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Greßmann |
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Bis der Zweite Weltkrieg und seine Folgen zwangsweise dutzende, ja sogar
hunderte heimatvertriebener Deutscher aus den bisherigen Ostgebieten des
Reiches und dem Sudetenland nach Bermuthshain brachten, hatte die Familie
Greßmann den wohl ungewöhnlichsten und auch geographisch entferntesten
Ursprung aller Bermuthshainer Familien. Denn Albert Greßmann, Gründer der
gleichnamigen Bermuthshainer Molkerei, war 1857 in dem kleinen Landstädtchen
Wittenburg im damaligen Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, weit im Norden
Deutschlands, geboren worden. Der Familienname ist bis heute in dem Ort
verbreitet. Zurückverfolgt werden können die Vorfahren der Bermuthshainer
Greßmann in Wittenburg (derzeit) bis ins späte 18. Jahrhundert. Stammvater
war der dortige Zimmergeselle Johann Christian Gresmann, verheiratet mit
einer Maria Christina Möllern.1809 wurde in Wittenburg sein Sohn Johann Carl
Wilhelm Gresmann geboren, aus dessen Ehe mit Henriette Agnesa Sophie Juliane
Dorothea Poehls der Begründer des Bermuthshainer Familienstamms, eben Albert
Greßmann, hervorging. Im Jahr 1898 gründete Albert Greßmann zusammen mit dem ebenfalls aus Mecklenburg stammenden und mit ihm verwandten Otto Schulz in Ilbeshausen die Dampfmolkerei Schulz & Greßmann, welche vorwiegend Käse und Butter produzierte. Warum beide sich ausgerechnet das im hohen Vogelsberg gelegene Dorf als Standort ihres Betriebes aussuchten, ist bis heute unbekannt. 1899 heiratete Albert Greßmann dann die aus Alpenrod im Westerwald stammende Wilhelmine Schäfer. Die neugegründete Molkerei stand jedoch unter keinem guten Stern. Zuerst schädigte 1900 ein Brand das Produktionsgebäude, dann entstand 1901 vor Ort ein vom Lauterbacher Käsefabrikant Carl Stöpler geführter Konkurrenzbetrieb. Schließlich schieden Otto Schulz und Albert Greßmann im Streit voneinander. Während ersterer in Ilbeshausen 1903 einen Neuanfang wagte (die Molkerei wurde 1911 von seinem Gehilfen Georg Heinrich Bloß übernommen und bestand noch bis 1965), verließ Albert Greßmann zunächst Ilbeshausen und den Vogelsberg. Eine Zeitlang hielt er sich in Gandersheim im Harz auf, wo 1902 auch sein ältester Sohn Wilhelm Greßmann geboren wurde. 1903 kehrte er dann jedoch wieder in den Vogelsberg zurück, um erneut eine eigene Privatmolkerei aufzubauen. Als neuen Lebensmittelpunkt wählte er nun nicht Ilbeshausen, sondern Bermuthshain, wo seine Ehefrau in der Landwirtschaft gearbeitet hatte und auch seine Schwägerin (in "Luise") verheiratet war. Zunächst wohnte die Familie Greßmann im "Doktersch" Haus, wo sich auch die Produktionsstätte der kleinen Handmolkerei befand. 1905 erwarb Albert Greßmann dann das in der Ortsmitte gelegene Grundstück des Leiterhauses von der Gemeinde. Dort entstand nun nach dem genauen Vorbild der Ilbeshäuser Molkerei ein zweistöckiges Wohn- und Betriebsgebäude. Mehr als dreißig Jahre wurde hier nun hauptsächlich Käse mit einer Handzentrifuge hergestellt und die Molkerei von den Bermuthshainer, Hartmannshainer und Herchenhainer Landwirten beliefert. |
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| Familie Greßmann während des Zweiten Weltkrieges. Von links: Katharina Greßmann geb. Appel, Toni Greßmann, Edgar Greßmann, Wilhelm Greßmann. |
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Ab 1912 betrieb die Familie Greßmann auch eine Spezereihandlung
(Warenhandlung), welche die eigentliche Molkerei sogar noch lange überleben
sollte. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet der kleine Molkereibetrieb jedoch
immer mehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Wohl auch aus diesem Grund
schloss sich Wilhelm Greßmann, der 1926 Katharina Appel aus Bermuthshain ("Kloase")
heiratete und den Betrieb 1935 offiziell von seinem Vater übernahm, als
einer der ersten im Dorf 1929 der NSDAP an. Trotzdem wurde er von den
Behörden im nunmehr nationalsozialistischen Deutschland 1937 aufgrund neuer
bzw. verschärfter Hygienebestimmungen gezwungen, die Molkerei zu schließen.
Nur wenige Wochen zuvor war Albert Greßmann gestorben, der damit die
Vernichtung seines Lebenswerkes nicht mehr miterleben musste. Erhalten blieb
das Ladengeschäft, während Wilhelm Greßmann im Gleisbau eine neue Arbeit
fand. Walter Greßmann (geb. 1904) und Albert Greßmann (geb. 1909), die jüngeren Söhne des Molkereigründers, ließen sich in den 1920er Jahren zunächst Künzelsau und Stuttgart in Württemberg nieder, wo sie auch heirateten. Letzterer wurde damit zum Begründer des heutigen württembergischen Greßmann-Zweigs. Walter Greßmann und seine Familie fanden in den 1930er Jahren in Weida im Thüringer Vogtland ihre endgültige Heimat, über vier Jahrzehnte lang dann vom Rest der Familie durch den "Eisernen Vorhang" abgeschnitten. Hedwig Greßmann (geb 1900) heiratete 1935 den Postkraftfahrer Heinrich Christian Wies aus Spielberg (heute Ortsteil von Brachttal im Main-Kinzig-Kreis) und wohnte in den Kriegs- und Nachkriegsjahren zeitweilig in Bermuthshain. Nach dem Tod von Wilhelm und Katharina Greßmann wurde der Laden in den ehemaligen Betriebsräumen der Bermuthshainer Molkerei ab 1962 von Sohn Edgar Greßmann, der selbst im Straßenbau arbeitete, im Auftrag der örtlichen Spar- und Darlehenskasse weiterbetrieben. Bis 1979 hatten die Bermuthshainer somit die Auswahl zwischen zwei Läden im Ort, danach gab es bis 1993 nur noch die "Edeka"-Filiale beim "Deutschen Haus" ("Götzjes"). Von da an war das "Greßmanns" Haus, vor über einem Jahrhundert als Molkerei mit Wohnung im Obergeschoß entstanden, ein reines Wohnhaus. Seit 2003 gehört es Ralf Greßmann als Vertreter der jüngsten Generation der vor über 100 Jahren aus Mecklenburg über Ilbeshausen nach Bermuthshain gekommenen Familie. |
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Stammbaum Greßmann |
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