Appel

 

Beim Familiennamen Appel in Bermuthshain sind zwei unterschiedliche Stämme zu unterscheiden, die ihren Ursprung in zwei Orten des einstigen "Obergerichts" (Burkhards) haben. Der Name Appel ist in der Umgebung von Burkhards auch heute noch recht häufig. Der Stamm "Dammbauersch" kam aus Kaulstoß mit dem 1844 in Bermuthshain eingeheirateten Valentin Appel. Der Stamm "Velde" kam aus Herchenhain mit dem 1869 in Bermuthshain eingeheirateten Balthasar Appel.

Die Familie Appel in Kaulstoß lässt sich bis zu dem 1640 genannten Hans Appel zurückverfolgen, der selbst aber wahrscheinlich aus dem benachbarten Sichenhausen stammte. Fünf Generationen später lebte in Kaulstoß sein Nachfahre Valentin Appel II., dem die dortige Hofreite "Wirtskanne" gehörte, aus der übrigens auch die Ehefrau des Bermuthshainer Bürgermeister Otto Ernst August Pfannstiel stammte. Im Jahr 1824 wurde in dem Haus der gleichnamige Sohn Valentin Appel geboren, der dann im Jahr 1844 im Alter von 20 Jahren die gleichaltrige Anna Katharina Zimmermann in Bermuthshain, Tochter des Ackermanns Johann Heinrich Zimmermann in der Hofreite "Dammbauersch" heiratete. Auf diese Weise gelangte der Name Appel nach Bermuthshain im ehemaligen "Untergericht" (Crainfeld). Valentin Appel schuf die Hofreite "Dammbauersch" in ihrer bis zum Abriss 1965 bestehenden Gestalt, in dem er den Stall aus dem alten Eindachhaus heraus in eine rechtwinklig zum Haupthaus errichtete Scheune mit Stall verlegte. Weiterhin war er Mitglied im Gemeinderat von Bermuthshain. "Dammbauersch" waren stets Pferdebauern.

 

Die Familie Appel vor ihrem Haus "Dammbauersch" im Ersten Weltkrieg. Von links: Heinrich Appel II. (Vater), Maria Appel geb. Eschenröder (Mutter), Maria Appel geb. Weitzel (Großmutter), Heinrich Appel I. (Großvater). Der Mann ganz rechts war ein damals bei der Familie einquartierter Soldat.
 
Als einziges von drei Kindern des Valentin Appel überlebte der älteste Sohn, der 1845 geborene Heinrich Appel I.. Dieser war den Bermuthshainern als Taubenliebhaber in Erinnerung und besaß einen eigenen Taubenschlag in der Scheune. Weiterhin zählte er zu den Gründungsmitgliedern des MGV "Eintracht" Bermuthshain. Bis zur Eröffnung der Vogelsbergbahn 1901 betrieb Heinrich Appel I. ein Fuhrmannsgeschäft und transportierte Waren vom Lauterbacher Bahnhof in den hohen Vogelsberg. Mit Maria Schmidt, der Tochter des Bermuthshainer Bürgermeisters Sebastian Schmidt, hatte er die Tochter Marie Schmidt, die spätere Ehefrau des Bermuthshainer Försters Wilhelm Dillemuth. Sebastian Schmidt verbot ihm jedoch die Heirat mit seiner Tochter. Im Jahr 1868 heiratete Heinrich Appel I. eine Maria Weitzel aus dem Nachbarort Ober-Moos. Von den sechs Kindern überlebten vier. Die älteste Tochter Katharina Appel starb jedoch 1888 im Alter von 17 Jahren an einer Blutvergiftung, während die jüngere Tochter Maria 1891 den Schuhmacher Johannes Merz aus Metzlos-Gehaag heiratete, der Schuhmachergeselle in "Hoase" war. Heinrich Appel I. kaufte beiden das vormalige Wohnhaus des Försters Dillemuth, das fortan den Hausnamen "Merze" trug.
 

Hochzeit von Karl Heinrich Appel ("Dammbauersch") und Maria Oechler ("Götzjes") am 16.5.1920.

 
Im Rahmen einer dorfüblichen "Tauschheirat" heiratete der jüngere Sohn Karl Appel 1902 ins Haus "Kloase" im Unterdorf, während der ältere Sohn Heinrich Appel II., geboren 1869, die vier Jahre jüngere Maria Eschenröder aus "Kloase" bereits 1894 geheiratet hatte. Das einzige Kind der Eheleute war der 1896 geborene Karl Heinrich Appel, der 1920 die Ehe mit Maria Oechler aus dem "Götzjes" Haus (Gasthaus "Zum Deutschen Haus") schloss. Während der NS-Zeit war Karl Heinrich Appel Sturmführer der örtlichen SA-Reserve (SA-Männer über 40 Jahre).
 

Richard und Marie Appel 1936.

 
Von den sechs Kindern der Eheleute Karl Heinrich Appel und Maria Appel geb. Oechler sind drei in Bermuthshain verheiratet. Der älteste Sohn Richard Appel fiel 1943 im Alter von 19 Jahren an der Ostfront bei Kriwoj Rog (Ukraine), so dass der jüngere Bruder Adolf Appel die "Dammbauersch" Hofreite erhielt. Das alte Haus wurde 1965 abgerissen und die einst große Landwirtschaft aufgegeben. Zwischen 1981 und 1991 wurde in dem Anwesen das "Park-Cafe Appel" betrieben. Seit 1986 ist Harald Appel Vorsitzender des MGV "Eintracht" Bermuthshain, der von seinem Ururgroßvater Heinrich Appel I. mit gegründet worden ist.
 

Die Familie Appel ("Kloase") um 1958. Ganz links Auguste Appel geb. Schött, ganz rechts Heinrich Appel III. In der Mitte Karl Appel mit seinen Enkelkindern Werner, Günther, Alfred und Renate.
 
Die einzige Nebenlinie der Appel aus "Dammbauersch" entstand im Jahr 1902 durch die Einheirat von Karl Appel im Haus "Kloase". Karl Appel kaufte als erster Landwirt in Bermuthshain 1927 eine Dreschmaschine und betrieb diese fortan im Lohndrusch bis zur kriegsbedingten Stilllegung 1941. Die Tochter Katharina Appel heiratete 1926 den Bermuthshainer Molkereibesitzer Wilhelm Greßmann, der Sohn Heinrich Appel III., der auch dem ersten Bermuthshainer Gemeinderat nach Kriegsende angehörte, 1946 Auguste Schött aus "Barthels" in Bannerod. Das "Kloase" Haus befand sich bis Anfang der 1970er Jahre im Besitz der Familie Appel.
 

Stammbaum Appel

("Dammbauersch" Stamm)

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Der mit dem "Dammbauersch"-Stamm nicht erkennbar verwandte "Velde"-Stamm geht auf den 1838 geborenen Schreiner Balthasar Appel aus Herchenhain zurück, der 1869 eine Karoline Scholtes in Bermuthshain heiratete. Die Familie besaß bis 1907 kein eigenes Haus, sondern wohnte zunächst zusammen mit der des Schwagers Heinrich Oestreich im Haus der Schwiegereltern, dem "Hirtschneidersch" Haus in der Hauptstraße. Laut dem Landesadressbuch von 1906 wohnte Balthasar Appel zu diesem Zeitpunkt im Haus "Kloase". Nach dem Tod von Karoline Appel geb. Scholtes 1871 heiratete er in zweiter Ehe eine Maria Katharina Weidner aus Bermuthshain.
 

Valentin Appel, der "ahl Velde", mit Ehefrau Christiane Appel geb. Muth 1942.

 
Der 1878 geborene Sohn Valentin Appel heiratete 1899 Christiane Muth aus Bermuthshain ("Grundhannerjes") und konnte 1907 endlich ein Wohnhaus in der "Vorderen Eck" (umgangssprachlich "Vierdern Eck") erwerben, das nach der mundartlichen Aussprache des Vornamens "Valentin" seither den Hausnamen "Velde" trägt. Der einzige Sohn Wilhelm Appel wurde 1899 geboren und geriet noch im Oktober 1918 in französische Kriegsgefangenschaft. 1925 heiratete er Elise Oechler aus der Grohmühle (unterste Grundmühle). Der einzige gleichnamige Sohn Wilhelm Appel fiel jedoch Anfang 1945 im Alter von 18 Jahren an der Westfront des Zweiten Weltkrieges. Damit war die Familie eigentlich im Mannesstamm erloschen. 1948 starb auch die Ehefrau Elise Appel geb. Oechler. Im Jahr 1951 heiratete Wilhelm Appel in zweiter Ehe Bertha Kreis aus der Untermühle in Lanzenhain. Der Stiefsohn Willi Kreis nahm den Familiennamen Appel an, weshalb dieser trotz des Kriegstodes des eigentlichen einzigen Namensträgers bis heute in Bermuthshain weiter existiert.
 

Stammbaum Appel

("Velde" Stamm)

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