Über Bermuthshain

 

Ortsansicht von Bermuthshain aus nordwestlicher Richtung von der "Roten Staude" im Jahr 2004.

 

Unser Heimatdorf Bermuthshain hat gegenwärtig 602 Einwohner und liegt mitten im hohen Vogelsberg, einer überwiegend ländlich geprägten Region im alten Oberhessen, etwa 80 km nordöstlich von Frankfurt am Main. Früher nannte man unsere Heimat wegen der kargen Lebens- und harten Witterungsbedingungen auch "Hessisch-Sibirien". Auch heute noch stellt der hohe Vogelsberg eine "strukturschwache" Region dar.

Bermuthshain ist einer von 15 Ortsteilen der 1972 gebildeten Großgemeinde Grebenhain, die ihrerseits zum Vogelsbergkreis im Regierungsbezirk Gießen gehört. Unser Dorf ist aus nördlicher und südlicher Richtung über die nahe vorbeiführenden Bundesstraßen 275 und 276 einfach zu erreichen. Bis 1975 konnte man auch auf dem Schienenweg nach Bermuthshain gelangen. Heute verläuft auf der Trasse der ehemaligen Vogelsbergbahn der weithin bekannte "Vulkanradweg".

 

Lage von Bermuthshain innerhalb der Region. Karte im Maßstab 1:200000.

 
Im Gegensatz etwa zu seinen Nachbarorten Crainfeld, Grebenhain und Ilbeshausen lag für Bermuthshain bis 2010 noch keine Aufarbeitung der Ortsgeschichte in schriftlicher Form, sprich einer "Dorfchronik", vor. Im Rahmen der seit 2000 laufenden Dorferneuerung wurde eine Arbeitsgruppe zur Erstellung einer Ortsgeschichte gebildet. Bereits seit 2003 erscheint alljährlich, ursprünglich im Rahmen der Arbeitsgruppe Dorfchronik herausgegeben, ein vom Webmaster gestalteter Geschichtskalender mit historischen Bildern aus Bermuthshain. Am 3./4.11.2007 fand weiterhin im örtlichen Dorfgemeinschaftshaus eine Ausstellung von etwa 240 bisher noch niemals öffentlich in dieser Form gezeigten historischen Aufnahmen von Menschen, Häusern und dem Alltagsleben im "alten Bermuthshain" statt. Diese fand am 27./28.11.2010 ihre Wiederholung im Rahmen der Veröffentlichung des ersten Buches zur Geschichte von Bermuthshain, dem 416 Seiten und 383 Bilder umfassenden historischen Bildband "Bermuthshain. Ortsgeschichte in alten Bildern".

Im Jahr 2012 werden 1.000 Jahre seit der urkundlichen Ersterwähnung von Bermuthshain als "Warmuntessneida" in einer Urkunde König Heinrichs II. vergangen sein. Bermuthshain zählt gemeinsam mit den Nachbarorten Crainfeld und Ilbeshausen, die ebenfalls 1012 zum ersten Mal genannt werden, zu den Orten mit der am längsten zurückreichenden schriftlichen Überlieferung in der Region. Die Kerngemeinde Grebenhain wird hingegen erst 1338 erstmals urkundlich erwähnt. Die Vorbereitungen für die "1.000-Jahr-Feier von Bermuthshain" haben mit der Konstituierung eines Festausschusses am 12.3.2009 und schließlich der Gründung des Dorfvereins Bermuthshain am 19.3.2010 bereits begonnen. Auch in Crainfeld und Ilbeshausen sind Festveranstaltungen anlässlich der 1.000-jährigen Wiederkehr der Ersterwähnung geplant. Die Jubiläumsfeier in Bermuthshain wird in Form mehrerer Veranstaltungen am Samstag und Sonntag, den 11./12. August 2012, und mit dem Höhepunkt einer "Feststraße" durch den alten Ortskern am Sonntag, den 19. August 2012, stattfinden. Weitere Informationen und Einzelheiten werden zu gegebener Zeit auf der Internetseite veröffentlicht.

Jahrhunderte lang, bis zum Jahr 1821, prägte die Zugehörigkeit zum hessischen Gericht Crainfeld und zum hessischen Amt Nidda das Dorf Bermuthshain. Noch heute gehört Bermuthshain zum evangelischen Kirchspiel Crainfeld. Die Geschichte der selbstständigen Gemeinde Bermuthshain endete erst zum 1.1.1972 mit dem Anschluss an Grebenhain infolge der Gebietsreform. Bis 1969 besuchten die Bermuthshainer Schulkinder auch die eigene ursprünglich achtklassige Volksschule im eigenen Ort und heute die "Oberwaldschule" als Gesamtschule in der Kerngemeinde Grebenhain. Die 1829/30 erbaute "alte Schule" ist das Wahrzeichen von Bermuthshain und ab Mai 2011 auch Sitz des Muna-Museums Grebenhain zur Geschichte der 1936-1945 bestehenden "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" im benachbarten Oberwald.

Bermuthshain ist althessisch. Da das Dorf wie das gesamte historische Gericht Crainfeld schon seit 1434 zu Hessen und später zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt gehörte, wurden seine Bewohner in Abgrenzung von den erst seit 1806 bzw. 1945 hessischen Orten im Osten und Süden auch "die alten Darmstädter" genannt. In der traditionellen Mundart sprach bzw. spricht der Bermuthshainer von seinem Heimatdorf als "Bermetzhaa".

 

Postkarte von Bermuthshain mit Ortsansicht aus nordöstlicher Richtung um 1900. Im Vordergrund der Schornstein des Dampfsägewerks Suppes (Schneidmühle). Links unten das Schulhaus und die Hofreite "Pittjes".
 
Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde die Wirtschaftsstruktur von Bermuthshain überwiegend durch die Landwirtschaft bestimmt. Daneben wurden, teilweise als Nebenerwerb, die unterschiedlichsten Handwerksberufe ausgeübt, insbesondere auf dem Gebiet der Holzbearbeitung. In Bermuthshain wurden seit 1886 erstmals so genannte "Schneeschuhe" (Skier) in der Werkstatt des Bürgermeisters und Landtagsabgeordneten Friedrich Jost hergestellt. Friedrich Jost als der bedeutsamsten historischen Persönlichkeit des Ortes verdankte Bermuthshain auch wichtige Infrastrukturprojekte wie den Bau der Wasserleitung 1909-1910 und die Flurbereinigung 1910-1928. Die in Fachwerkbauweise erbauten Bauernhöfe in der Form des "Vogelsberger Einhauses" prägten einst das Ortsbild von Bermuthshain wie auch der anderen Vogelsbergdörfer. Nach einem krassen wirtschaftlichen Strukturwandel besonders seit den 1950er Jahren ist Bermuthshain heute nahezu eine reine Arbeiterwohnsitzgemeinde. Von der alten regionaltypischen Bebauung hat nur wenig die "Modernisierungswellen" der letzten 40 Jahre unversehrt überlebt.

Alteingesessene und oft weit verzweigte Bauernfamilien, von denen einige sich über 450 Jahre im Ort zurückverfolgen lassen, bildeten bis 1945 den überwiegenden Teil der Dorfbevölkerung. Etliche Bermuthshainer Häuser und Höfe waren mindestens seit 1818, dem Zeitpunkt der Abfassung des ersten Brandkatasters, in Familienbesitz, einige sind dies heute noch. Insbesondere im 19. Jahrhundert sind aber viele Bermuthshainer nach Nordamerika ausgewandert, um der damaligen wirtschaftlichen Notlage zu entfliehen. Nach 1945 wiederum kamen viele Heimatvertriebene aus den verlorenen deutschen Ostgebieten, insbesondere dem Sudetenland, nach Bermuthshain.

Heute halten im Wesentlichen die örtlichen Vereine die Dorfgemeinschaft aufrecht. Bermuthshain ist im Hinblick auf seine Einwohnerzahl ein "Dorf der Vereine". Insgesamt 10 Vereine gibt es hier.

 

Blick über Bermuthshain und die beiden Nachbardörfer Grebenhain und Crainfeld vom 580 m hohen "Hausberg" Höllerich im Jahr 2004.

 

Dieses Internetprojekt soll jedem Interessierten die Geschichte von Bermuthshain näherbringen, wofür es in schriftlicher Form bisher noch keine Entsprechung gibt. Ebenfalls vom gleichen Webmaster betrieben wird die Internetseite zur Geschichte des Nachbarortes Crainfeld (www.chronik-crainfeld.de) mit einem umfassenden und vertiefenden Einblick in die Vergangenheit dieses alten Pfarr- und Gerichtsortes.