Groh

 
Stammvater der Bermuthshainer Familie Groh war der 1766 in Hopfmannsfeld als Sohn des Gerichtsschöffen Johannes Groh geborene Johann Georg Groh. Durch seine Heirat mit der 16jährigen Anna Barbara Büttner im Jahr 1787 kam er nach Stockhausen, das ebenfalls im Riedeselland lag, und arbeitete dort als Glaser und Müller. In Stockhausen wurden auch 8 seiner insgesamt 9 Kinder geboren. Im Jahr 1810 erwarb er die oberste Grundmühle, die "Ahlhansen Mühle" (auch "Alandsmühle") bei Bermuthshain und zog dorthin. Die drei Söhne waren ebenfalls in Stockhausen geboren und sorgten durch ihre Heiraten für eine rasche Verbreitung des Namens Groh in Bermuthshain bzw. für drei Groh-Linien in dem Dorf.
 

Heinrich Groh I. ("Säutskinnjes") als Soldat im Ersten Weltkrieg.

 

Der älteste Sohn Adam Groh I. (geb. 1789) erwarb bereits 1811 die benachbarte unterste Grundmühle, und zwar durch Heirat mit der dortigen Müllerstochter Anna Katharina Ganß. Nach ihm trägt das Anwesen bis heute den Namen "Grohmühle" und den Hausnamen "Grohe", der erst durch behördliche Unkenntnis im Jahr 1978 zur "Grauen Mühle" verfälscht wurde. Durch Heirat mit der Enkelin Anna Maria Groh erwarb dann 1868 Peter Oechler II. aus dem Bermuthshainer "Nikloase" Haus die noch bis 1939 betriebene Mühle. Deren Bruder, der 1850 geborene Johannes Groh IV., verheiratete sich stattdessen im Dorf Bermuthshain mit einer Juliane Rasch und übernahm auf diese Weise die Hofreite "Säutskinnjes" in der "Vierdern Eck". Der Hoferbe Heinrich Groh I. ehelichte 1909 wiederum eine Müllerstochter, und zwar Katharina Usinger aus der berühmten "Teufelsmühle" (Hansenmühle) in Ilbeshausen. Nach ihm übernahm der Sohn Heinrich Groh II. das Anwesen und wohnte als letzter der Linie bis zum Tod 2003 auch noch im alten "Säutskinnjes" Haus. Seine Kinder sind Erhard Groh (Bermuthshain) und Edeltraud Groh (Ober-Moos). Die ältere Schwester Emilie Groh heiratete 1937 nach Fleschenbach. Die Linie "Säutskinnjes" ist seit den 1920er Jahren der einzige noch verbliebene Zweig des Groh-Geschlechtes in Bermuthshain.

Der mittlere Sohn Johannes Groh I. (geb. 1801) blieb in der obersten Grundmühle. Unter seinem Sohn Adam Groh II. wurde das Anwesen 1855 zu einer Schneidmühle erweitert, die ab 1870 mit Dampfkraft mittels der ersten Dampfmaschine in Bermuthshain und auch einer der ersten in der Umgebung angetrieben wurde. In dieser Sägemühle kam jedoch der einzige Sohn Sebastian Groh 1890 durch einen gegen ihn geschleuderten Holzscheit zu Tode. Die Schneidmühle, wie das Anwesen seit Einrichtung des Sägemühlenbetriebs genannt wurde und auch heute noch genannt wird, kam daher an den Schwiegersohn Heinrich Suppes II. aus "Franze", der die Tochter Maria Groh bereits 1880 geheiratet hatte.

 

Balthasar Groh, der Missionar aus Bermuthshain.

 

Der jüngste Sohn Georg Groh (geb. 1806) heiratete als erster der Familie Groh im Jahr 1831 ins eigentliche Dorf Bermuthshain. Die Geschichte dieses Familienzweiges ist auf einmalige Weise in einer Familienchronik überliefert, die sein Sohn Johannes Groh und später der Enkel Balthasar Groh aufzeichneten, und die auch wertvolle Einblicke in die Lebensverhältnisse (u. a. heute völlig vergessene Hausnamen) in Bermuthshain im 19. Jahrhundert gibt. Seine Ehefrau war Anna Maria Ganß, die aus einem kleinen einstöckigen Haus mit dem Hausnamen "Schneiderjes" in der "Vierdern Eck" stammte. Diese hatte zwischen 1817 und 1831 bei der Familie Hornung ("Dammburgersch") gedient. Der spätere Bürgermeister Peter Hornung lieh den Eheleuten Georg und Anna Maria Groh zinslos das Geld zum Ankauf eines Hauses mitten im Dorf, dessen Hausname "Ruhlsbaste" lautete und das später "Bachschneidersch" und dann "Jägersch" genannt wurde. Nach dem Tod seines Schwiegervaters Johann Heinrich Ganß zog Georg Groh mit Frau und Kindern in dessen Haus "Schneiderjes" und verkaufte das vorherige Haus.

In der Nachbarschaft von "Schneiderjes" befand sich die Hofreite "Hanse" in der Form eines großen zweistöckigen Eindach-Bauernhauses. Dieses Haus wurde damals von der verwitweten Hebamme Anna Maria Zimmermann geb. Kleinschmidt bewohnt, deren einziges Kind Johann Heinrich Zimmermann 1833 im Alter von 21 Jahren verstorben war. Diese schlug den Eheleuten Georg Groh vor, ihr baufällig gewordenes Haus "Schneiderjes" abzubrechen und zu ihr in das große "Hanse" Haus zu ziehen. Außerdem schenkte sie ihnen noch einige wertvolle Grundstücke. Nach dem Abbruch des Hauses "Schneiderjes" kam das Gelände zum Grasgarten der Hofreite "Hanse" hinzu. Die Stelle wurde nahezu 125 Jahre später mit dem neuen Wohnhaus der Familie Weitzel überbaut.

Georg Groh verdiente einen Teil seines Lebensunterhalts mit seinem Fuhrwerk, für das ihm anfänglich ein, später zwei Pferde zur Verfügung standen. Seine Fahrten führten ihn bis Frankfurt am Main, Heidelberg, Mainz, Fulda und Hersfeld. Das Fuhrgeschäft übernahm später sein jüngerer Sohn Balthasar Groh, der 1862 ins "Doktersch" Haus heiratete. Die Ehe seiner älteren Tochter mit dem Lehrer Wilhelm Mink blieb kinderlos. Die jüngere Tochter Elise Groh blieb im Haus und heiratete Heinrich Rausch I. aus Rebgeshain. Im "Hanse" Haus blieb Johannes Groh III., dessen Ehefrau Anna Margaretha Groh geb. Rehberger aus Grebenhain stammte, und der von den Bermuthshainern wie sein späterer Enkel Johannes Weitzel "Hanse Hannes" genannt wurde. Johannes Groh III. erlernte bei einem Nachbarn (wohl Christoph Oechler in "Säutskinnjes") das Dreher- und Schreinerhandwerk und fertigte nach seiner Verheiratung dann Spinnräder während der Winterabende an, die er zu Fuß auf den Markt in Gelnhausen trug und verkaufte. Auf Bestellung fertigte er auch kunstvoll verzierte Brautspinnräder an, ebenso bemalte Holzrechen. Später vergoldete und verzierte er auch schmiedeeiserne Grabkreuze. Anlässlich der Feier des Friedens nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 richtete er einen Grenzstein auf dem Höllerich zu einem Denkmal her, das bis heute erhalten ist.

Obwohl Johannes Groh III. einen Sohn hatte, erhielt sein Schwiegersohn Jakob Weitzel aus "Hoase" nach seiner Verheiratung 1882 mit der Tochter Maria Groh das Anwesen "Hanse". Der Sohn Balthasar Groh trat nämlich auf eigenen Wunsch im Jahr 1880 in das evangelische Baseler Missionshaus in der Schweiz ein. 1887 wurde er als Missionar nach Akropong in der britischen Kolonie Goldküste versetzt. Mit Unterbrechungen folgten vier Aufenthalte in Afrika, wo auch fünf seiner sechs Kinder geboren wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte er nach Deutschland und Hessen zurück und wirkte als Pfarrer in Engelrod und in Langd bei Hungen. 1935 starb Balthasar Groh und wurde seinem Wunsch entsprechend in seiner alten Heimat Bermuthshain begraben. Seine Söhne Bernhard und Ernst gründeten 1928 in München den Groh Verlag, der bis heute im Besitz der männlichen Nachfahren ist.

 

Stammbaum Groh

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