war. Die Sanierung der alten Schule wurde neben oder sogar noch vor dem Umbau des Dorfgemeinschaftshauses das größte Projekt der gesamten Dorferneuerung in Bermuthshain. Die Planung erfolgte durch das ortsansässige Architekturbüro Dagmar Zinn.

  

Rückseitenansicht der alten Schule vor Beginn der Restaurierung/Sanierung. In deren Rahmen abgerissen wurden die alte Schulscheune von 1854 mit Verlängerung des Betsaals sowie der Schuppen aus den 1950er Jahren im Vordergrund.

  

Die Sanierung der alten Schule erstreckte sich von 2008 bis 2011 und begann zunächst als Bestandssicherung und Sanierung von Dach, Fassaden und Außenanlagen. Da es sich um ein geschütztes Baudenkmal handelt, orientiert sich diese Sanierung natürlich streng an den Maßgaben des Denkmalschutzes. Angestrebt wurde daher die größtmöglichste Wiederherstellung des ursprünglichen äußeren Erscheinungsbildes. Die alte Schule erhielt wieder ihre ursprüngliche Fassadenverkleidung mit den im Vogelsberg traditionell üblichen Holzschindeln und Rundbogen-Sprossenfenstern. Auf eine wenigstens teilweise dauerhafte Freilegung des durchaus ansprechenden klassizistischen Fachwerks wurde allerdings aus Kosten- und auch energetischen Gründen verzichtet. Als Dachbedeckung fanden wieder Biberschwänze Verwendung, wie sie durch historische Fotografien für das Gebäude nachgewiesen sind.

Neu gestaltet wurde auch das Umfeld der alten Schule. Auf dem durch den Abbruch der Schulscheune und einer Blechgarage freigewordenen Platz wurden mehrere Parkplätze angelegt und und die Fläche neu gepflastert. Die straßenseitige Mauer wurde abgetragen und mit den originalen Steinen wieder aufgebaut sowie der Zaun entfernt. Zur Erinnerung an die frühere Wasserstelle vor der alten Schule wurde ein Brunnen in die Mauer eingelassen. Auf der Rückseite der alten Schule befindet sich jetzt ein barrierefreier Eingang, neben dem Haupteingang über die alte Treppe auf der Vorderseite. Bestehen blieb der Betsaal im Erdgeschoß, wenn auch mit verändertem Zugang und etwas verringerter Größe aufgrund des Abbruchs der ehemaligen Schulscheune. Dessen Innenausstattung wurde völlig erneuert, u. a. durch einem von dem örtlichen Holzdrechsler Werner Luft ("Stockjes") angefertigten Altar.

  

Die alte Schule mit freigelegtem Fachwerk nach Entfernung der Kunststoff-Fassadenverkleidung im September 2008. Dieser Anblick sollte jedoch einmalig bleiben, da das klassizistische Fachwerk aus den Jahren 1829/30 später wieder verschindelt wurde.
  

Nach dem Abbruch der alten Schulscheune und der Entfernung der alten Schindelverkleidung bot die Rückseite der alten Schule diesen Anblick. Wie an den vermauerten Fenstern im Obergeschoss gut zu erkennen ist, entspricht dieser auch eher dem ursprünglichen Zustand der Erbauungszeit. Die Schulscheune und weitere Anbauten entstanden erst lange nach der Erbauung 1829/30.
 

In ihrem Inneren beherbergt die alte Schule seit dem Abschluss der Sanierung eine bundesweit einmalige Einrichtung, nämlich das Muna-Museum Grebenhain. Es ist der Erinnerung an die zwischen 1936 und 1945 bestehende "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" ("Muna") im Oberwald gewidmet, die auch in der Ortsgeschichte von Bermuthshain ihre Spuren hinterlassen hat ("Ostarbeiterlager" am Marktplatz 1943-1945). In zwei Ausstellungsräumen im Obergeschoß der alten Schule wird die Geschichte der Muna und die spätere Nutzung des Geländes anhand von Schautafeln, Exponaten und Filmen dargestellt. Zusätzlich ist der Betsaal als Mehrzweckraum für Seminare, Vorträge oder Wechselausstellungen nutzbar. Aus einem ehemaligen Ort des Lernens wurde somit ein "Ort des historischen Lernens".

Die alte Schule trägt nach Abschluss der Dorferneuerung auch wieder zur architektonischen Aufwertung des historischen Zentrums von Bermuthshain bei und ist wieder ein vorzeigbares "Schmuckstück" des Dorfes. Dass dieses ehrgeizige Projekt überhaupt verwirklicht und damit die alte Schule als Wahrzeichen von Bermuthshain für die Zukunft bewahrt werden kann, war jedoch lange Zeit keineswegs sicher. Stattdessen wurde die alte Schule zunächst zum Streitobjekt der Grebenhainer Kommunalpolitik. So wurde von Seiten einer Mehrheit der damaligen Gemeindevertretung zunächst ein Verkauf des Baudenkmals anstelle einer Sanierung erwogen. Erst am 25.6.2008 fiel eine sehr knappe Entscheidung zugunsten der Sanierung, auch um den drohenden Verlust von mehreren hunderttausend Euro bereitstehender Fördergelder des Landes zu verhindern.

Am 9.8.2008 konnte die so lange umkämpfte und umstrittene Sanierung des Baudenkmals endlich beginnen. Die teilweise in Eigenleistung Bermuthshainer Bürger erfolgten Arbeiten schritten schnell voran. Schon bis zum Herbst 2008 waren die Schulscheune und alle weiteren späteren Anbauten abgebrochen und die Kunststoff-Fassadenkleidung entfernt worden. Ab dem April 2009 erfolgte die Sanierung von Dach und Turm einschließlich dem Einbau eines neuen Dachstuhls. Der Einbau der neuen "alten" Fenster und Türen und das Anbringen einer neuen Schieferverkleidung am Turm sowie der Schindelverkleidung an den vier Fassaden schloss sich an. Mitte Oktober 2009 waren die Außenarbeiten weitgehend abgeschlossen. Die alte Schule bietet dem Betrachter seither wieder einen jahrzehntelang nur noch auf historischen Schwarz-Weiß-Fotografien zu bewundernden Anblick. Der Innenausbau schloss sich ab April 2010 an und konnte ein Jahr darauf, einschließlich der Einrichtung des Muna-Museums und der Neugestaltung der Außenanlagen, abgeschlossen werden. Die Eröffnung des Muna-Museums Grebenhain und damit die Einweihung der sanierten alten Schule erfolgte am 8.5.2011. Damit war zugleich auch die Dorferneuerung in Bermuthshain als Ganzes abgeschlossen.

  

Frontalansicht der alten Schule nach der Neueinweihung (8.5.2011).

  

Rückseitenansicht der alten Schule nach der Neueinweihung (8.5.2011).

  

Maschinenhalle / "Feierscheune"

Die Bermuthshainer "Feierscheune" bzw. "Festhalle" am Marktplatz war schon vor der Dorferneuerung vorwiegend in den Sommermonaten Veranstaltungsort für größere Festlichkeiten der örtlichen Vereine. Insbesondere zu nennen ist hier der jährlich am letzten Dienstag im Juli stattfindende Bermuthshainer Markt. Die "Festhalle", eine einfache Holzfachwerkkonstruktion mit Bretterverkleidung, war jedoch eigentlich eine Maschinenhalle für die Abstellung landwirtschaftlicher Maschinen und wurde ausschließlich für diesen Zweck auch im Jahr 1986 als Maßnahme der Flurbereinigung erbaut. Nachdem im Jahr 1989 erstmals wieder der Bermuthshainer Markt an seinem angestammten Standort abgehalten wurde, wurde die benachbarte Maschinenhalle dann in der Funktion eines Festzeltes verwendet, wie es an den vorherigen Standorten des Marktes immer eigens aufgebaut und angemietet werden musste. Diese eigentlich gar nicht geplante, aber mit besonderer Genehmigung ermöglichte alljährliche Nutzung der Maschinenhalle als "stationäres Festzelt" für den Sommermarkt bürgerte sich rasch ein. Ab der Jahrtausendwende kamen weitere Nutzer der Halle wie der neugegründete Landmännerverein hinzu. Übrigens erfüllte bereits die 1947 gebaute Dreschhalle in unmittelbarer Nachbarschaft eine ähnliche Funktion.

 

Die als Bermuthshainer "Festhalle" genutzte Maschinenhalle vor Beginn der Erweiterungsarbeiten. Auf dem Marktplatz vor der Halle findet jedes Jahr der traditionelle Bermuthshainer Markt statt. Der Felsblock rechts wurde 1996 als Denkmal zur Erinnerung an die zweite Bermuthshainer Flurbereinigung 1978-1996 mit einer entsprechenden Gedenktafel gesetzt.

 
In der Dorferneuerung spielte die Maschinenhalle zunächst noch keine Rolle. 2001 wurde sie dann auf Initiative der Jagdgenossenschaft als Projekt in den Maßnahmenkatalog aufgenommen und fortan sowohl halboffiziell als auch in der Öffentlichkeit "Festhalle" genannt. Trotz der zunehmenden Nutzung als Veranstaltungshalle handelte es sich baulich aber immer noch um eine reine Maschinenhalle, die nur mit einer Ausnahmegenehmigung regelmäßig "zweckentfremdet" werden konnte. Sanitäre, küchen- und klimatechnische Einrichtungen, wie sie eigentlich für ein Veranstaltungsgebäude nötig sind, waren nicht vorhanden. Die Planungen zielten daher auf eine Sanierung und Erweiterung der Halle mit einem Vorbau ab, sowie die Einrichtung eines Verkaufsstandes und Toiletten in bzw. an der Halle. Außerdem sollten Fassaden und Hallendach komplett isoliert werden. Innerörtlich war das Projekt nicht völlig unumstritten, zumal die Halle bis dahin nur während des Bermuthshainer Marktes und einiger anderer Veranstaltungen im Sommer voll ausgelastet war. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln der Dorferneuerung und der örtlichen Jagdgenossenschaft. Die Planung übernahm auch hier das Bermuthshainer Architekturbüro Dagmar Zinn.
 

Die "Festhalle" Bermuthshain im Bau im September 2008.

 
Der Bermuthshainer Markt am 29.7.2008 sollte die letzte Veranstaltung in der "alten" Maschinenhalle sein. Schon wenig später, am 11.8.2008, begann in Eigenleistung der Umbau zur regulären "Festhalle". Dieser verlief anschließend recht zügig. Schon Ende Oktober 2008 konnte die Halle erstmals provisorisch für eine Veranstaltung, das jährliche Schlittenhunde-Wagenrennen, genutzt werden. Die Bauarbeiten waren zu diesem Zeitpunkt aber noch keineswegs abgeschlossen. Im Frühsommer 2009 wurde der Innenausbau von Halle, Verkaufsraum und Toiletten weiter vorangetrieben. So konnte anlässlich des Bermuthshainer Marktes am 28.7.2009 die Halle, mit Ausnahme der noch nicht ganz fertiggestellten Toiletten sowie der darüberliegenden Empore, erstmals in ihrer Gesamtheit genutzt werden. Der neue offizielle Name des Gebäudes lautete ab nun "Maschinenhalle - Feierscheune" und ist großformatig an den beiden Giebeln zu lesen. Endgültig beendet waren die Arbeiten an der "Feierscheune" jedoch erst im Jahr 2010. Mit einem Festakt erfolgte am 2.7.2010 die feierliche Einweihung der "Feierscheune".
 

Die Maschinenhalle bzw. "Feierscheune" im Juli 2009.

 

Backhaus

Das Bermuthshainer Backhaus ist das letzte Gebäude dieser Art im Ort und wurde ursprünglich Unterdörfer Backhaus genannt, da es früher ja noch ein weiteres Backhaus im Oberdorf gab. Im Vergleich zu anderen dörflichen Backhäusern im Vogelsberg, die oft schon vor Jahrzehnten aufgegeben wurden, wird das Backhaus in Bermuthshain noch sehr häufig durch 16 Familien und außerdem die örtlichen Vereine zum Selbstbacken benutzt und ist u. a. Mittelpunkt des jährlichen Backhausfestes. Auch die Schulbushaltestelle befindet sich hier als Anbau am Backhaus, ebenso eine der drei Transformatorenstationen der Bermuthshainer Stromversorgung. Im Rahmen der Dorferneuerung sollte diese neu angelegt und außerdem das Umfeld ansprechender gestaltet werden. Natürlich waren auch das Backhaus selbst sowie der Backofen zu sanieren. Das Bermuthshainer Backhaus ist im übrigen kein kulturhistorisch bedeutsames Gebäude, sondern wurde erst im Jahr 1953 anstelle des alten Unterdörfer Backhauses neu erbaut. Das alte Backhaus war teils in Bruchsteinmauerwerk, teils in Fachwerkbauweise ausgeführt, und bedeutend kleiner als der jetzige Bau.

Nach Planung durch das örtliche Architekturbüro Dagmar Zinn begannen im Mai 2004 die Arbeiten mit der kompletten Innen- und Außensanierung des eigentlichen Backhauses. Dabei stellte sich heraus, dass der alte Backofen nicht mehr reparabel war. Somit musste auch noch ein völlig neuer Backofen gebaut werden. Während der Umbauphase war das Backhaus für etwa ein Jahr nicht zu benutzen. Herausragendstes Merkmal des erneuerten Backhauses ist der neue hohe Schornstein. Die Bushaltestelle wurde als offener Widerleger mit Satteldach an das Gebäude angefügt. Ein zweites Buswartehäuschen wurde auf der gegenüberliegenden Straßenseite beim Anwesen Greßmann erstellt. Der gesamte Straßenbereich um das Backhaus wurde verkehrsberuhigt und mit Pflasterung völlig neu gestaltet. Am 18.11.2004 erfolgte die offizielle Einweihungsfeier in der Kulturscheune "Zum Wilden Mann". Am 19.8.2005 fand dann das erste Backhausfest am neugestalteten Backhaus statt, welches damit in die Obhut der im Jahr 2002 gegründeten Backgemeinschaft "Vulkanbäcker" Bermuthshain übergegangen ist.

 

Die Baustelle Backhaus im Juli 2004.

 

Gesamtansicht des sanierten Backhauses mit den beiden Buswartehäuschen.

 

Wiegehaus

Infolge des Bedeutungsverfalls der Landwirtschaft war das 1956 erbaute Bermuthshainer Wiegehaus an der Kreuzung Bergweg/Hauptstraße nicht mehr in Gebrauch, als der Ort in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen wurde. Somit ergab sich die Notwendigkeit einer Umnutzung bzw. eines Abrisses dieses Gebäudes. Letzteres wurde jedoch verworfen und beschlossen, das Wiegehaus zu einem "Infohaus" mit Aushangkasten für Mitteilungen der Vereine und anderer Gruppen umzubauen. Diese Umbauarbeiten verliefen in etwa parallel zur Arbeit am Unterdörfer Backhaus und wie diese nach Planung durch das Architekturbüro Dagmar Zinn. Beim Umbau stellte sich heraus, dass der alte Dachstuhl aus den 1950er Jahren nicht mehr zu gebrauchen war und vollständig ersetzt werden musste. Die formale Einweihung war dann wie beim Backhaus am 18.11.2004.

Das neue Informationshaus, welches seit Herbst 2005 den offiziellen Namen "Infohaus Alte Waage" trägt, ist kaum noch als der ehemals nüchterne Zweckbau aus den 1950er Jahren zu erkennen, der es einmal war. Im Inneren, das durch den Wegfall einer Außenwand jederzeit betreten werden kann, findet man jetzt anstelle der Viehwaage den Aushangkasten für die örtlichen Mitteilungen sowie ein öffentliches Telefon. Auch hier wurden die Außenanlagen neu gestaltet, und zwar durch eine Kopfsteinpflasterung und eine Plakatwand.

 

Das Infohaus "Alte Waage", ehemals Wiegehaus der Gemeinde Bermuthshain.

 

Lindenplatz

Bis 1964 stand an der Kreuzung des nach ihr benannten Lindenweges und der Hauptstraße eine mächtige, wohl mehrhundertjährige Linde, die eines der bedeutendsten Naturdenkmäler von Bermuthshain darstellte und zuweilen auch als "Friedenslinde" bezeichnet wurde. Das benachbarte Haus "Brennerjes" hatte von dieser Linde seinen früheren Hausnamen "Linneschmidts", und der Baum war so herausragend, dass nach ihm 1957 die vorbeiführende Straße benannt wurde. Leider setzte der Bau der Kanalisation und der Ortsdurchfahrt 1963 dem Wurzelwerk des Baums derart zu, dass dieser abstarb und im Jahr darauf gefällt werden musste. An Stelle der alten Linde wurde ein mit Hecken umfriedeter Platz angelegt und eine neue Linde gepflanzt, die sich allmählich zu einem Treffpunkt der Dorfjugend (umgangssprachlich auch "Gärtchen" genannt) entwickelten.

Im Rahmen der Dorferneuerung wurde die Gelegenheit ergriffen, auch dem Lindenplatz wieder ein würdigeres Erscheinungsbild zu geben. Die Maßnahme wurde vollständig in Eigenleistung getätigt. Das "Gärtchen" erhielt ein traditionelles Kopfsteinpflaster und eine Umzäunung durch einen Lattenzaun. Außerdem wurden ein Grill angelegt und Lampen aufgestellt. Die Erneuerung des Lindenplatzes geschah im August 2004 und war das erste fertiggestellte Projekt der Dorferneuerung.

 

Der "rundumsanierte" Lindenplatz im Herbst 2006. Kaum zu übersehen ist die namensgebende Linde, welche mittlerweile der dritte Baum an dieser Stelle ist und weit weniger als die Hälfte der Höhe der ursprünglichen, 1964 gefällten "Friedenslinde", besitzt.

 

Aussichtsplattform Sprungschanze und Naturpfad

Nur etwa ein Jahrzehnt wurde die 1970 eingeweihte "Wilhelm-Dillemuth-Schanze" auf dem Höllerich ihrer ursprünglichen Funktion als Skisprungschanze gerecht. Seit 2003 steht dieses sporthistorisch bedeutsame Objekt unter Denkmalschutz, war die Bermuthshainer Schanze doch eine der letzten neu gebauten hölzernen Sprungschanzen in der Bundesrepublik. Dennoch haben sich die einst in die Schanze gesetzten Hoffnungen, Bermuthshain zu einem Zentrum des Wintersports und Fremdenverkehrs im oberen Vogelsberg zu machen, niemals erfüllt. Seitdem die Sprungschanze nicht mehr benutzt wurde (ab den frühen 1980er Jahren), setzte auch hier schnell der Verfall ein, so dass das Betreten des Bauwerks schon aus Sicherheitsgründen unterbunden werden musste. Ein touristischer Wert kam der Sprungschanze trotz ihres das Landschaftsbild prägenden Charakters nicht zu. Auch der Höllerich als Bermuthshainer "Hausberg" ließ nur an den Tagen des jährlichen Walpurgisfeuers erkennen, welche gesellschaftliche Bedeutung er für das Dorf einst hatte. Immerhin befand sich dort früher sogar ein Festplatz mit dem Schießstand des Kriegervereins. Auch der erste Bermuthshainer Sportverein trug nach Kriegsende seine Fußballspiele auf einem Platz am Höllerich aus.

Mit vergleichsweise "geringem" Aufwand konnten Höllerich und Sprungschanze im August und September 2006 wieder zu einem touristischen Anziehungspunkt in Bermuthshain gemacht werden. Hauptbestandteil der Anlagen ist eine Aussichtsplattform, die auf dem früheren Schanzentisch errichtet wurde, und bei gutem Wetter einen überwältigenden Ausblick über Bermuthshain und das gesamte Lüdertal bis zu den Bergen der Rhön ermöglicht. Die Plattform ist problemlos über eine Treppe zugänglich und mit der alten Skisprungschanze (welche selbst nicht saniert wird) baulich nicht verbunden. Über neu angelegte Wanderwege lässt sich auch der übrige Höllerich jetzt problemlos "erkunden", wobei zwei Orte von besonderem Interesse sein dürften, da diese seit Jahrzehnten in Vergessenheit geraten sind und völlig überwuchert waren. Es handelt sich dabei um das Gelände des ehemaligen Festplatzes und Schießstandes sowie den 1871 durch den Ortsbürger Johannes Groh III. zum Gedenkstein für den Friedensschluss des Deutsch-Französischen Krieges umgearbeiteten Grenzstein aus dem 18. Jahrhundert.

Der alte Festplatz und der Schießstand, an deren Rändern sich mehrere 100 Jahre alte Douglasien, gepflanzt durch den Forstwart Wilhelm Dillemuth, und einige mehrhundertjährige Hutebuchen mit bis zu 5 m Stammumfang befinden, ist ein nahezu unberührtes Stück Natur und wurde über einen "Urwaldpfad" begehbar gemacht. Dieser führt weiter zum "Friedensstein" von 1871, der freigeschnitten und gesäubert wurde. Neben dem Stein wurde ein Rastplatz angelegt, dessen Tische und Sitzgelegenheiten aus dem Stamm einer ursprünglich 1962 am jetzigen DGH gepflanzten Douglasie bestehen. Von dort kann der Weg wieder zurück zur Aussichtsplattform oder aber weiter in Richtung Hartmannshain und Völzberg begangen werden. Alle Wege auf dem Höllerich wurden ausgeschildert. Die offizielle Einweihung geschah am 1.10.2006.

 

Alte Sprungschanze und Aussichtsplattform auf dem Höllerich.

 

Der "Friedensstein" aus dem Jahr 1871.

 

Lüderquelle

Das Quellgebiet der Lüder, die nach 40 km bei Lüdermünd in die Fulda einmündet, liegt im Bereich der Gemarkungen von Bermuthshain, Hartmannshain und Herchenhain. Genau in diesem einst von der Vogelsbergbahn und heute vom Vulkanradweg durchquerten Gebiet entstand im Frühjahr 2008 als weitere touristische Attraktion die "Lüderquelle". Dabei handelt es sich um eine mit Basaltsteinen ausgemauerte beckenartige Fassung eines der Quellflüsse von der Herchenhainer Höhe direkt am Vulkanradweg. Verbunden ist die neue "Lüderquelle" mit einem Rastplatz. Die Übergabe an die Öffentlichkeit fand rechtzeitig zur Eröffnung der neuen "Saison" auf dem Vulkanradweg statt.

 

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