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Jockel |
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Die Familie Jockel war eines der alteingessenen Geschlechter von
Bermuthshain, die schon von der Mitte des 16. Jahrhunderts und bis zu ihrem
Aussterben im Mannesstamm in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Dorf
heimisch war. Zum ersten Mal erwähnt wird der Familienname Jockel in
Bermuthshain in den 1549 und 1553 entstandenen Akten über Personen aus dem
Gericht Crainfeld, die an den Landgrafen ein "Furstgelt" zu entrichten
hatten. Im Jahr 1549 werden die Namen Peter Jockel, Clauß Jockel, Wendel
Jockel Sohn des Cuntz, Wendel Jockel Sohn des Heintz und Hen Jockel genannt.
Im Salbuch von 1556 tragen sechs Personen den Nachnamen "Jacol". Die
relative Namenshäufigkeit wie auch die Nennung von zwei unterschiedlichen
Namensträgern der vorherigen Generation lässt darauf schließen, dass das
Jockel-Geschlecht bereits 1549 schon längere Zeit in Bermuthshain bestand.
Möglicherweise gab es den Namen Jockel im Ort schon im 15.
Jahrhundert.
Auch in den folgenden Quellen der Vorkirchenbuchzeit treten die Jockel stets in Erscheinung, ohne dass sich allerdings eine Abstammung rekonstruieren lässt. Im Einwohnerverzeichnis des Amtes Nidda von 1586 werden Peter Jockel, Wendel Jockel, Bastian Jockel, Hector Jockel, Martin Jockel und Milchior Jockel genannt. Das 1600-1632 entstandene Zinsregister der Pfarrei Crainfeld erwähnt die Namen Balthes Jockel, Anna Jocklin, Curt Jockell, Henn Jöckell, Heintz Jöckell, Johann Jockel, Heckert Jockel, Merten Jockel, Milchior Jockel, Peter Jockel und Valten Jockel. Die gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges, kurz vor Einsetzen des Kirchenbuches, entstandene Kriegsschadensliste von 1640 erwähnt einen Lenz Jockel, eine Merga Jocklin sowie eine Cort Jockels Witwe. Im seit 1659 geführten Crainfelder Kirchenbuch taucht zu Beginn jener bereits vorher erwähnte Lenz Jockel auf, welcher der Stammvater aller späteren Namensträger Jockel in Bermuthshain war. Die Ehefrau Marga des Lenz Jockel soll dem Kirchenbuch zufolge 1598 geboren und im damals paradiesischen Alter von 99 Jahren am 1.11.1697 gestorben sein. Lenz Jockels einziges bekanntes Kind war der 1626 geborene Stoffel, mit dessen 10 Kindern sich das Geschlecht in zwei größere Linien verzweigte, die bis ins 20. Jahrhundert bestanden. Ältestes Kind und ältester Sohn war der 1658 geborene Bast Jockel. Dieser hatte wiederum zwei Söhne, so dass eine weitere Verzweigung auftrat. Der ältere war der 1705 geborene Andreas Jockel. Sein gleichnamiger Enkel heiratete 1824 eine Witwe, die in einem Kniestockhaus an der Kreuzung von "altem Weg" und dem späteren Schulweg wohnte. Andreas Jockel starb 1850 ohne männliche Nachkommen, doch bereits 1839 kaufte ein Sebastian Oechler dessen Anwesen an der Stelle des heutigen Wohnhauses der Fam. Siebenlist, um es etwa im Jahr 1841 abzureißen. Bast Jockels jüngerer Sohn war der 1709 geborene Johann Balthasar Jockel. Diese Linie verzweigte sich nicht bis zu seinem gleichnamigen Enkel. Aus dessen erster Ehe mit einer Anna Maria Oechler ging wiederum ein Johann Balthasar Jockel hervor, der als Besitzer des "Bieljes" Hauses überliefert ist und 1833 ohne Nachkommen starb, zwei Jahre vor dem Kauf seines Anwesens durch den Grebenhainer Revierförster Karl Asmuß. Aus der zweiten Ehe mit einer Anna Barbara Zimmermann gingen drei Söhne (neben zwei Töchtern) hervor. Etwa um 1830 erlangte der Familienname Jockel auf diese Weise dann seine häufigste Verbreitung in Bermuthshain seit dem 17. Jahrhundert. Der im Jahr 1799 geborene Ackermann und Leinweber Ludwig Jockel heiratete 1823 im ursprünglichen "Stirskammbaste" Haus zwischen "Petersch" und "Stirskloase" ein. Sein Sohn, der Küfer Heinrich Jockel II., kaufte dann 1853 ein anderes Haus in der heutigen Obergasse und ließ das alte Haus abreißen, dessen Standort erst in den 1990er Jahren wieder mit einem Wohnhaus überbaut wurde. Mit Heinrich Jockel II. zog auch der Hausname "Stirskammbaste" um, der sich im "neuen" Haus bis heute gehalten hat. Heinrich Jockel II. vererbte die Hofreite an seinen 1867 geborenen ersten Sohn aus zweiter Ehe, den 1867 geborenen Nachtwächter Sebastian Jockel. Doch bereits mit dem 1929 im Alter von 29 Jahren verstorbenen Sohn Otto Jockel erlosch der Familienname in der männlichen Linie im Haus "Stirskammbaste". Der zweite Sohn aus der zweiten Ehe des Heinrich Jockel II. war der 1869 geborene Konrad Jockel, der 1899 im "Ahlewegslufte" Haus in Bermuthshain einheiratete. Er arbeitete als Maurer und verunglückte 1911 beim Bau der Wasserleitung in Dirlammen tödlich, als er in einem Brunnenschacht von herabstürzendem Gestein erschlagen wurde. Konrad Jockel hinterließ die erst 11 bzw. 5 Jahre alten Söhne Heinrich und Ernst. Heinrich Jockel IV. war wiederum Maurer und heiratete 1922 eine Katharina Walter aus Salz, um dann im "Ahlewegslufte" Haus zu bleiben. Die Eheleute hatten vier Töchter, von denen die jüngste 1951 Emil Oechler II. aus Bermuthshain ("Hohlewies") heiratete. Der Bruder Ernst Jockel heiratete 1935 eine Anna Köhler aus Bruchköbel und arbeitete und wohnte in Frankfurt am Main. Während des Zweiten Weltkrieges kehrte er nach Bermuthshain zurück und wohnte zuerst im Forsthaus. Nach 1953 lebten die Eheleute Ernst Jockel in dem von dem Heimatvertriebenen Rudolf Zosel 1948 erbauten Wohnhaus (Besitzer Karl Götz I.) in der Lichenröther Straße zur Miete. 1961 kaufte es die Tochter Christa Becke geb. Jockel. Heinrich Jockel IV. und Ernst Jockel starben 1981 und mit ihnen auch die gesamte Zweiglinie. |
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| Hochzeit von Heinrich Jockel V. ("Petersch") und Katharina Oechler ("Säuherts") am 29.5.1938. Das Gruppenfoto wurde vor dem Gasthaus "Zum goldnen Stern" aufgenommen, wo auch die Hochzeitsfeier stattfand und das in unmittelbarer Nachbarschaft zu "Petersch" liegt. |
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Jüngster Sohn des erwähnten Johann Balthasar Jockel und der Anna Barbara
Jockel geb. Zimmermann war der 1802 geborene Ackermann und Schneider
Heinrich Jockel I.. Dieser erwarb im Jahr 1826 durch Einheirat die Hofreite
des Gerichtsschöffen Johann Heinrich Muth an der heutigen Ober-Mooser
Straße, welche den Hausnamen "Petersch" trägt. Die Zweiglinie "Petersch"
sollte schließlich die letzte Jockel-Linie in Bermuthshain überhaupt werden.
Als einziger Sohn erhielt der 1826 geborene Ackermann Andreas Jockel II. die
Hofreite und heiratete 1855 eine Gertraud Müller aus dem Bermuthshainer "Muhrsch"
Haus. Die folgende Generation wurde durch den Landwirt und Kirchenvorsteher
Heinrich Jockel III. und seine aus dem "Franze" Haus stammende Ehefrau
Margaretha Jockel geb. Suppes. Heinrich Jockel III. hatte zwei Söhne mit dem
Namen Karl. Der ältere der beiden (geb. 1881) arbeitete als Techniker am Kreisbauamt Lauterbach, der jüngere (geb. 1894) heiratete
1926 im "Fischersch" Haus im benachbarten Crainfeld ein und begründete damit
die Crainfelder Seitenlinie der Jockel. Der 1937 geborene Karl Jockel ist
heute der letzte lebende männliche Angehörige des Jockel-Geschlechtes auf
dem Gebiet des alten Gerichts Crainfeld. Im "Petersch" Haus blieb der 1884 geborene Ernst Jockel II., der in den 1920er und 1930er Jahren auch als Beigeordneter dem Gemeinderat Bermuthshain angehörte. 1905 heiratete er Elise Oechler aus dem Bermuthshainer "Kannhennersch" Haus. Aus der Ehe gingen drei Söhne und eine Tochter hervor. Hoferbe war der älteste Sohn Heinrich Jockel V., der zwischen 1955 und 1974 auch Vorsitzender des MGV "Eintracht" Bermuthshain ist und im Jahr 1996 als letzter männlicher Träger des Namens Jockel 447 Jahre nach dessen erster Erwähnung starb. Dessen jüngerer Bruder Ernst Jockel III. heiratete 1942 im "Wänersch" Haus in Bermuthshain ein und starb 1979. Im Jahr 1949 wurde sein Sohn Gerhard Jockel als letzter männlicher Angehöriger des Jockel-Geschlechts in Bermuthshain geboren, wohnt jedoch schon seit längerer Zeit nicht mehr dort. Katharina Jockel als einzige Tochter des Ernst Jockel II. heiratete 1939 den Bermuthshainer Schneider Jakob Johannes Böckel ("Beckels"). Im Stammhaus "Petersch" heiratete 1959 Heinrich Schultheis aus dem Nachbarort Ober-Moos ein. |
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| Hochzeit von Ernst Jockel III. ("Petersch") und Pauline Luft ("Wänersch") am 1.11.1942. Aufnahmeort war das Gasthaus "Zum goldnen Stern". Aufgrund der Zeitumstände (Zweiter Weltkrieg) trug der Bräutigam Uniform, die Braut übrigens bereits ein "modernes" (bürgerliches) weißes Hochzeitskleid, das während des Krieges die traditionellen schwarzen Hochzeitskleider verdrängte. |
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Der dritte Sohn des erwähnten Stoffel Jockel im 17. Jahrhundert war der 1664
geborene Hans Jockel. Diese Linie verläuft nahezu ohne weitere Verzweigungen
bis zu seinem Enkel Johann Heinrich Jockel, der zweimal verheiratet ist. Er
ist der letzte männliche Angehörige dieser Linie. Die zweite Ehefrau Anna
Elisabetha Jockel geb. Rasch, die aus Ilbeshausen stammte, schloss nach dem
Tod von Johann Heinrich Jockel 1807 eine zweite Ehe mit dem Schuhmacher und
Füsilier Johann Velten Bopp, der dann in der Folge auch als Besitzer des
Hauses genannt wird. Ab 1832 ist der Schwiegersohn Balthasar Muth II. als
Besitzer eingetragen, der 1822 Anna Katharina Jockel, Tochter des Johann
Heinrich Jockel, heiratete. Für die Hofreite ist der alte Hausname "Jockels"
noch überliefert, so dass es sich möglicherweise um das Stammhaus der
Bermuthshainer Jockel nach dem Dreißigjährigen Krieg handelte. Erst nach dem
Verkauf des Hauses 1874 erhielt dieses seinen heutigen Hausnamen "Hoase
oben". Seit dem Tod von Heinrich Jockel V. im Jahr 1996 bzw. von Pauline Jockel geb. Luft im Jahr 2003 ist der so traditionsreiche Familienname Jockel aus Bermuthshain verschwunden. |
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Stammbaum Jockel |
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