Die Gemeinde Bermuthshain

 

Ältester Dienststempel der Gemeinde Bermuthshain um 1800.

 

Geschichte und Aufbau der Gemeinde

Die Gemeinde Bermuthshain als Verwaltungseinheit hat sich bereits im Mittelalter herausgebildet und bestand über viele Jahrhunderte lang bis zur Gebietsreform im Land Hessen 1971/72, als deren Folge der Ort zum unselbstständigen Ortsteil der Großgemeinde Grebenhain wurde.

In mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Zeit gehörte Bermuthshain zum hessischen Gericht Crainfeld, zu welchem neben dem Mutterort Crainfeld auch noch die Dörfer Grebenhain und Ilbeshausen zählten. Es grenzte im Osten an die riedeselischen Gerichte Moos und Altenschlirf/Schlechtenwegen, im Norden an das fuldaische Amt Herbstein und das riedeselische Gericht Engelrod, im Süden an das isenburg-birsteinische Gericht Reichenbach und im Westen an das ebenfalls hessische Gericht Burkhards. Das Gericht Crainfeld gehörte zum Amt Nidda und war wie dieses seit 1434 hessisch. Bermuthshain ist somit "althessisch".

An der Spitze des Gerichts Crainfeld stand der vom Landgrafen ernannte Oberschultheiß, ursprünglich als Zentgraf bezeichnet. Er übte im Namen des Landesherren die höhere ("peinliche") Gerichtsbarkeit aus und war für die Verwaltung des Gerichts zuständig. Ihm zur Seite standen der Gerichtsschreiber, der Gerichtsdiener und der Oberförster, dem seinerseits noch Unterförster in den einzelnen Dörfern unterstanden. Die niedere Gerichtsbarkeit, etwa die Bestrafung von "Feldfreveln" (Frucht- und Holzdiebstähle usw.) oblag den Rügengerichten in den Versammlungen der Dorfgemeinde Bermuthshain. Diese wählte weiterhin den Unterschultheiß, auch Heimbürge genannt, als ihren Vorsteher und die drei Gerichtsschöffen. Daneben gab es noch einen "Bürgermeister", der die Funktion eines Gemeinderechners erfüllte.

Die Dorfgemeinde wurde nur von männlichen Ortseinwohnern, die durch Geburt oder Zahlung eines Einzugsgeldes ein Ortsbürgerrecht erworben hatten, gebildet. Nur Ortsbürger waren berechtigt, Einrichtungen der Gemeinde wie z. B. die Backhäuser oder Hutweiden in Anspruch zu nehmen, nicht jedoch sonstige Ortsansässige ("Beisassen"). Alle Bermuthshainer Ortsbürger waren im Fall eines Krieges oder zur Abwehr einer Bedrohung folgepflichtig und wurden zum so genannten "Ausschuss", den ein Ausschusshauptmann befehligte, herangezogen. Daneben mussten sie schon im Spätmittelalter Frondienste für den Landesherren leisten, bis 1816 die Ablösung der Dienste erfolgte.

Der überkommene mittelalterliche Verwaltungsaufbau wurde nach den Umwälzungen der napoleonischen Ära, die dem Großherzogtum Hessen (seit 1806) umfangreiche Gebietsgewinne wie das 1806 mediatisierte Riedeselland bescherte, grundlegend reformiert. Die Umwälzungen der napoleonischen Kriege bewirkten auch im Vogelsberggebiet das Ende der aus dem Mittelalter überkommenen Verwaltungsstruktur, in diesem Fall des alten hessischen Oberamts Nidda und des Gerichts Crainfeld. Nach der umfangreichen Vergrößerung ihres Staatsgebiet waren im Jahr 1806, im selben Jahr, als auch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation sein Ende fand, aus den Landgrafen von Hessen-Darmstadt die Großherzöge von Hessen geworden. Bereits 1796 war das Amt Nidda in die Ämter Nidda und Lißberg geteilt worden, wobei das Gericht Crainfeld zu letzterem kam.

Nach der Säkularisierung der geistlichen Territorien und der Mediatisierung der kleinen reichsfreien Ritterherrschaften 1803 und 1806 kamen schließlich die fuldaische Enklave Herbstein und der Ritterschaftstaat der Freiherren Riedesel zu Eisenbach zum Großherzogtum Hessen. Die benachbarten isenburgischen Gebiete wurden 1815 an das Kaiserreich Österreich und 1816 an das Kurfürstentum Hessen angeschlossen, welches nach dem Deutschen Krieg von 1866 vom Königreich Preußen annektiert wurde. Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurde die hessisch-preußische Grenze zur rein innerdeutschen Verwaltungsgrenze. Aufgrund der Revolution im November 1918 und dem Sturz der Monarchien wurde aus dem bisherigen Großherzogtum der Volksstaat Hessen. Die Grenzlage von Bermuthshain zum nunmehrigen Freistaat Preußen blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges und der Gründung des Landes Hessen, anfänglich "Groß-Hessen" genannt erhalten.

Dem Ende der napoleonischen Zeit 1815 folgte im Großherzogtum Hessen eine umfangreiche Verwaltungsreform. Am 30.6.1821 trat unter Großherzog Ludwig I. die erste hessische Gemeindeordnung in Kraft, durch welche eine kommunale Selbstverwaltung eingeführt wurde. An die Stelle des Unterschultheißen traten der von den Ortsbürgern gewählte Bürgermeister, der Beigeordnete als Stellvertreter und schließlich der bei Gemeinden unter 2.000 Einwohnern aus neun Personen bestehende Gemeinderat. Hinzu kam noch der von der Regierung auf Vorschlag des Gemeinderates ernannte Gemeinderechner, ursprünglich "Gemeinde-Einnehmer" genannt. Er erhielt kein festes Gehalt, sondern einen festgelegten Anteil von den erhobenen Steuern. Auch Bürgermeister und Beigeordneter erhielten zwar eine Vergütung, jedoch kein festes Gehalt. Sie waren ehrenamtlich tätig. Schon aus diesem Grund konnte faktisch nur ein entsprechend wohlhabender und begüterter Mann Bürgermeister werden, der in der Regel der Klasse der "Gäulsbauern" (Pferdebauern) angehörte. Die Wahlen der ersten Bürgermeister im Großherzogtum Hessen im Jahr 1821 ging in der Weise vonstatten, dass die Ortsbürger zunächst drei Personen wählte, von denen die Regierung eine als Bürgermeister bestätigte.

Die Wahlperiode des Bürgermeisters betrug, nach einer anfänglichen dreijährigen Übergangsperiode, sechs Jahre. Das "Gesetz, die Bildung des Ortsvorstandes und des Gemeinderaths betreffend" vom 9.1.1852 verband dann die Amtszeit des Bürgermeisters und Beigeordneten mit der des Gemeinderates, von dem diese auch gewählt wurden. Mit Inkrafttreten der hessischen  Landgemeindeordnung vom 15.6.1874 kehrte man wieder zur Direktwahl zurück. Die Amtszeit des Bürgermeisters betrug jetzt neun Jahre, wurde nach Einführung der neuen hessischen Landgemeindeordnung vom 8.7.1911 (Inkrafttreten am 1.4.1912) aber wieder auf sechs Jahre herabgesetzt. Die Amtszeit des Gemeinderates betrug stets neun Jahre, wobei festgelegt war, dass alle drei Jahre ein Drittel der Ratsmitglieder auszuscheiden hatte und in neuen Wahlen (bei Möglichkeit der Wiederwahl) ersetzt wurde.

Während der NS-Zeit wurde die kommunale Selbstverwaltung durch den am 30.1.1935 erfolgten Erlass der "Deutschen Gemeindeordnung" weitgehend abgeschafft. Der "von oben" eingesetzte Bürgermeister bestimmte nach dem "Führerprinzip" in allen Gemeindeangelegenheiten und ernannte die Gemeinderäte, doch bestand ein Mitwirkungsrecht des NSDAP-Ortsgruppenleiters. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Schaffung des heutigen Bundeslandes Hessen im Jahr trat am 24.1.1946 die Hessische Gemeindeordnung (HGO) in Kraft, deren Neufassung vom 25.2.1952 datiert und die in ihren Grundzügen bis heute gültig ist. Der Bürgermeister und die ab 1952 nunmehr zwei Beigeordneten wurden nicht mehr direkt von der Bevölkerung gewählt, sondern von der Gemeindevertretung.

Bei den Bürgermeister-, Beigeordneten- und Gemeinderatswahlen spielten natürlich persönliche Beziehungen, Feindschaften und verwandtschaftliche Bindungen eine wichtige Rolle. Regelmäßig kam es zu erbitterten Wahlkämpfen, die manchmal für Monate und Jahre das Klima im Dorf vergifteten, insbesondere bei den Bürgermeisterwahlen 1892, 1902, 1911 und 1925. Die Dorfbevölkerung spaltete sich während dieser Wahlkämpfe dann in zwei regelrechte "Parteien", welche sich gegenseitig beklagten und beleidigten. Häufig gaben die jeweiligen Kandidaten ein sogenanntes "Freiessen" bzw. Freibier in den örtlichen Gasthäusern als "Wahlwerbung".

Wahlberechtigt und zur Nutzung der Gemeindeeinrichtungen wie den Backhäusern zugelassen waren nur die Ortsbürger. Ortsbürger konnte jedes männliche Gemeindemitglied werden, dessen Eltern bereits Ortsbürger gewesen waren, und nach seinem Tod auch die Witwe. Jeder von auswärts zuziehende Ortsbürger musste ein Einzugsgeld bezahlen. Mit dem Ortsbürgerrecht verbunden war auch die Führung eines Beizeichens, die immer dann nötig wurde, wenn es in einem Ort mehrere gleiche Träger eines Vor- und Nachnamens gab, was in Bermuthshain wie in anderen Dörfern auch recht häufig vorkam. Die Beizeichen wurden als fester Namensbestandteil dem Namen hinzugefügt und lauteten dann beispielsweise "Andreas Oechler IX.", "Heinrich Jockel V." oder "Jakob Heutzenröder IV.". Eine einmal vergebene Nummer durfte erst nach 10 Jahren wieder an einen Träger gleichen Namens vergeben werden, im Fall von Immobilienbesitz oder Eintrag im Grundbuch (was die Regel war) sogar erst wieder nach 30 Jahren. Erst 1952 wurden die Beizeichen abgeschafft. Üblicherweise erlangte man das Ortsbürgerrecht als Bermuthshainer nach der Überschreibung von Haus und Hof und nach Heirat und Militärdienst.

Ein eigenes "Rathaus" hat Bermuthshain wie die meisten hessischen Landgemeinden niemals besessen. Stattdessen erledigte der Bürgermeister seine Amtsgeschäfte im eigenen Wohnhaus. Er musste allerdings einen Raum für die Unterbringung der Gemeindeakten stellen. Auch aus diesem Grund konnten nur Inhaber einer großen Hofreite Bürgermeister werden. Nach jeder Neuwahl eines Bürgermeisters mussten die Akten und Archivalien innerhalb des Dorfes "umziehen". Von außen war das jeweilige "Bürgermeisterhaus" nur durch ein Emailleschild mit der Aufschrift "Großherzogliche (bzw. Hessische) Bürgermeisterei Bermuthshain" und dem Landeswappen zu erkennen. Der Gemeinderat tagte in der "Gemeindestube", die in jedem Jahr an einen anderen örtlichen Gastwirt vergeben wurde.

Die öffentliche Bekanntmachung behördlicher und gemeindlicher Anordnungen im Dorf war die Aufgabe des Polizeidieners, auch Gemeindediener genannt. Dabei blieb er bei seinen Rundgängen durch das Dorf in bestimmten Abständen stehen und verschaffte sich mit dem Läuten der Ortsschelle Gehör. Ein Polizeidiener hatte sein Amt mitunter viele Jahrzehnte inne, wie etwa von 1884 bis 1926 Nikolaus Franz, der im Alter von 86 Jahren in den Ruhestand trat und darüber hinaus durch seine Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg und der Erstürmung des Schlosses Chambord am 9.12.1870 im Ort zu einiger Berühmtheit gelangte. Als letzter Gemeindediener in Bermuthshain fungierte Emil Wies ("Annekinne"), bevor mit der Gebietsreform 1972 das Mitteilungsblatt der Gemeinde Grebenhain an seine Stelle trat.

Gemeinheitliche Gebäude waren das Schulhaus und die ursprünglich (1818) fünf Backhäuser. Seit den 1860er Jahren gab es nur noch das Unterdörfer Backhaus in der Ober-Mooser Straße und das Oberdörfer Backhaus an der Kreuzung von Hauptstraße und Bergweg, wo sich seit 1957 auch das Wiegehaus befand. Gegenüber dem Unterdörfer Backhaus stand auch das Leiterhaus, das 1905 zum Gemeindehaus in der heutigen Obergasse versetzt wurde. Dieses Gemeindehaus war ursprünglich ein gewöhnliches Bauernhaus, das im Jahr 1882 durch die Gemeinde erworben wurde. 1971 wurde das Gemeindehaus unter Belassung der Mietswohnungen an eine Privatperson verkauft und war ab 1973 unbewohnt. Wegen des zunehmenden Verfallsgrades erfolgte im Juni 1991 sein Abbruch. Von 1846 bis 1920 befand sich das "Ortstadts" Haus im Tannenweg als Gemeinde-Armenhaus ebenfalls im Besitz der Gemeinde.

Bereits unter Bürgermeister Heinrich Oechler I. waren 1898 die Kreisstraßen nach Ober-Moos und Crainfeld in Angriff genommen worden. Damit zusammenhängend wurde die Anlage einer Ortsdurchfahrt in Bermuthshain grundsätzlich beschlossen. Eine Mehrheit des Gemeinderates erachtete den Ausbau der "oberen Ortsstraße" (Hauptstraße) zur neuen Ortsdurchfahrt für zweckmäßiger als den Ausbau der "unteren Ortsstraße" (Ober-Mooser Straße). Zum tatsächlichen Ausbau kam es jedoch erst einige Jahre später. 1899 wurde auch mit der Aufstellung eines neuen Brandkatasters begonnen, welches mit der erstmaligen Einführung amtlicher Straßennamen in Bermuthshain verbunden war.

Die wesentlichen Fortschritte in der Entwicklung und Modernisierung der dörflichen Infrastruktur geschahen jedoch in der Amtszeit der Bürgermeister Friedrich Jost (1902 bis 1926) und Ernst Baumbach (1956 bis 1971). Unter Bürgermeister Friedrich Jost erfolgten 1903 der Bau der Lüderbrücke sowie der Ausbau der Ortsdurchfahrt mit dem neuen Straßennamen "Hauptstraße" und 1909-1910 der Bau der Wasserleitung.  In den Jahren 1910 bis 1928 wurde in Bermuthshain als erstem Ort im hohen Vogelsberg (neben Volkartshain) eine Flurbereinigung durchgeführt. Durch den Bau der Vogelsbergbahn erhielt Bermuthshain im Jahr 1906 Bahnanschluss. Seit 1921 wird Bermuthshain vom elektrischen Strom versorgt. In der Amtszeit des Nachfolgers Otto Ernst August Pfannstiel wurden noch im Jahr 1934 die erste Skisprungschanze ("Skibahn") auf dem Höllerich und 1938 die Volkshalle ("Adolf-Hitler-Heim") am Marktplatz als erstes frühes "Dorfgemeinschaftshaus" erbaut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde unter Bürgermeister Johannes Weitzel 1950 das neue Feuerwehrgerätehaus errichtet und mit dem Bau des schon 1913 geplanten neuen Schulhauses begonnen, das unter seinem Nachfolger Richard Oechler 1952 eingeweiht werden konnte. Seit Ende der 1950er Jahre wurde durch die Gemeinde Bermuthshain in bis dahin nie gekanntem Ausmaß in die Modernisierung der Infrastruktur investiert. Im Zeichen der Entwicklung zum "modernen Dorf" wurden 1960-1963 die Ortskanalisation, 1965 das Gefrierhaus, 1966 die Friedhofskapelle und 1970 die zweite Skisprungschanze auf dem Höllerich fertig gestellt. Noch in der Zeit der Selbstständigkeit unter Bürgermeister Ernst Baumbach wurden ab 1963 die Ortsdurchfahrt erneut ausgebaut und von 1970-1973 alle Ortsstraßen geteert. 1970/71 wurde schließlich noch die Wasserleitung zum Hochbehälter erneuert und eine neue Quelle an der Gemarkungsgrenze zu Völzberg gefasst. Obwohl reichlich Landeszuschüsse flossen, so bedeutete das Ausmaß der Investitionen in nur wenigen Jahren doch eine ungeheure finanzielle Herausforderung für die kleine Gemeinde Bermuthshain.

Nach dem Anschluss an die Großgemeinde Grebenhain erfolgten 1973-74 der weitere Umbau der Wasserversorgung, 1975-1977 der Umbau der leerstehenden neuen Schule zum Dorfgemeinschaftshaus, 1978-1996 die zweite Flurbereinigung, 1984 der Bau des Festplatzes, 1987 der Bau der Kläranlage, 1988 die unterirdische Verlegung des Ortsnetzes und 1995 der Neubau des Feuerwehrgerätehauses. Seit dem Jahr 1999 steht Bermuthshain ganz "im Bann" der Dorferneuerung, die schon 1986 einmal angedacht war, aber erst zum Beginn des neuen Jahrtausends durch offizielle Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm der hessischen Landesregierung Realität wurde. Im Rahmen der Dorferneuerung wurden als kommunale Projekte im Jahr 2004 der Lindenplatz, das Wiegehaus und das Unterdörfer Backhaus saniert und neu gestaltet. Seit Spätsommer 2003 war bereits der völlige Umbau des Dorfgemeinschaftshauses mit den Außenanlagen im Gange, der mit der offiziellen Einweihung am 29.9.2006 abgeschlossen wurde. Im Inneren war das Dorfgemeinschaftshaus bereits seit April 2005 wieder nutzbar. Im August bis Oktober 2006 erfolgte außerdem der Bau einer Aussichtsplattform direkt vor der alten Skisprungschanze auf dem Höllerich. Auch das Gelände um den alten Denkmalsstein sowie den alten Festplatz und Schießstand auf dem Höllerich wurde begehbar gemacht. 2008 wurde die Lüderquelle am ehemaligen Weidheckenteich nahe dem Vulkanradweg neu gefasst. Als weitere Maßnahmen der Dorferneuerung erfolgte 2008-2010 der Umbau der Maschinenhalle ("Festhalle" bzw. "Feierscheune") am Marktplatz. Abschluss des Programms war die Restaurierung und Sanierung der alten Schule mit der Einrichtung des Muna-Museums 2008-2011.

Über die Entwicklung der Einwohnerzahlen von Bermuthshain informiert die folgende Tabelle:

 

Einwohnerentwicklung von Bermuthshain 1804 bis 2003

 
  Erhebungsdatum Einwohnerzahl  
  1804 472  
  1825 520  
  3.12.1834 522  
  30.8.1840 537  
  3.12.1840 520  
  3.12.1846 521  
  3.12.1852 495  
  3.12.1858 505  
  1861 498  
  3.12.1864 478  
  1.12.1871 437  
  1.12.1875 433  
  1.12.1880 460  
  1.12.1885 501  
  1.12.1890 506  
  2.12.1895 461  
  1.12.1905 458  
  1.12.1910 486  
  16.6.1925 505  
  16.6.1933 476  
  17.5.1939 463  
  29.10.1946 692  
  13.9.1950 667  
  25.9.1956 596  
  6.6.1961 545  
  30.6.1967 514  
  1.1.1987 562  
  31.8.2003 617  
 

Das Ende der Gemeinde Bermuthshain

Nach wechselnder Verwaltungszugehörigkeit kam Bermuthshain im Jahr 1852 zum Kreis Lauterbach, dem es bis zum Ende der Selbstständigkeit angehören sollte. Dieser gehörte weiterhin zur 1937 aufgehobenen Provinz Oberhessen, deren Verwaltungssitz Gießen war. Von 1821-1832 gehörte Bermuthshain zum Landratsbezirk Schotten, 1832-1848 zum Kreis Nidda und 1848-1852 zum Regierungsbezirk Nidda. Die kommunale Selbstständigkeit der Gemeinde Bermuthshain wurde von diesen Verwaltungswechseln nicht berührt und wie die aller kleinen Landgemeinden erst durch die Verwaltungs- und Gebietsreform 1971/72 in Frage gestellt, die im Kern auf Vorhaben der Weimarer und NS-Zeit sowie der unmittelbaren Nachkriegszeit zurückging. Wie die parallelen Reformen in anderen Bundesländern  war sie das Ergebnis einer zeitspezifischen und fortschrittsgläubigen "Rationalisierungsideologie", die etwa seit Ende der 1960er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland bestimmend wurde und alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens verändert wollte. Ziel der Reform war die "Stärkung der Verwaltungskraft" durch Bildung von Großkreisen anstelle der bisherigen Landkreise und Zusammenfassung der vielen Dorfgemeinden zu größeren "leistungsfähigeren" Verwaltungseinheiten. Ein umfassendes System der Raum- und Regionalplanung sollte die künftige Entwicklung von Land und Regionen steuern. Man war der Ansicht, die kommunalen "Aufgaben der Zeit" wie soziale Infrastruktur, Kanalisation, Verkehrs- und Bauleitplanung, Schulwesen, Ausweisung von Siedlungs- und Gewerbeflächen, Errichtung von Gemeinschaftsanlagen usw. könnten nur im Rahmen von großräumigen kommunalen Verwaltungseinheiten mit einer hauptamtlichen "professionellen" Verwaltung gemeistert werden, ohne Rücksicht auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit einer Gemeinde im konkreten Einzelfall.

Im Unterschied z. B. zum Nachbarland Rheinland-Pfalz, wo die Einzelgemeinden formal selbstständige Mitglieder einer Verbandsgemeinde wurden, war die Reform in Hessen durch die kompromisslose Durchsetzung der "Einheitsgemeinde" mit völlig unselbstständigen Ortsteilen von vornherein zentralistisch angelegt. Die neuen Großgemeinden sollten nach Möglichkeit mindestens 15.000 Einwohner haben, dieser Anspruch wurde jedoch mit Blick auf die Realität reduziert. Die Notwendigkeit der Verwaltungs- und Gebietsreform wurde durch die Landesregierung und die veröffentlichte Meinung als alternativlos dargestellt. Auf überkommene "veraltete" Strukturen wurde keine Rücksicht genommen. Am bekanntesten wurde der Zusammenschluss der Städte Gießen und Wetzlar zur neuen Kunststadt "Lahn", der nach heftigem Widerstand in der Bevölkerung bereits 1979 wieder zurückgenommen wurde. Bis heute Bestand hat dagegen der Zusammenschluss von Treysa und Ziegenhain zu der Retortenstadt "Schwalmstadt".

Nach der Reform blieben in ganz Hessen lediglich 20 Landkreise und 6 kreisfreie Städte anstelle der ursprünglichen 48 Stadt- und Landkreise und von einst 2642 Gemeinden sogar nur 417 übrig. In der Vogelsbergregion entstand durch den Zusammenschluss der Kreise Lauterbach und Alsfeld mit Wirkung vom 1.8.1972 der Vogelsbergkreis mit Verwaltungssitz in Lauterbach. Er gehörte seit 1980 zum neu geschaffenen Regierungsbezirk Gießen als übergeordneter Planungsregion. Dieser firmiert seither auch unter der Kunstbezeichnung "Mittelhessen". Als zentralörtlicher Sitz einer Großgemeinde im hohen Vogelsberg war im Rahmen der Gebietsreform schon früh das seit dem 19. Jahrhundert als lokaler Verkehrsmittelpunkt emporstrebende Grebenhain vorgesehen. Grundlage für diese Entscheidung war außerdem der seit 1964 bestehende Schulverband Grebenhain.

Wie alle Großgemeinden im Vogelsbergkreis, abgesehen von der Stadt Schlitz mit dem umgebenden Schlitzerland (ehemalige Grafschaft), wurde auch die neue Großgemeinde Grebenhain ohne historisches Vorbild quasi auf dem Reißbrett konstruiert. Die Gebietsreform wurde ohne Rücksicht auf die Vorstellungen in der Bevölkerung "von oben" durchgesetzt. Alle Gemeinden hatten sich gemäß der in Wiesbaden konzipierten Modellplanung einem zentralen Ort anzuschließen, wobei es völlig irrelevant war, ob eine jeweilige Gemeinde vielleicht auch eigenständig hätte weiter bestehen können und entsprechend leistungsfähig war wie im Fall des Luftkurortes Ilbeshausen-Hochwaldhausen, der seine spätere "Muttergemeinde" Grebenhain an Einwohnern sogar leicht übertraf. Auch eigene Vorstellungen der einzelnen Gemeinden bezüglich der Anschlüsse spielten kaum eine Rolle.

Gemeinden, die sich bis zum 31.12.1971 für einen "freiwilligen" Beitritt zu einer Großgemeinde bereit erklärten, wurden vom Land Hessen Zuschüsse in Aussicht gestellt. Diese Option wurde von den meisten zukünftigen Ortsteilen der Großgemeinde Grebenhain gewählt, mit Ausnahme jedoch der 1971 gegründeten Gemeinde Steigertal (Heisters, Wünschenmoos, Zahmen) und der Gemeinde Metzlos-Gehaag, die dann zum 1.8.1972 angeschlossen wurden. Die Gemeindevertretung von Bermuthshain erklärte am 15.9.1971 ihre Zustimmung zu dem Grenzänderungsvertrag mit der Gemeinde Grebenhain.

Am 1.1.1972 wurde die Großgemeinde Grebenhain aus den bisherigen Gemeinden Bannerod, Bermuthshain, Crainfeld, Grebenhain, Hartmannshain, Herchenhain, Ilbeshausen-Hochwaldhausen, Metzlos, Nösberts-Weidmoos, Vaitshain und Volkartshain gebildet. Am 1.8.1972 wurden auch die bis dahin noch selbstständig gebliebenen Gemeinden Metzlos-Gehaag und Steigertal (Heisters, Wünschenmoos, Zahmen) an die Großgemeinde Grebenhain angeschlossen. Damit hatte die Jahrhunderte währende Geschichte der selbstständigen Dorfgemeinde Bermuthshain seit dem Mittelalter ihr Ende gefunden.

 

Porträt des Bermuthshainer Bürgermeisters und Landtagsabgeordneten Friedrich Jost ("Stockjes").

 

Die Bermuthshainer Ortsoberhäupter

Eine genaue Liste der Unterschultheißen von Bermuthshain und ihre Amtszeiten in der Zeit des alten Gerichts Crainfeld (vor 1821) kann bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erstellt werden. Die folgenden Angaben beruhen auf dem Geschlechtsregister bzw. Kirchenbuch der Pfarrei Crainfeld. An den vorletzten Schultheißen Johann Balthasar Zimmermann erinnert noch heute die Bauinschrift des heutigen "Säuhennerjes" Hause in der Ober-Mooser Straße, das dieser 1791 von dem örtlichen Zimmermann Johannes Schaub hatte erbauen lassen und das bis zum Verkauf an die Familie Lind 1904 "Henkelkammbalzersch" hieß.

Die Bürgermeister und Beigeordneten der selbstständigen Gemeinde Bermuthshain zwischen 1821 und 1971 sind dagegen vollständig bekannt und aufgelistet. Der erste Bürgermeister und letzte Schultheiß in Bermuthshain war Johann Sebastian Brückmann, dem das heutige "Götzjes" Haus (Gasthaus "Zum Deutschen Haus") gehörte. Er blieb bis 1843 im Amt. Sein Nachfolger Andreas Eschenröder, dessen Vater aus Ilbeshausen gestammt hatte und der Stammvater der Bermuthshainer Familie Eschenröder gewesen war, wohnte im vormaligen Schullehrerwohnhaus im heutigen Lindenweg oberhalb "Brennerjes", das um 1854 abgebrochen wurde. Nach der Revolution 1848 wurde er durch Peter Hornung aus der Hofreite "Dammburjersch" abgelöst, kam aber nach dessen frühen Tod 1852 wieder in seine alte Stellung zurück.

Ihm folgte Sebastian Schmidt aus der Hofreite "Pittjes", der damals auch Gastwirt und einer der größten Landbesitzer in Bermuthshain war. Er blieb für nahezu 30 Jahre in diesem Amt, trat jedoch 1892 zurück, nachdem im Ort zunehmend Unmut gegen ihn laut geworden war. Seinen Nachfolger Heinrich Oechler I. aus dem "Henkelkammbalzersch" Haus (später "Säuhennerjes) schlug er selbst vor, und dieser wurde nach einem für die folgenden Jahrzehnte prägenden und äußerst erbitterten Wahlkampf auch zum Bürgermeister gewählt und 1893 als solcher bestätigt. Das eher kurze "Gastspiel" von Heinrich Oechler I. dauerte bis 1902 , als ein abermals die Dorfgemeinschaft spaltender Wahlkampf mit zweifacher Reklamation der Wahlentscheidung seine Ablösung herbeiführte.

Der Wahlsieger von 1902 war Friedrich Jost aus dem Haus "Stockjes", welcher als die historisch bedeutsamste Persönlichkeit in der Geschichte von Bermuthshain anzusehen ist. Er wurde am 22.11.1862 als Sohn des aus Vaitshain stammenden Kleinbauern Balthasar Jost geboren, erlernte zunächst das Schmiedehandwerk bei seinem Großvater Johannes Kimpel ("Kannjerche") und verlegte sich nach einer Erkrankung dann auf die Holzdreherei, die er „amtlich“ seit dem 25.11.1883 ausübte. Er fertigte unter anderem Spinnräder und seit 1886 auch die von dem damaligen Bermuthshainer Forstwart Wilhelm Dillemuth entwickelten ersten Vogelsberger „Schneeschuhe“ (Skier) an, wodurch sein Betrieb bald einen weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannten Ruf genoss, der unter dem Namen "Ski Luft" bis heute fortlebt. 1921 gründete Friedrich Jost auch einen Grabsteinhandel und schuf als Steinmetz mehrere Kriegerdenkmäler im Vogelsberg, darunter das in Bermuthshain selbst. 1886 hatte er Katharina Wies aus dem Haus „Annekinne“ geheiratet. Durch die Heirat der ältesten Tochter Elise Jost mit Heinrich Luft III. aus „Wänersch“ kam im Jahr 1908 der Familienname Luft ins Haus „Stockjes“.

Am 7.6.1902 wurde Friedrich Jost nach vorausgegangener Reklamation der ersten Wahl am 12.3.1902 und 1911 und 1919 nach den für damalige dörfliche Verhältnisse üblichen heftigen „Wahlschlachten“ jeweils bestätigt. Zur Bürgermeisterwahl am 28.6.1925 trat er noch einmal an, unterlag aber seinem späteren Nachfolger Otto Ernst August Pfannstiel („Heutzeredersch“). In die Amtszeit von Friedrich Jost fielen als wichtige Infrastrukturprojekte der Bau der Wasserleitung 1909, die Flurbereinigung 1910-1928 und der Anschluss an das Stromnetz 1921. Auch außerhalb seines Heimatdorfes machte er sich bald einen Namen. In der Auseinandersetzung um den Generalkulturplan 1905 setzte er sich als Fürsprecher der bäuerlichen Bevölkerung gegen die vom hessischen Staat geplanten Aufforstungen im hohen Vogelsberg ein. Bereits im Jahr 1911 wurde er als Kandidat für die Landtags-Ersatzwahl für den Wahlbezirk Herbstein-Ulrichstein nominiert, aber letztlich nicht gewählt. In der Landtagswahl vom 27.11.1921 wurde er dann als Abgeordneter der Partei des Hessischen Bauernbundes (Hessischer Landbund) in den Landtag des damaligen Volksstaates Hessen gewählt und vertrat hier weithin geachtet bis zu seinem Tod am 18.5.1931 infolge eines Unglücksfalls im Frankfurter Hauptbahnhof die Interessen des Wahlkreises Lauterbach. Gleichzeitig war Friedrich Jost auch Abgeordneter im Lauterbacher Kreistag und Mitglied in unzähligen Körperschaften und Ausschüssen, darunter ab 1908 der Hutweidenkommission für den oberen Vogelsberg.

Nach der fast schon traditionell zu nennenden heftigen Auseinandersetzung wurde 1926 schließlich Otto Ernst August Pfannstiel zum Bürgermeister gewählt. Er war der Inhaber der Gastwirtschaft "Zum goldnen Stern", wobei sich das Bürgermeisterzimmer jedoch aufgrund eines vorhergehenden Gerichtsurteils über die Unvereinbarkeit einer Gastwirtschaft mit einer Bürgermeisterei in einem Nebengebäude befand. Bürgermeister Pfannstiel blieb während der gesamten Dauer des "Dritten Reiches" im Amt und wurde nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen wegen der Zugehörigkeit zur NSDAP (bereits seit 1929) abgesetzt.

An seiner Stelle betraute die US-Militärregierung den "unbelasteten" Landwirt Johannes Weitzel aus dem "Hanse" Haus in der vorderen Eck, der bereits dem letzten nicht nationalsozialistischen Gemeinderat vor 1933 angehört hatte, mit dem Bürgermeisteramt. Unterstützt wurde er durch den kriegsversehrten Richard Oechler ("Luise"), der 1952 zu seinem Nachfolger gewählt wurde und sich außerdem als Heimatpfleger um die Erforschung der Geschichte von Bermuthshain verdient machte. In den letzten beiden Jahren konnte er seine Amtsgeschäfte krankheitsbedingt nicht mehr ausüben. Der erste Beigeordnete Wilhelm Hornung führte sie vom Sommer 1954 bis zur Neuwahl 1956 weiter. Diese Übergangsperiode endete mit der Berufung von Ernst Baumbach aus dem "Schmedebaste" Haus, der schließlich zum letzten Bürgermeister in der Geschichte von Bermuthshain werden sollte.

Erster Beigeordneter der Gemeinde Bermuthshain nach Inkrafttreten der Gemeindeordnung von 1821 war Johannes Hornung ("Dammburjersch"), Vater des späteren Bürgermeisters Peter Hornung. Dieser war vor seiner Wahl zum Bürgermeister ebenfalls Beigeordneter. Auch für den neuen Beigeordneten Andreas Eschenröder, der nach dem Tod von Johannes Hornung 1829 an seiner Stelle gewählt wurde, war das Amt eine "Durchgangsstation" zur Position des Ortsoberhauptes. Von 1848 bis 1878, also rund drei Jahrzehnte lang, befand sich das Beigeordnetenamt dann im "Henkelkammbalzersch" Haus (später "Säuhennerjes").

Auf Johann Balthasar Zimmermann, selbst Enkel des gleichnamigen Bermuthshainer Schultheißen, folgte sein Schwiegersohn Heinrich Oechler I.. Auch dieser wurde später zum Bürgermeister gewählt. Andreas Oechler VI. ("Götzjes"), der Besitzer des Gasthauses "Zum Deutschen Haus", amtierte anschließend am längsten von allen Bermuthshainer Beigeordneten. 1887 wurde er zum Beigeordneten gewählt und blieb dies bis zu seinem Tod 1913. Es folgte zunächst Heinrich Rausch I. ("Doktersch"), der aber während des Ersten Weltkrieges durch Johannes Oechler VII. und damit den Sohn seines langjährigen Vorgängers vertreten wurde. 1919 wurde Heinrich "Damer ("Damersch") zum Beigeordneten gewählt und amtierte bis 1925, dem Jahr des Streits um die Bürgermeisterwahl. Bis zur Gleichschaltung des Gemeinderates als Folge der NS-Diktatur 1933 war dann Heinrich Müller ("Kannjerche") Beigeordneter.

Vorübergehend nahm der Ortsgruppenleiter der NSDAP, in Bermuthshain Heinrich Oechler V. ("Stoffels"), das Amt war. Nach Inkrafttreten der "Deutschen Gemeindeordnung" wurden beide Funktionen wieder getrennt, und Ernst Jockel II. ("Petersch") wurde zum Beigeordneten der Gemeinde Bermuthshain ernannt. Wie Bürgermeister Pfannstiel und der übrige Gemeinderat wurde Ernst Jockel II. nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen 1945 des Amtes enthoben. Erst nach den hessischen Kommunalwahlen vom 20.1.1946 wurde wieder ein neuer Beigeordneter, Friedrich Wies ("Annekinne"), gewählt. Zwischen 1948 und 1952 wirkte Richard Oechler ("Luise") als Beigeordneter von Bermuthshain und Gemeindesekretär und bestimmte schon vor seiner Wahl zum Bürgermeister die Politik der Gemeinde, wie z. B. den 1951 beginnenden Neubau des Schulhauses, maßgeblich mit.

Seit der neuen Hessischen Gemeindeordnung von 1952 gab es stets zwei Beigeordnete. Mit Alois Schindler bekleidete ab 1952 erstmals ein heimatvertriebener "Neubürger" das zweithöchste Amt in der Gemeinde Bermuthshain. Der erste Beigeordnete Wilhelm Hornung ("Gutermuths") musste ab 1954 auch kommissarisch die Amtsgeschäfte des erkrankten Bürgermeisters Richard Oechler für zwei Jahre wahrnehmen. Unter Bürgermeister Baumbach (ab 1956) amtierten zur Gebietsreform noch fünf weitere Personen als seine Stellvertreter, zuletzt Wilhelm Eschenröder ("Heckerts") und Karl Heuser ("Franze").

Seit 1972 hat Bermuthshain nur noch einen Ortsbeirat und einen Ortsvorsteher in beratender Funktion, während der Sitz der Gemeindeverwaltung sich in Grebenhain befindet. Erster Bürgermeister der für Bermuthshain zuständigen Großgemeinde Grebenhain wurde nach den hessischen Kommunalwahlen am 22.10.1972 Kurt Süßenberger, der bereits seit Inkrafttreten der Gebietsreform die Amtsgeschäfte als Staatsbeauftragter geführt hatte. Kurt Süßenberger war zuvor seit 1968 hauptamtlicher Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Ilbeshausen gewesen und wirkte von 1972 bis 1983 als Bürgermeister der neuen Großgemeinde. Seit 1983 ist Manfred Dickert Bürgermeister der Großgemeinde Grebenhain, der übrigens seinen Wohnsitz im Ortsteil Bermuthshain hat. Ortsvorsteher von Bermuthshain waren, nach einer Übergangszeit von Ernst Baumbach bis zur Kommunalwahl 1972, Heinrich Schlotthauer III. von 1972-1989, Wilfried Pfannstiel von 1989-2001 und Klaus-Heiko Weitzel von 2001-2011. Die beiden letzteren sind übrigens Enkel zweier früherer Bermuthshainer Bürgermeister. Seit 2011 ist Herbert Nies Ortsvorsteher von Bermuthshain.

 

Unterschultheißen von Bermuthshain bis 1821

 
  Bast Schäfer Haus unbekannt geb. 1641  gest. 1709  
  Konrad Muth Haus unbekannt geb. 1681  gest. 1759  
  Johann Balthasar Bopp Haus unbekannt geb. 1706  gest. 1773  
  Johann Balthasar Bopp Haus unbekannt geb. 1731  gest. 1799  
  Ludwig Werner Haus unbekannt geb. 1734  gest. 1814  
  Johann Balthasar Zimmermann "Henkelkammbalzersch" geb. 1755  gest. 1816  
  Johann Sebastian Brückmann "Brückmanns" geb. 1778  gest. 1853  
 

Bürgermeister von Bermuthshain von 1821 bis 1971

 
Johann Sebastian Brückmann "Brückmanns" 1821 - 1843
  Andreas Eschenröder Haus Nr. 36 1843 - 1848  
  Peter Hornung "Dammburjersch" 1848 - 1852  
  Andreas Eschenröder (2. Mal) "Götzekannjes" 1852 - 1862  
  Sebastian Schmidt "Pittjes" 1862 - 1893  
Heinrich Oechler I. "Henkelkammbalzersch" 1893 - 1902
  Friedrich Jost "Stockjes" 1902 - 1926  
  Otto Ernst August Pfannstiel "Heutzeredersch" 1926 - 1945  
  Johannes Weitzel "Hanse" 1945 - 1952  
  Richard Oechler "Luise" 1952 - 1954  
  Wilhelm Hornung (komm.) "Gutermuths" 1954 - 1956  
Ernst Baumbach "Schmedebaste" 1956 - 1971
 

Beigeordnete von Bermuthshain von 1821 bis 1971

  
  Johannes Hornung "Dammburjersch" 1821 - 1829  
  Andreas Eschenröder Haus Nr. 36 1829 - 1843  
  Peter Hornung "Dammburjersch" 1843 - 1848  
  Johann Balthasar Zimmermann "Henkelkammbalzersch" 1848 - 1878  
  Heinrich Oechler I. "Henkelkammbalzersch" 1878 - 1887  
  Andreas Oechler VI. "Götzjes" 1887 - 1913  
  Heinrich Rausch I. "Doktersch" 1914 - 1916  
  Johannes Oechler VII. "Götzjes" 1916 - 1919  
  Heinrich Damer I. "Damersch" 1919 - 1925  
  Heinrich Müller "Kannjerche" 1925 - 1933  
  Heinrich Oechler V. "Stoffels" 1933 - 1935  
  Ernst Jockel II. "Petersch" 1935 - 1945  
  Friedrich Wies "Annekinne" 1946 - 1948  
  Richard Oechler "Luise" 1948 - 1952  
  Wilhelm Hornung "Gutermuths" 1952 - 1956  
  Alois Schindler "Schindlersch" 1952 - 1956  
  Ernst Korn "Heutzeredersch" Haus 1956 - 1960  
  Wilhelm Imhof "Imhofs" 1960 - 1964  
  Karl Oechler V. "Hohlewies" 1956 - 1968  
  Wilhelm Eschenröder "Heckerts" 1964 - 1971  
Karl Heuser "Franze" 1968 - 1971
 

Ortsvorsteher von Bermuthshain seit 1972

 
Ernst Baumbach "Schmedebaste" 1972 - 1972
  Heinrich Schlotthauer III. "Annas" 1972 - 1989  
  Wilfried Pfannstiel "Pittjes" 1989 - 2001  
Klaus-Heiko Weitzel "Hanse" 2001 - 2011
Herbert Nies "Kannhennersch" seit 2011
 

Dienststempel des Bürgermeisters von Bermuthshain seit den 1950er Jahren.

 

Gemeindesiegel und -wappen

Im Unterschied zu den benachbarten Gemeinden Crainfeld, Herchenhain und Ilbeshausen, welche 1952/53 das Recht zur Führung eines eigenen Ortswappens durch das hessische Innenministerium erhielten, hat Bermuthshain niemals ein eigenes Gemeindewappen besessen. Ein solches war aber ohnehin bei den meisten hessischen Landgemeinden unüblich. Daher hat beispielsweise auch die Nachbargemeinde Grebenhain vor 1971/72 niemals ein Wappen geführt. Das Bürgermeistereischild zeigte stets das Landeswappen des Großherzogtums Hessen bzw. ab 1918 des Volksstaates Hessen, den hessischen Löwen. Dieser fand auch auf den Siegeln bzw. Stempeln der Bürgermeisterei Verwendung. Der älteste Stempel aus der Zeit um 1800 zeigte überhaupt kein Wappen, sondern trug die Aufschrift "Bermetshain" (siehe oben). Bis zur Gebietsreform blieb es bei der Verwendung des Landeswappens als Symbol für die Bürgermeisterei und Gemeinde Bermuthshain. Bestrebungen zur Schaffung eines eigenen Bermuthshainer Wappens hat es nie gegeben.

Heute gilt auch für Bermuthshain das Wappen der Großgemeinde Grebenhain. Dieses ist eine abgeänderte Version des bereits 1953 angenommenen Gemeindewappens von Ilbeshausen. Wie dieses Wappen zeigt das Wappen der Großgemeinde Grebenhain den "Wilden Mann", eine Fachwerkkonstruktion, die auch an der dortigen 1691 gebauten Hansenmühle ("Teufelsmühle"), dem bedeutendsten Fachwerkhaus Oberhessens, zu sehen ist. Im Unterschied zum Wappen von Ilbeshausen zeigt das von Grebenhain den "Wilden Mann" jedoch auf gelbem anstatt silbernem Grund. Beibehalten wurde auch der rote Rand, jedoch mit 15 umlaufenden weißen Sternen für die einzelnen Ortsteile. Das Wappen wird seit 1980 geführt.

 

Wappen des Volksstaates Hessen (1918-1945). Es wurde auf dem Bürgermeistereischild und den Stempeln der Gemeinde Bermuthshain amtlich verwendet.

 

Heutiges Wappen der Großgemeinde Grebenhain (seit 1980).