Baumbach

 

Der Familienname Baumbach in den Dörfern des alten Gerichts Crainfeld besitzt einen äußerst interessanten und höchst ungewöhnlichen Ursprung. Überwiegend beheimatet war dieser Name im einstigen Gerichtsvorort selbst, doch gab es auch Zweiglinien in den Dörfern Grebenhain und Bermuthshain, wobei die Bermuthshainer Baumbachs selbst eine besondere Entstehungsgeschichte haben. Alle Träger dieses im hohen Vogelsberg eigentlich nicht einheimischen Namens gehen auf einen 1666 geborenen Siebmacher namens Hieronymus Baumbach zurück, der aus Thüringen stammte und mit einer Anna Margaretha verheiratet war. Es ist ungeklärt, wie, wann und woher dieser Hieronymus Baumbach aus dem fernen Thüringen ins oberhessische Crainfeld gekommen ist. Ein bestimmter Herkunftsort aus einem der zahlreichen thüringischen Fürstentümer ist im Crainfelder Kirchenbuch bzw. Geschlechtsregister leider nicht angegeben. Möglicherweise war Hieronymus Baumbach ein wandernder Handwerker der um 1700 eine Frau in Crainfeld, das damals ja ein bedeutender lokaler Verkehrsknotenpunkt und ein Zentrum für Gewerbe und Handwerk war, kennenlernte und sich dort niederließ.

Da zwei der Söhne des Hieronymus Baumbach (Johannes und Christian) sich später ebenfalls in Crainfeld verheirateten und ihrerseits viele männliche Nachkommen hatten, erlangte der Familienname schon im 18. Jahrhundert in dem Ort einige Verbreitung. Auch der Enkel Johann Velten Baumbach war Siebmacher. Zu dieser Linie zählte außerdem der 1739 geborene Crainfelder Unterförster Johannes Baumbach. Sie starb 1847 mit seinem gleichnamigen Enkel im Mannesstamm aus. Baumbach-Zweiglinien, die teilweise mehrere Generationen lang bestanden, gab es in Crainfeld auch in den Häusern "Kejherts" (ausgestorben 1890 mit Johannes Baumbach IV.), "Deichschneidersch" bzw. "Schneidersch" (ausgestorben 1901 mit Sebastian Baumbach II.), "Gerberts" (ausgestorben nach 1945 mit Johannes Baumbach X.), "Budnersch" bzw. "Roasche", "Miechels" (ausgestorben 1975 mit Karl Baumbach) und "Annekinne", von denen nur die letztgenannte heute noch existiert. In Grebenhain kam es 1825 zur ersten Baumbach-Zweiglinie durch den Polizeidiener Johann Andreas Baumbach, die erst mit seinem Urenkel Emil Baumbach erlosch. Zu den Crainfelder Baumbach-Linien gehörte im weiteren Sinne auch der Zweig im Bermuthshainer Haus "Bieljes". Dort heiratete 1907 der Zimmermann Heinrich Baumbach IV. aus dem Crainfelder "Annekinne" Haus ein, der aber später nach Frankfurt am Main zog und dessen Tochter und ältestes Kind Katharina nach der Heirat mit dem später gefallenen Heinrich Heutzenröder IV. aus "Nienammels" das "Bieljes" Haus erhielt.

Stammvater der Bermuthshainer Baumbachs war der 1741 in Crainfeld geborene Johann Heinrich Baumbach, welcher mit einer Anna Katharina Blößer aus Bermuthshain einen unehelichen Sohn hatte: Johann Balthasar Baumbach (geb. 1793). 1815 heiratete dieser eine Gertraud Franz aus Bermuthshain und errichtete 1819 am nördlichen Ortsrand von Bermuthshain das große Fachwerkhaus der "Kloase" Hofreite, deren Gründer er somit ist. 1847 vererbte er dieses Haus an seinen ältesten Sohn, den Schuhmacher und Fuhrmann Heinrich Baumbach I.. Der jüngere Sohn Johannes Baumbach erwarb 1840 durch Einheirat dagegen das "Schmedebaste" Haus in Bermuthshain. Dieses Haus wurde in den nächsten drei Generationen immer an den jeweils vorhandenen Sohn aus der Familie Baumbach vererbt. Der 1916 geborene Ernst Baumbach war der Urenkel des Johannes Baumbach und zwischen 1956 und 1971 der letzte Bürgermeister der eigenständigen Gemeinde Bermuthshain vor Inkrafttreten der Gebietsreform. Zugleich war er der letzte männliche Angehörige der Familie Baumbach in Bermuthshain überhaupt. Er starb am 7.12.2007 und hatte drei Töchter, von denen zwei in Bermuthshain verheiratet sind.

Aus dem "Kloase" Haus verschwand der Name Baumbach schon recht bald, da diese Hofreite an Margaretha Baumbach, Tochter aus der zweiten Ehe des Heinrich Baumbach I., fiel, welche 1871 Heinrich Eschenröder II. und nach dessen Tod 1881Heinrich Oechler III. aus Bermuthshain heiratete. Der Sohn Balthasar Baumbach dagegen verließ das Elternhaus, um 1873 auf dem Weg der Einheirat das "Schefersch" Haus in Bermuthshain zu erwerben. Diese Seitenlinie bestand drei Generationen lang, um mit dem 1989 verstorbenen Landwirt August Baumbach im Mannesstamm zu erlöschen. Wilhelm Köhler aus Radmühl heiratete seine jüngere Tochter Lina Baumbach. Interessanterweise blieb dessen jüngerer Bruder Otto Konrad Baumbach aufgrund der Kriegsereignisse nach 1945 in Aschau im Chiemgau (Bayern), wo es seither ebenfalls den 300 Jahre zuvor aus Thüringen in den Vogelsberg gekommenen Namen Baumbach gibt.

 

Stammbaum Baumbach

(nur Bermuthshainer Linie)

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