|
Die urkundliche Ersterwähnung |
|
|
|
Die älteste Niederschrift des Ortsnamens von Bermuthshain als "Warmuntessneida" (Bildmitte) in der am 29.12.1012 in der Pfalz von Pöhlde am Harz durch König Heinrich II. ausgestellten Urkunde. Links und rechts die Ortsnamen von Crainfeld ("Ufecreginfelt") und Ilbeshausen ("Iliuuineshusun"). |
|
Die Entstehung von Bermuthshain Die Anfänge der Besiedlung des Vogelsberggebietes und damit verbunden die Gründung von Bermuthshain fallen in die weitgehend "schriftlose" Zeit zwischen der germanischen Völkerwanderung und der Herrschaft Karls des Großen, also den Zeitraum von etwa 400 bis 800. Im Unterschied zur außerordentlich fruchtbaren, klimatisch begünstigten, und stets dicht besiedelten Wetterau war der benachbarte "hohe" Vogelsberg eher unwirtlich und vergleichsweise siedlungsleer. Die Wetterau und weite Teile des benachbarten Vogelsberges gehörten im Hochmittelalter zur Grundherrschaft der 744 von Bonifatius gegründeten Abtei Fulda. Nach dem Märtyrertod des Bonifatius am 5.6.754 in Friesland wuchs der Einfluss der Fuldaer Äbte durch die vermehrten Schenkungen von Adeligen an das Kloster. Die Überführung des Leichnams von Bonifatius von Mainz nach Fulda erfolgte auf alten vorgeschichtlichen Handelswegen nur etwa 4 km nördlich am heutigen Bermuthshain vorbei. Seit dem beginnenden 9. Jahrhundert wurde die Besiedlung des Vogelsberges über die Täler aus der zunehmend übervölkerten Wetterau verstärkt vorangetrieben. Die um 1160 von dem Mönch Eberhard getätigten Abschriften aus den Urkundenabschriften (Kartularen) der Abtei Fulda nennen für das 8. und 9. Jahrhundert eine große Anzahl adeliger Schenker, die sich besonders am Rande des Vogelsberges als Siedlungsunternehmer betätigt haben dürften. Mehrfach werden schon vor 800 ausdrücklich eingegrenzte Rodungsgebiete (Bifänge) genannt. In dieser Zeit dürfte die Besiedlung auch schon den Bereich bis zum hohen Vogelsberg erfasst haben und die größeren Siedlungen wie die späteren Gerichtsorte Burkhards und Crainfeld entstanden sein. Das genaue Datum, wann Bermuthshain "gegründet", also beispielsweise das erste Haus erbaut wurde, wird aufgrund der fehlenden schriftlichen Überlieferung wohl für immer unbekannt bleiben. Generell ist zu "urkundlichen Ersterwähnungen" und damit verbundenen Jubiläumsfeiern zu sagen, dass der jeweilige Ort oft sehr viel älter ist als die erste Nennung in einer Urkunde. Denn um überhaupt in einer Urkunde genannt zu werden, musste der jeweilige Ort ja bereits bestehen. Aus der ersten urkundlichen Erwähnung allein lässt sich das Alter eines Ortes nicht bestimmen, da solche Nennungen meist auf historischen Zufällen wie z. B. der Funktion eines Dorfes als Punkt in einer Grenzbeschreibung beruhten. Der erste schriftliche Hinweis auf die Existenz des heutigen Bermuthshain findet sich in einer Urkunde des deutschen Königs Heinrich II. (1002-1024, Kaiser seit 1004), die am 29.12.1012 in der Königspfalz in Pöhlde (heute Stadtteil von Herzberg am Harz) ausgestellt wurde. In der Urkunde schenkt König Heinrich II. der Reichsabtei Fulda einen Forst mit beschriebenen Grenzpunkten, der in einer späteren Notiz als "Zundernhart" bezeichnet wird. In dieser Grenzbeschreibung wird zwischen den mit Crainfeld und Ilbeshausen gleichzusetzenden Grenzpunkten "ufe Creginfelt" und "Iliuuineshusun" auch ein Grenzpunkt "Warmuntessneida" genannt, welcher von der historischen Forschung allgemein mit Bermuthshain identifiziert wird. Die Urkunde ist mit den wenig später entstandenen und nur noch in späteren Abschriften überlieferten Gründungsdiplomen der Pfarreien Wingershausen (1016) und Crainfeld (1020) eine der wichtigsten Quellen zur Besiedlung des Vogelsberges im Gebiet der heutigen Großgemeinde Grebenhain. Der Name "Warmuntessneida" dürfte auf den Namen "Warmunt" des ersten Siedlers und "Ortsgründers" bzw. dessen Sippe zurückgehen. Die Silbe "Warmuntes-" wurde dann im Laufe des Mittelalters in der Alltagssprache zum mundartlichen "Bermetz-" verschliffen, dem heutigen "Bermuths-". Die vom Fuldaer Abt Brantho erwirkte Schenkung des Forstes Zundernhart, der weite Teile des Ostvogelsberges umfasste, durch König Heinrich II. erfolgte wie der Erwerb weiterer Forstprivilegien vor dem Hintergrund des durch das Kloster betriebenen Landesausbaus. Mit der Schenkung des Forstes war auch das Recht zur gesamten Waldnutzung verbunden, deren wichtigste Form in dieser Zeit die Rodung war. Die Urkunde ist somit auch ein Beleg für die gerade im Gang befindliche Rodung und Besiedlung im südöstlichen Vogelsberg um 1012. Ein weiterer Beleg hierfür sind die Gründungen der Kirchspiele Wingershausen und Crainfeld in den Jahren 1016 und 1020, die in einem bis dahin noch nicht kirchlich erfassten Gebiet erfolgten, das in dieser Zeit offenbar gerade neu besiedelt wurde. Somit dürfte Bermuthshain wie die meisten Orte im Gebiet der heutigen Großgemeinde Grebenhain im ausgehenden 10. oder beginnenden 11. Jahrhundert gegründet worden sein. |
|
Die Ersterwähnungsurkunde vom 29.12.1012 Die von König Heinrich II. am 29.12.1012 in der Königspfalz in Pöhlde (bei Herzberg am Harz) ausgestellte Urkunde ist noch heute im Original erhalten und wird im Hessischen Staatsarchiv Marburg aufbewahrt. Eine Abschrift befindet sich auch in dem im 12. Jahrhundert durch den Mönch Eberhard erstellten "Codex Eberhardi" des Klosters Fulda. Weiterhin wird die Urkunde in mehreren Urkundenbüchern aufgeführt. In einigen Fällen wird, so im 1724 erschienen Urkundenbuch von Johann Friedrich Schannat ("Corpus traditionum Fuldensium"), das Jahr 1013 als Ausstellungsdatum der Urkunde genannt. Dies ist dadurch zu erklären, dass nach der im Hochmittelalter üblichen Zeitrechnung das neue Jahr am 25.12. (Tag nach der Geburt Jesu Christi) begann. Der 29.12.1012 lag aus damaliger Sicht also bereits im "neuen Jahr" 1013. Wie im hohen Mittelalter üblich, ist der Urkundentext in lateinischer Sprache verfasst worden. Eine Abschrift des lateinischen Originaltextes mit einer deutschen Übersetzung findet sich im Folgenden. |
|
Lateinischer Originaltext: In nomine sanctae et individuae trinitatis. Heinricus divina favente clementia rex. Si eclesiarum die loca alicuius doni incremento sublimare vel meliorare studuerimus, nobis nostrique regni statui id proficere minime dubitamus. Quapropter omnium fidelium nostrorum presentium scilicet ac futurorum industriae notum esse volumus, qualiter nos divini amoris instinctu, interventu quoque ac peticione Branthoy abbatis quandam iuris nostri regni forestim – infra istos fines adiacentem hisque terminis precintam: de Biberaho scilicet ad Uuolfeshart ac inde recte transcurrendo Rodenmannun et Byochineberge usque ad Calbaho et Fliedenu, hinc autem ad Langenaho et Widenaho, hinc vero in Gucenaho et in Mosebrunnen et inde sic recte transiendo loca ufe Creginfelt, Warmuntessneida, Iliuuineshusun a Heribrahtheshusun nec non Slierefa deorsum in Slidesa et sic per deorsum usque in Fuldam – sibi suaeque sanctae aeclesi[a]e in honore die genetris sanctique Bonifacii archiepiscopi et martyris consecratae ac constructae cum banno et cum suis omnibus pertinentiis per hanc nostram regalem paginam in proprium concedimus atque largimur et de nostro iure ac dominio in eius ius et dominium omnono transfundimus, ea scilicet ratione ut predictus abbas Brantho suique successores de predicta foresti et eius pertinentiis liberam dehinc potestatem habeant quicquid sibi inde placuerit faciendi ad usum tamen aeclesiae, omnium hominum contradictione remota. Et ut haec nostrae traditionis auctoritas stabilis et inconvulsa per futura permaneat tempora, hoc preceptum inde conscriptum manu propria corrobantes sigillo nostro insigniri iussimus. Signum domni Heinrici (M.) regis invictissimi. Guntherius cancellarius vice Erchambaldi archicapellani regognovi. Data IIII. Kal. Ianuarii indictione X, anno dominicae incarnationis millesimo XIII, anno vero domni Heinrici regnantis XI; actum Polida; feliciter amen. |
| Quelle: Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde (Monumenta Germaniae Historica), Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser Bd. 3, Die Urkunden Heinrichs II. und Arduins, Hannover 1903, S.291f |
|
Deutsche Übersetzung mit heutigen Ortsnamen:
Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreieinigkeit. Heinrich durch göttliche Gunst und Milde König. Wenn wir die Ländereien der Kirche Gottes durch
Zuwachs einer Schenkung zu heben und zu bessern trachteten, so zweifeln wir
nicht im geringsten daran, dass dies für das Ansehen unserer Herrschaft von
Nutzen ist; deshalb wollen wir, dass allen unserer tüchtigen Getreuen,
gegenwärtigen wie zukünftigen, bekannt sei, dass wir durch Eingebung der göttlichen
Liebe und nach Vermittlung und Ersuchen des Abtes Brantho einen bestimmten
Forst, er liegt innerhalb dieser Grenzen und ist von diesen Grenzmarken
umgeben: von Biberau bis Wolfes, von da aus nach Rothemann und Büchenberg
durchlaufend nach Kalbach und Flieden, von hier aber nach Langenau und
Weidenau, von hier wirklich nach Gunzenau und zum Moosborn, von da gerade
durchschreitend die Orte auf Crainfeld,
Bermuthshain, Ilbeshausen und Herbstein, und gewiss auch zur Schlirf
abwärts nach der Schlitz und so abwärts bis zur Fulda; kraft königlichen
Rechtes unserer zur Ehren der Gottesmutter, des heiligen Erzbischofs
Bonifatius und der Märtyrer gebauten und geweihten heiligen Kirche, mit dem
Wildbann und allen Zugehörungen durch dieses unser königliches Schreiben
zum Eigentum übergeben und schenken und aus unserem Recht und Herrschaft völlig
übertragen in sein Recht und Herrschaft mit der Überzeugung, dass der
vorgenannte Abt Brantho und seine Nachfolger über den genannten Forst und
seine Zugehörungen von jetzt ab freie Verfügung haben sollen, zu tun, was
immer auch ihnen von da ab beliebt zum Nutzen der Kirche, ohne Rücksicht
auf aller Menschen Widerspruch. Und damit die Gültigkeit dieser unserer
Schenkung für die zukünftigen Zeiten fest und unerschütterlich erhalten
bleibt, haben wir befohlen, dass, nachdem wir diesen Befehl mit eigener Hand
bekräftigt haben, er mit unserem Siegel versehen werde. Das Siegel des unbesiegbaren Königs Heinrich habe
ich, Kanzler Gunther für den Erzkapellan Erchambald bestätigt. Gegeben an den 4. Kalenden des Januars in der 10.
Indiktion im Jahre der göttlichen Fleischwerdung tausend und dreizehn im
elften Regierungsjahr aber des Herrn Heinrichs des Zweiten. Geschehen in Pöhlde Glückverheißend Amen |
|
|
|
Die heute im Staatsarchiv Marburg aufbewahrte Ersterwähnungsurkunde von 1012. |
|
Spätere Erwähnungen des Ortes Bermuthshain In der auf das Jahr 1020 datierten (im Codex Eberhardi), wahrscheinlich aber ebenfalls 1011/12 vom Mainzer Erzbischof und Fuldaer Abt Erkanbald ausgestellten Urkunde über die Gründung und Grenzfestsetzung der Kirche zu Crainfeld wird in der Grenzbeschreibung des Kirchspiels zwischen der Quelle des Moosbaches ("Musesprinc") und der Meyerbruchquelle im Oberwald, damals Bonifatiusquelle ("fons sancti Bonifacii") genannt, eine "Bertholdsschneise" ("Berhtoltessneite"). Sie wird auch schon in der auf 1016 datierten Grenzbeschreibung des benachbarten Kirchspiels Wingershausen genannt. Dem Grenzverlauf zufolge müsste "Berhtoltessneite" im nördlichen Bereich der heutigen Gemarkung Bermuthshain gelegen haben. U. a. durch Heimatforscher und den Heimatkundeunterricht in der örtlichen Volksschule ist die Gleichsetzung von Bermuthshain mit "Berhtoltessneite" im Ort populär gemacht worden. Es ist jedoch fraglich, ob die Bertoldsschneise wirklich mit dem Ort Bermuthshain zu identifizieren ist. Möglicherweise handelte es sich um eine zweite Rodungssiedlung am Rand des heutigen Oberwalds wie die spätere Wüstung Schershain. Interessanterweise ist heute noch in Bermuthshain eine Sage überliefert, wonach das Dorf ursprünglich an anderer Stelle in der Flur "am großen Heegholz" gelegen habe und die Bewohner erst später an die heutige Ortslage umsiedelten. Eine kontinuierliche schriftliche Erwähnung von Bermuthshain ist erst seit dem späten 14. Jahrhundert zu verzeichnen. Dies ist jedoch nichts ungewöhnliches, da erst im Spätmittelalter eine zunehmende "Verschriftlichung" erfolgte. Im Jahr 1377 wird Bermuthshain zum zweiten Mal schriftlich erwähnt, und zwar in einer Urkunde der Metze von Bleichenbach über die Abtretung ihres Hofes zu Altenhaßlau ("Hasela") und des Dorfes Bermuthshain im Vogelsberg ("Berumechan, uff dem Fogilsberge gelegin") an Konrad von Hutten. Die Urkunde ist als Abschrift im Kopialbuch der Familie von Hutten in Marburg überliefert. Die Urkunde vom 23.7.1377 spricht erstmals eindeutig von dem Dorf Bermuthshain und ist in frühneuhochdeutscher Sprache abgefasst. Im Folgenden eine Abschrift des Textes: |
|
Ich Metze von Bleychinbach, hern Wilhelms wirtin von Fronhusen, bekennen an dysem uffin briefe allen den, die in sehin odir horen lesin: umbe den hoff zu Hasela mit allem sime zugehorin und mit allen sinen gutin, die dazu gehorin, es sin zehin oder phenniggut odir wie man iz nennit, und mit namen daz dorff zu Berumechan uff dem Fogilsberge gelegin mit allem sime zugehorin, unde glichir wiz, als mir der vorgenante hoff und daz vorgenante dorff geantwort sint worden von myme vorseligin meister Friczen vom Huten, dem got gnade, dasz ich by dem vorgenanten hofe und dorfe solde gesezzin haben myn lebetage und wan ich numme were, so solde der vorgenante hoff und dorff gefallen uf Conrad vom Hutten und sine erben und uff sinen bruder und uff erbin nach myme tode: des bekennen ich vorgenante Metze, dasz ich die vorgenanten gut gegeben han wyder hern Conrad vom Hutten und sinen erbin und sins bruder selgin kinden und irn erbin, glicher wiz als ich tod were, wan sie mir darumbe han gegebin, daz mir gnugit, und sal ich odir myn erbin die vorgenanten vom Hutten nichtes inhindern odir drangen an den vorgenanten guten, an alles geverde, wedir mit worten odir mit werckin. Und des zu urkunde han ich Metze vorgenant mynen elichen wirt, hern Wilhelm von Fronhusen, gebeten, daz er sin eygen ingesigel gehangin hat an diesin uffin brieff durch myner bede willin. Auch bekennen ich Wilhelmine von Fronhusen und ich Rudolff von Rugkingen vorgenant, daz wir durch bede willen der vorgenanten Metzen unser ielicher sin eigin ingesigel hat gehangen zu urkunde an diesin uffin brieff. Datum anno domini M CCC LXX VII., quinta feria proxima ante diem beati Jacobi apostoli. |
|
Quelle: Reimer, Heinrich: Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. 4. Bd., Leipzig 1897 (Publicationen aus den K. Preußischen Staatsarchiven 69, Hessisches Urkundenbuch 2. Abtheilung) – S.64-65 |
| Die Schreibweise "Berumechan", im Original möglicherweise "Bermezhan", erinnert schon sehr an die heutige mundartliche Bezeichnung "Bermetzhaa", wie auch die späteren Erwähnungen. Dass es sich bei "Berumechan" um das heutige Bermuthshain handelt, wird durch die zusätzliche geographische Angabe "uff dem Fogilsberge" (auf dem Vogelsberg) sowie eine spätere huttische Urkunde von 1509 bewiesen. Die unterschiedlich ausfallenden Schreibweisen von Ortsnamen in mittelalterlichen Urkunden sind im übrigen darauf zurückzuführen, dass der Ortsname immer so niedergeschrieben wurde, wie er gesprochen wurde bzw. von dem jeweiligen Schreiber verstanden wurde. Eine "amtliche" Schreibweise kam erst lange nach 1800 auf. |
|
|
| Der Ortsname von Bermuthshain, wie er 1602 im Zinsregister der Pfarrei Crainfeld von dem damaligen Crainfelder Pfarrer Johann Philipp Dippel als "Bermetzhainn", in Anlehnung an die mundartliche Form "Bermetzhaa", niedergeschrieben worden ist. |
| Einem verschollenen Verzeichnis von 1489 zufolge verfügte auch die adelige Familie der von Fischborn über Rechte an Abgaben in Bermuthshain. Im Verzeichnis über die den Brüdern Walter, Philipp und Daniel von Fischborn zustehenden Gülten (Abgaben) und Zinsen wird neben Grebenhain ("Grebenhayn") und Herchenhain ("Hirchenhayn") auch Bermuthshain unter der sehr stark an die Bermuthshainer Mundart erinnernden Bezeichnung "Bermetzhene" genannt. Weiterhin wird Bermuthshain in einem Abkommen zwischen Landgraf Wilhelm III. von Hessen und den Männern des Gerichts Crainfeld über ihre Dienste und Abgaben vom 11.12.1493 genannt. Demnach mussten die Männer der Orte Crainfeld ("Kreyenfelt") und Bermuthshain ("Bernhartsheim") alljährlich 100 Viertel Hafer aus dem Amt Nidda auf das Marburger Schloss führen. Der entsprechende "Gedingebrief" wird heute im Hessischen Staatsarchiv Marburg aufbewahrt. Der Inhalt, in frühneuhochdeutscher Sprache, lautet: |
|
Gedingts brieff des Kreyenfelter Gerichts |
|
Wir Wilhelm von gotts gnaden lantgrave czu Hessen, grave czu Katzenelnbogen czu Dietz czu Cziegenhayn ond czu Nidde thun kunt ond bekennen offentlich das von den menern des gerichts Kreyenfelt eyn gedinge yrer Dinsts halber wy sie das von alters her gehabt gebrucht gegeben ond geben yne das zu gewere krafft dises brieffs zu masse lyen nachgeschriben stet. Item Sollen ons alle jare vor solich gedingts von sie dan vor gethan. Dermal das werer zehen gulden ond onsern amptluden ond amptknechten czu Nidde ire gewonlich getheyl nach altem Herkomen geben ond ons davon auch zehen gulden vor onßer ampte geben ond beczalen. Der glich sullen ons die selben mener der gnanten zweyer dorffere Kreyenfelt ond Bernhartsheim alle Jare oß dem ampt czu Nidde hundert vierteil Habern gcyn onerspenig off onser Slos furen. Wir behalten ons auch bey Jahre vor das wir solich gedingts vollich zeyt von wollen widderruffen mogen an gewerde. Des czu orkunt haben wir onser Ingesiegel czu end dießes brieffs gehenkt. Dies gegeben ist am mitwochen nach Conceptionis marie Anno Quadromillesioquadringentesiononegesiotertio. |
|
Quelle: HStAM K17 Nr.165 (Bl.114v) |
| Schließlich wird Bermuthshain auch in eine weiteren huttischen Urkunde von 1509 genannt. Am 11.3.509 bekannte Hans von Hutten urkundlich, dass er mit Genehmigung seiner Brüder Jakob und Frobe von Hutten dem Kloster Hirzenhain, vertreten durch Prior Johann Nyde und den Konvent, für 120 Gulden zwei seiner Güter verpfändet habe. Es handelte sich um Güter bei Alsberg ("Alleßberg") und zu Bermuthshain ("Bermetzhayn"). Von letzterem wurden von Henn Raubsch und anderen jährlich 11 ½ Tornuß Zinsen gegeben. Diese Urkunde beinhaltet übrigens die zweitälteste Nennung eines Bermuthshainer Einwohners. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts besteht eine kontinuierliche schriftliche Erwähnung von Bermuthshain. |
|
|
|
|