Freiwillige Feuerwehr Bermuthshain

 

Als Grundlage des Feuerwehrwesens in Hessen gilt gemeinhin die 1767 durch Landgraf Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt erlassene "Hessen-Darmstädtische Feuerordnung". Im Vordergrund stand die Brandverhütung. So wurde vorgeschrieben, dass grundsätzlich alle Häuser über einen durchgehenden gemauerten Schornstein verfügen sollten. Diese Anordnung geschah vor dem Hintergrund, dass die meisten Wohnhäuser gerade auf dem Lande damals noch ein Strohdach besaßen, durch das der Rauch einfach abzog. Es dauerte jedoch noch lange, bis dieser Missstand, in den Augen der landgräflichen Regierung, beseitigt war. Erst 1889 wurde die Errichtung von Brandmauern zwischen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden gesetzlich vorgeschrieben und auch die Neuanlage von Strohdächern verboten.

Die Feuerordnung schrieb weiterhin vor, das grundsätzlich alle Einwohner, wenn sie nicht alt oder noch nicht 15 Jahre waren, zur Hilfe bei der Brandbekämpfung verpflichtet waren. Nicht zu Unrecht gilt dies als Geburtsstunde der sogenannten Pflichtfeuerwehren. Wichtigstes und anfänglich auch einziges Hilfsmittel bei einem Brand war der lederne Feuereimer, der am Brunnen gefüllt und dann von Mann zu Mann bis zum Brandherd weitergereicht wurde. Bei dichter Bebauung, wie sie im eher lockeren Haufendorf Bermuthshain allerdings nicht die Regel war, wurde das Einreißen benachbarter Häuser mit Feuerhaken als oft einzige Möglichkeit zur Eindämmung eines Brandes ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben. Im Jahre 1777 wurde dann auch erstmals eine gesetzliche Brandversicherung in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt eingeführt. Zu diesem Zweck wurden alle Gebäude eines Ortes in einem Brandkataster erfasst, so auch in Bermuthshain, wo das älteste derartige Brandkataster aus dem Jahr 1818 erhalten ist. Zur Beginn der 1820er Jahre müssen in Bermuthshain dann auch allmählich die meisten Häuser mit einem Schornstein versehen und mit Tonziegeln gedeckt worden sein, denn es sind noch mehrere alte Schlusssteine mit den entsprechenden Jahreszahlen vorhanden.

Die erste Pflichtfeuerwehr war im 18. Jahrhundert noch nicht auf Gemeinde- sondern auf Gerichtsebene organisiert. Im Jahre 1787 schaffte das Gericht Crainfeld, bestehend aus den Dörfern Crainfeld, Grebenhain, Bermuthshain und Ilbeshausen, eine Feuerspritze an, die in einem Spritzenhaus in Grebenhain stationiert war. Eine eigene und fest organisierte Pflichtfeuerwehr wurde in Bermuthshain erst viel später gegründet. Doch bereits im Brandkataster von 1818 wird ein Leiterhaus für die Feuerleiter erwähnt, das damals im Unterdorf gegenüber dem Backhaus an der Stelle der späteren Molkerei Greßmann stand. Die weitere Ausrüstung zur Brandbekämpfung vor Ort dürfte, vor allem auch aus finanziellen Gründen, neben der Feuerleiter zunächst nur aus den bereits beschriebenen Feuereimern und Feuerhaken bestanden haben. Über Brände in Bermuthshain in jener Zeit ist kaum etwas überliefert. Das älteste Brandkataster vermerkt die Zerstörung der Vorgängerhofreite des späteren Forsthauses, damals im Besitz eines Andreas Dietz, durch einen Brand im Jahr 1833.

 

Das Bermuthshainer Leiterhaus wenige Jahre nach seiner Umsetzung zum Gemeindehaus, um 1914. Die Feuerleitern unter dem schneebedeckten Dach sind gut zu erkennen. Im Vordergrund Maria Götz geb. Kirchner (damalige Bermuthshainer Hebamme) vom Nachbarhaus "Kinnfraas" (ganz rechts) mit den Enkeln Karl und Maria.

 

Am 23.03.1890 erließ das Großherzogtum Hessen eine neue Landesfeuerlöschordnung, welche die alten überkommenen Vorschriften wie die von 1767 ablöste. Einer der wichtigsten Inhalte war die Einrichtung von fest organisierten, gut ausgerüsteten, und durch regelmäßige Übungen ausgebildeten Feuerwehren in jeder Gemeinde. Dabei wurde schon damals die Bildung von freiwilligen Feuerwehren anstelle von Pflichtfeuerwehren bzw. in großen Städten die Bildung von Berufsfeuerwehren durch den Staat angestrebt. Man versprach sich von einer zwar kleineren, aber dafür besser ausgerüsteten und ausgebildeten, freiwilligen Feuerwehr eine größere Wirkung als von den alten Pflichtfeuerwehren, zumal die Anforderungen des Brandschutzes an Komplexität zunahmen. Bereits 1855 wurde in der Kreisstadt Lauterbach eine freiwillige Feuerwehr gegründet. In den Landgemeinden des Kreises Lauterbach erfolgte die Gründung von freiwilligen Wehren aber erst nach 1918 auf Anregung des Kreisamtes und der Kreisbrandinspektoren. Durchgehend erfolgte die Umbildung der Pflichtfeuerwehren zu Freiwilligen Feuerwehren erst nach der nationalsozialistischen Machtübernahme, und zwar im Jahr 1934.

Am 8.10.1891 kam die "Einrichtung und Unterhaltung von Feuerwehren" auf die Tagesordnung des Bermuthshainer Gemeinderates. In Anbetracht der nicht unbeträchtlichen Kosten für Uniformen, Schläuche und Feuerspritze war die Gemeinde Bermuthshain zunächst sehr skeptisch in Bezug auf die angeordnete Gründung einer Feuerwehr. Die bereits damals im Raum stehende Gründung einer freiwilligen Feuerwehr wurde abgelehnt. Stattdessen beantragte man beim Lauterbacher Kreisamt "nur" die Bildung einer Pflichtfeuerwehr. Als Mindeststärke für die Wehr wurden zunächst 16 Mann sowie ein Spritzenmeister, zwei Schlauchführer und drei Stellvertreter für nötig befunden. Weiterhin wurde die neugegründete Pflichtfeuerwehr in Abteilungen organisiert.

Im Jahr 1905 wurde dann das Leiterhaus abgetragen und beim Gemeindehaus, einem 1882 durch die Gemeinde erworbenen zweistöckigen Bauernhaus in der heutigen Obergasse, wiederaufgebaut. Im Gemeindehaus wurde weiterhin ein eigener Spritzenraum für die wahrscheinlich schon 1891/92 angeschaffte Feuerspritze eingerichtet. 1905 verfügte die Pflichtfeuerwehr Bermuthshain über die folgende Ausrüstung: 36 Blusen, 34 Hemden, Führerabzeichen, 100 m Druckschläuche, 2 Meter`sche Gemeinde, 1 Schlauchhaspel. Insgesamt waren von Seiten der Gemeinde Bermuthshain damals nicht unbeträchtliche Ausgaben von 615 Mark für die Ausrüstung zu veranschlagen.

Bermuthshain zählte zu den ersten Orten überhaupt im südöstlichen Vogelsberges, in dem es zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr kam, und zwar schon im Jahre 1926. Der Entschluss zu ihrer Bildung reifte vermutlich bereits zu Beginn dieses Jahres. In dieser Zeit wurde nämlich die Anschaffung einer neuen Feuerwehrleiter in Angriff genommen. Aber am 27.3.1926 beschloss der Bermuthshainer Gemeinderat, die Anschaffung der neuen Leiter, einer modernen Schiebeleiter, bis Herbst 1926 zurückzustellen. Zwei Monate später, am 26.5.1926, wurde die Anschaffung der Feuerwehrleiter vom Gemeinderat endlich beschlossen und Bürgermeister Pfannstiel ermächtigt, dieselbe beim Kreisamt in Lauterbach zu bestellen. Am 18.9.1926 fand dann eine Inspektion der Bermuthshainer Feuerwehr durch den damaligen Kreisfeuerwehrinspektor Bechtold statt, wobei eine Übung mit der neu angeschafften Leiter durchgeführt wurde. Im Anschluss daran fand eine Versammlung im Gasthaus „Deutsches Haus“ von Johannes Oechler VII. statt, bei der kurzerhand die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr beschlossen wurde.

Somit war der 18.9.1926 der „Geburtstag“ der FFw Feuerwehr Bermuthshain. Bei der Gründungsversammlung erklärten 39 der anwesenden Bermuthshainer Feuerwehrmänner ihren Beitritt zu der neuen Freiwilligen Feuerwehr. I. Kommandant der Feuerwehr (in der Funktion eines heutigen Wehrführers) war Heinrich Schlotthauer II. ("Annas"), II. Kommandant (dessen Stellvertreter) Jakob Heutzenröder IV. ("Nienammels"). In der ersten Hauptversammlung am 26.11.1927 im Gasthaus "Zum goldnen Stern" wurde schließlich der erste Vorstand gewählt, und zwar als Vorsitzender Heinrich Schlotthauer II. ("Annas"), als Rechner Jakob Heutzenröder IV. ("Nienammels") und als Schriftführer Seligmann Lind ("Sandersch"). Die weiteren Vorstandsmitglieder waren Andreas Oechler IX. ("Eberliese"), Jakob Lind II. ("Ruhls"), Wilhelm Appel ("Velde"), Heinrich Oechler VI. ("Säuherts"), Ernst Volz ("Liesbets"), Heinrich Leinberger II. ("Stirskloase"), Heinrich Jakob Hornung II. ("Franze"), Karl Heinrich Appel ("Dammbauersch"), Friedrich Wies ("Annekinne"), Karl Wies I. ("Muhrsch") und Johannes Klein III. ("Weidels"). Andreas Oechler IX. wurde zum Obersteiger, Friedrich Wies sowie Karl Wies I. wurden zum Abteilungsführer bzw. zum Führer der Hydrantenmannschaft ernannt.

Der erste dokumentierte Einsatz der FFw Bermuthshain ereignete sich am 31.5.1927 bei der Bekämpfung eines Waldbrands in der Rothenbach. 1928 wurden insgesamt 10 Übungen durchgeführt, eine davon im Beisein von Kreisfeuerwehrinspektor Bechtold. In den folgenden Jahren wurden meist etwa 6 Übungen jährlich abgehalten. Obgleich die Gründung der FFw bereits 1926 stattgefunden hatte, wurde erst in der zweiten Hauptversammlung am 16.2.1928 im Gasthaus „Zum Hessischen Hof“ ("Sandersch"), aus heute nicht mehr bekannten Gründen, die Abhaltung einer Gründungsfeier bzw. eines Stiftungsfestes für den 23.0.1928 beschlossen. Diese Gründungsfeier, zu der 12 auswärtige Wehren aus der Umgebung mit insgesamt etwa 350 Feuerwehrmännern erschienen, war der bisherige Höhepunkt in der Geschichte der noch jungen FFw Bermuthshain. Nachmittags um 14 Uhr nahmen die Wehren Paradeaufstellung. Nachdem Herr Kreisfeuerwehrinspektor Bechtold, sowie der Gemeinderat die Front abgenommen hatten, marschierten die Wehren mit Musik zum Marktplatz. Bürgermeister Pfannstiel begrüßte die Wehren und Festgäste im Namen der Gemeinde Bermuthshain. Nach den Reden standen Geräteübungen der einheimischen FFw auf dem Programm. Anschließend vollführte die Bermuthshainer Wehr einen simulierten Brandangriff auf das Gebäude der Molkerei Greßmann. Die Feier schloss mit Tanzbelustigung in den Sälen Pfannstiel ("Zum goldnen Stern") und Hornung ("Zur Krone").

 

Am 23.9.1928 beging die Freiwillige Feuerwehr Bermuthshain ihr Stiftungsfest, zwei Jahre nach der eigentlichen Gründung, im Rahmen einer großen Feier, an der auch 12 auswärtige Wehren teilnahmen, insgesamt 350 Feuerwehrleute. Dabei wurde auch ein Brandangriff auf das Gebäude der Molkerei Greßmann geübt (dem ehemaligen Standort des Spritzenhauses), anlässlich dem dieses Bild entstand.
 

Ab 1928 wurde der Jahresbeitrag von 20 auf 50 Pfg. erhöht und beschlossen, jährlich einen Theaterabend abzuhalten. Am 19.5.1931 wurde erstmals eine Satzung der Freiwilligen Feuerwehr Bermuthshain erlassen, der diese als "selbstständig organisierte öffentliche Einrichtung der Gemeinde" definierte, welche den Zweck verfolgte "Leben und Eigentum ihrer Mitmenschen vor Feuergefahr zu schützen sowie bei Unfällen und anderen Notständen Hilfe zu leisten". Die Gemeinde Bermuthshain war verpflichtet, ihre Einrichtungen, insbesondere die weiterhin in Gemeindebesitz verbleibenden Lösch- und Rettungsgeräte bei Brandfällen und Übungen der Freiwilligen Feuerwehr zur Benutzung zu überlassen. Sie trug die Kosten für die Anschaffung und Instandhaltung der nötigen Löschgeräte, Uniformen und Ausrüstungsstück und ferner für die Kosten der Aus- und Weiterbildung der Wehrleute. Diese im Prinzip noch heute gültigen Richtlinien unterschieden (und unterscheiden) die FFw von einem anderen "normalen" Verein. Bis zum Zweiten Weltkrieg bestehen blieb auch weiterhin die Pflichtfeuerwehr als Reserve der FFw.

Zur faktischen, nicht formal als solchen bezeichneten, "Gleichschaltung" der Freiwilligen Feuerwehr Bermuthshain kam es bei der ersten Generalversammlung im "Dritten Reich" am 22.4.1933. Der jüdische Schriftführer Seligmann  Lind wurde des Amtes enthoben und von Wilhelm Appel abgelöst. Ab 1934 wurden alle Generalversammlungen auch stets mit einem "dreifachen Siegheil auf den Führer" geschlossen. 1936 wurde auch eine neue Satzung beschlossen und 1937 neue Uniformen beschafft. Während des Zweiten Weltkrieges ruhte die Aktivität der FFw Bermuthshain, da die meisten jüngeren Feuerwehrmänner zur Wehrmacht einberufen waren. Das letzte Protokoll vor Kriegsende in dem lückenlos seit 1926 erhaltenen Protokollbuch datiert vom 17.2.1940. Der Brandschutz in Bermuthshain wurde während des Krieges vermutlich wieder wie vor 1926 allein von der Pflichtfeuerwehr wahrgenommen. Bereits seit 1934 bestand in Bermuthshain auch eine Luftschutzgruppe innerhalb der Ortsgruppe Grebenhain des Reichsluftschutzbundes, und während des Krieges wurden im Ort einige behelfsmäßige Schutzräume angelegt. Der zuständige Luftschutzwart in Bermuthshain war Karl Daubert ("Stirskammbaste"). Während des Krieges wurden mehrere Luftschutzspritzen im Wert von 425 RM beschafft. Trotz der unmittelbaren Nachbarschaft zur Luftmunitionsanstalt Hartmannshain ("Muna") ist Bermuthshain jedoch von Luftangriffen verschont geblieben. Die Muna selbst verfügte während des Krieges über eine eigene militärische Feuerwehr mit einer gegenüber den Wehren der umliegenden Dörfer weitaus moderneren Ausrüstung wie z. B. einer Motorsäge und zwei Motorspritzen sowie je einer Schaum- und Handfeuerlöschspritze. Die beiden Motorspritzen wurden nach 1945 von den Freiwilligen Feuerwehren in Grebenhain und Crainfeld übernommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Freiwillige Feuerwehr Bermuthshain vergleichsweise schnell wieder reaktiviert, als erster Verein im Dorf überhaupt. Auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung waren jedoch Antreten, Übungen oder Versammlungen vorerst verboten. Als neuer Ortsbrandmeister, wie künftig die Bezeichnung für den Wehrführer lautete, wurde Karl Oechler IV. ("Stocke") durch Bürgermeister Johannes Weitzel ernannt, da dieser nicht Mitglied der NSDAP gewesen war und außerdem vor dem Krieg die Hessische Feuerwehrschule in Mainz besucht hatte. 1947 bildete die Gemeinde Bermuthshain "Brandschaukommission", bestehend aus Bürgermeister Johannes Weitzel ("Hanse"), Maurermeister Jakob Lind III. ("Gütermuths"), Zimmermann Anton Wittmann, und dem Feuerwehrsachverständigern Jakob Heutzenröder IV. ("Nienammels"). Am 4.12.1948 konnte im Gasthaus „Zum goldnen Stern“ dann nach fast 9 Jahren wieder eine Generalversammlung gehalten und ein neuer Vorstand gewählt werden. Als Ortsbrandmeister wurde Karl Oechler IV. in seinem Amt bestätigt, welches er insgesamt auch ein Vierteljahrhundert innehaben sollte.  Zu seinem Stellvertreter wurde Wilhelm Hornung ("Gutermuths") und als Schriftführer und Rechner der spätere Bürgermeister Richard Oechler ("Luise") gewählt. Das Amt des Gerätewarts übernahm Karl Götz II. ("Kinnfraas"), als Beisitzer kamen noch Ernst Baumbach ("Schmedebaste") und Ernst Oechler III. ("Säuherts") hinzu. Eine neue Satzung wurde ebenfalls angenommen und genehmigt. Ferner wurde beschlossen, wie schon in den Vorkriegsjahren erneut jährlich einen Theaterabend abzuhalten. Der Jahresbeitrag betrug damals 2 DM. Die Mitgliederzahl der Wehr hatte sich 1950 mit 58 gegenüber 62 im Jahre 1939 nicht wesentlich geändert.

 

Die Freiwillige Feuerwehr mit der 1955 angeschafften Tragkraftspritze vor dem 1950 fertiggestellten Feuerwehrgerätehaus in der Hauptstraße.

 

In Jahr 1950 konnte das neuerbaute Feuerwehrgerätehaus an der Lüderbrücke seiner Bestimmung übergeben werden.  Damit verfügte die FFw Bermuthshain endlich über ein eigenes zeitgemäßes Gebäude zur Unterbringung ihrer Ausrüstungsgegenstände und (später) Fahrzeuge. Das eigentlich recht kleine Gebäude in Formen des Heimatstils besaß einen hohen Schlauchturm zum Trocknen der Schläuche, der fortan für 45 Jahre neben dem Glockenturm der alten Schule das Bermuthshainer Ortsbild prägen sollte.

Am 15.3.1951 wurden alle 24 noch lebende Gründungsmitglieder zu Ehrenmitgliedern und der frühere I. Kommandant Heinrich Schlotthauer II. zum Ehrenkommandanten der Wehr ernannt. Nach mindestens 50 Jahren hatte dann 1955 die alte Handdruckspritze aus der Zeit der Pflichtfeuerwehr endgültig ausgedient. An ihrer Stelle wurde eine neue moderne Tragkraftspritze (TS 8) beschafft. Die alte Spritze verblieb aber weiterhin im Besitz der Wehr und wurde z.B. bei Festumzügen mitgeführt und öffentlich gezeigt. Später wurde sie leider im Freien vor dem Dorfgemeinschaftshaus aufgestellt. Unweigerlich hatte dies Witterungseinflusse und Vandalismus zur Folge, so dass die historisch wertvolle Feuerspritze Ende der 1980er Jahre verschrottet wurde.

Im Jahre 1957 wurden neue blaue Uniformen für die Wehr angeschafft. Im gleichen Jahr kam es am 31.8.1957 durch einen Kurzschluss zu einem Brand im „Deutschen Haus“, der mit Hilfe der neuen TS rasch gelöscht werden konnte. Eine weitere Verbesserung für die Arbeit der Feuerwehr bedeutete die Anlage des neuen Feuerlöschteiches, umgangssprachlich "Brandteich" genannt, am Südrand des Ortes, der am 24.2.1960 eingeweiht werden konnte. Am 9.1.1960 wurde die FFw durch einen Großbrand im Anwesen Müller ("Kannjerche") Bermuthshain alarmiert. Es gelang, Teile des Gehöfts zu retten. 1963 brannte der Dachstuhl des Anwesens Volz-Präger ("Hoase oben").

Nach 25 Jahren legte Karl Oechler IV. in der Generalversammlung am 14.2.1970 sein Amt als Ortsbrandmeister nieder und wurde zum Ehrenbrandmeister ernannt. Als sein Nachfolger wurde nun sein bisheriger Stellvertreter Erwin Rausch ("Kannjerche") zum neuen Ortsbrandmeister gewählt. Neuer stellvertretender Ortsbrandmeister wurde der 1973 tödlich verunglückte Helmut Hornung ("Gutermuths"). Fortan wurden auch alle Mitglieder der FFw mit Erreichen des 65. Lebensjahres als Ehrenmitglieder geführt. Am 16.2.1970 beantragte die Gemeinde Bermuthshain für die FFw die Anschaffung eines Tragkraftspritzenfahrzeugs (TSF).

Infolge der Gebietsreform 1972 wurde die Position des Ortsbrandmeisters an die neue Großgemeinde Grebenhain abgetreten, wo auch eine neue Stützpunktfeuerwache entstand. Seither heißt der Leiter der FFw Bermuthshain offiziell "Wehrführer". Am 24.3.1972 erhielt die FFw Bermuthshain dann das schon vor der Gebietsreform bestellte TSF auf Basis eines Ford Transit von der Firma Ziegler in Giengen a. d. Brenz. Für diesen Zweck wurde das Feuerwehrgerätehaus entsprechend umgebaut. In Bermuthshain angekommen, wurde das TSF im Rahmen eines Umzuges den Ortseinwohnern gezeigt und außerdem ein Tanzabend veranstaltet. Mit dem TSF war die FFw Bermuthshain nun mehr als früher in der Lage, auch bei Bränden und Unglücksfällen in der Umgebung Hilfe zu leisten.

In den Jahren 1975 und 1976 beteiligte sich die Wehr auch an der von den Bermuthshainer Landfrauen initiierten Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden.“ Gearbeitet wurde an der Aufräumung der Lüder sowie am Feuerwehrgerätehaus, dem Backhaus und der Bushaltestelle. Im trockenen „Jahrhundertsommer“ 1976 musste die FFw Bermuthshain Wasser aus der Grebenhainer Leitung in den Bermuthshainer Hochbehälter pumpen. Da in diesem Jahr sogar der Brandteich ausgetrocknet war, wurden Güllefässer für etwaige Brandfälle bereitgehalten. Vom 5.bis 6.9.1976 feierte die Freiwillige Feuerwehr Bermuthshain ihr 50jähriges Bestehen in einem großen Festzelt am Vorplatz der ehemaligen Schule, die zu dieser Zeit gerade zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut wurde. 1978 legte Wehrführer Erwin Rausch sein Amt nieder und wurde durch Friedhelm Damer ("Sills") abgelöst, dessen Stellvertreter Reinhard Klein ("Weidels") wurde.

Im Jahre 1980 wurde die FFW Bermuthshain zweimal durch schwere Brandfälle im eigenen Ort alarmiert. Bei einem Großbrand wurde das Anwesen Kaiser ("Koasersch") völlig zerstört. Kurze Zeit später brach ein Brand in der Scheune von Karl Hämel aus, der gelöscht werden konnte. In den folgenden Jahren musste die Wehr außer bei einem Brand am Bauschuttplatz und 1985 im „Deutschen Haus“ nicht ausrücken.  Am 14.2.1986 wurde in der Generalversammlung im „Deutschen Haus“ Reinhard Klein zum neuen Wehrführer und Achim Schmitt zum stellvertretenden Wehrführer gewählt. 1987 wurde eine neue Vereinssatzung beschlossen. Ebenfalls 1987 war die FFw Bermuthshain erstmals Gastgeber beim alljährlichen Gemeindefeuerwehrtag der Großgemeinde Grebenhain. Ende August 1991 musste die FFw Bermuthshain einen morgens ausgebrochenen Garagenbrand beim Anwesen Appel (Hausname „Velde“) bekämpfen. Es gelang, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken und zu löschen.

In Jahr 1992 erhielt die Bermuthshainer Feuerwehr ein neues TSF auf der Basis eines VW LT 35 von der Firma Ziegler, das auch heute noch seinen Dienst verrichtet. Das alte TSF wurde nach 20 Dienstjahren an die FFw Buttlar (Thüringen) übergeben. Nach annähernd 45 Jahren erwies sich auch das alte Feuerwehrgerätehaus nicht mehr als ausreichend für die Bedürfnisse der FFw Bermuthshain. 1995 begannen beim Dorfgemeinschaftshaus die Bauarbeiten für ein neues, geräumigeres Feuerwehrgerätehaus, welches, direkt an das DGH angebaut, 1996 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Das alte Feuerwehrgerätehaus wurde an eine Privatperson verkauft. Seit der Generalversammlung vom 23.2.1996 hatte die FFw Bermuthshain mit Achim Schmitt außerdem wieder einen neuen Wehrführer.

Am Pfingstsonntag 1997 ertönte die Feuersirene in Bermuthshain. Die Schneidmühle stand lichterloh in Flammen. Während das alte Wohnhaus und die Stallungen ein Raub der Flammen wurden, konnte das danebenliegende neue Wohnhaus bei den Löscharbeiten durch die FFw Bermuthshain und die Nachbarwehren vor dem Feuer bewahrt werden. Im Dezember 1999 ereignete sich ein weiterer Großbrand mitten im alten Ortskern von Bermuthshain. Die alte leerstehende Hofreite beim Anwesen Zimmermann ("Schmieds") war in Flammen und brannte vollkommen nieder. Die Feuerwehr konnte jedoch ein Übergreifen des Brandes auf das direkt angrenzende neue Wohnhaus verhindern. Zu einem ganz anderen Unfall in Bermuthshain wurde die FFw im Jahr darauf gerufen, als im September 2000 ein Pferdefuhrwerk umgekippt war und mehrere Personen zum Teil schwer verletzt wurden.

Am 16.3.2001 wurde Martin Oechler zum neuen und bis heute amtierenden Wehrführer der FFw Bermuthshain gewählt. Im Dezember desselben Jahres erfolgte außerdem die Gründung der Jugendfeuerwehr Bermuthshain. Am 17.8.2003 feierte die Freiwillige Feuerwehr Bermuthshain ihr 75jähriges Jubiläum, gerechnet vom Stiftungsfest des Jahres 1928 an. Zu Jahresbeginn 2008 hatte die Einsatzabteilung der Wehr eine Stärke von 24, die Alters- und Ehrenabteilung von 12 und die Jugendfeuerwehr von 10. Die Gesamtzahl an Mitgliedern war auf 186 angestiegen, womit die FFw Bermuthshain gegenwärtig der zweitgrößte Bermuthshainer Verein ist.

 

Brand der alten Stallscheune vom Anwesen Schäfer am 23.3.2008.

 
Am Nachmittag des 23.3.2008, es war gerade Ostersonntag, wurde die FFw Bermuthshain wieder einmal durch einen Großbrand im eigenen Ort alarmiert. Die alte Scheune des Anwesens Schäfer ("Hirtschneidersch") war in Flammen aufgegangen. Durch ein Aufgebot der eigenen Kräfte und der Nachbarwehren aus Crainfeld, Grebenhain, Hartmannshain, Herchenhain und Volkartshain konnte das Übergreifen des Feuers auf die Nachbarhofreite "Heckemellersch" gerade noch verhindert und das benachbarte Wohnhaus der Familie Schäfer ebenfalls vor den Flammen bewahrt werden. Das alte Scheunen- und Stallgebäude brannte dagegen vollständig aus.

 

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