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Jost |
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Mit dem Bermuthshainer Familiennamen Jost unwillkürlich verbunden ist der
Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Friedrich Jost. Dabei waren bei seiner
Wahl zum Bürgermeister nicht einmal 40 Jahre vergangen, als sein Vater
Balthasar Jost sich in Bermuthshain niedergelassen hatte. Balthasar Jost,
ein Leinweber aus dem Haus "Schreinersch" in Vaitshain, kaufte 1866 das Haus
des Bermuthshainer Garnhändlers Balthasar Stock (von dem auch der Hausname "Stockjes"
stammt). Seine Ehefrau Barbara Kimpel war eine gebürtige Bermuthshainerin
aus "Kannjerche".
Als erster von drei Söhnen wurde 1862 Friedrich Jost geboren. Er erlernte bei seinem Schwiegervater Johannes Kimpel in "Kannjerche" das Schmiedehandwerk. Eine Krankheit zwang ihn jedoch, den angestrebten Aufbau einer Schmiedewerkstatt aufzugeben. Friedrich Jost erlernte stattdessen den Beruf eines Holzdrehers, den er 1883 als Gewerbe anmeldete. In einfachen Verhältnissen lebend, aber sehr begabt, fertigte er u. a. Spinnräder, Rechen und Holzjoche und brachte seine Waren zu Fuß bis nach Wächtersbach zum Verkauf. Da trat 1886 der örtliche Forstwart Wilhelm Dillemuth an ihn heran, um Schneeschuhe (Skier) nach einer Abbildung in einer norwegischen Zeitung bei ihm bauen zu lassen. Nach einer längeren "Experimentierphase" wurde Friedrich Jost schließlich immer mehr bewandert im Eigenbau von Skiern, welchen er alsbald als erster im Vogelsberggebiet überhaupt gewerbsmäßig betrieb. Aus diesen noch kleinen Anfängen erwuchs schließlich die noch heute bestehende Firma "Ski Luft". Schon nach dem Ersten Weltkrieg überließ Friedrich Jost seine "Schneeschuhfabrikation" weitgehend dem Schwiegersohn Heinrich Luft III. aus "Wänersch". 1896 wurde Friedrich Jost erstmals in den Bermuthshainer Gemeinderat gewählt. Es war der Auftakt zu einer 35 Jahre währenden politischen Karriere. 1902 wurde er nach einem erbittert geführten Wahlkampf gegen Amtsinhaber Heinrich Oechler I. ("Henkelkammbalzersch"), obwohl nicht einmal einer der großen Bauernfamilien entstammend, mit großer Mehrheit zum Bürgermeister gewählt. Fast ein Vierteljahrhundert stand er an der Spitze der Gemeinde und bemühte sich wie kaum ein Bürgermeister vor oder nach ihm um die Entwicklung der dörflichen Infrastruktur (Wasserleitung, Elektrifizierung, Feldbereinigung u. a.). Diesem Zweck diente auch seine Mitgliedschaft in der Hutweidenkommission für den oberen Vogelsberg ab 1908. Nicht zuletzt durch den Widerstand gegen den Generalkulturplan der hessischen Regierung wurde er auch außerhalb von Bermuthshain rasch ein geachteter Mann. Was ihm 1911 noch versagt geblieben war, glückte 1921, die Wahl in den hessischen Landtag. Dessen Mitglied (für den Hessischen Landbund) blieb er auch, nachdem ihm 1926 die erneute Wiederwahl als Bürgermeister in Bermuthshain versagt blieb. Seine Reden im Landtag des Volksstaates Hessen zeichneten Friedrich Jost als betont sachlichen Abgeordneten aus, der in erster Linie praktische Fortschritte für seine Heimat im oberen Vogelsberg und damit seinem Wahlkreis im Auge hatte. Es war dies ein politischer "Stil", wie er im hessischen Landtag und in auch seiner eigenen Fraktion und seiner Heimat gegen Ende der 1920er Jahre jedoch immer weniger "gefragt" sein sollte. Das völlige Abgleiten seiner Heimatgemeinde Bermuthshain in den Nationalsozialismus und das "Dritte Reich" erlebte Friedrich Jost nicht mehr. Auf dem Weg zu einer Landtagssitzung in Darmstadt geriet er am 18.5.1931 abends im Frankfurter Hauptbahnhof beim Aussteigen unter den wieder anfahrenden Zug und wurde getötet. Drei Tage später wurde er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Bermuthshain beigesetzt. Der "Lauterbacher Anzeiger" widmete ihm u. a. den folgenden Nachruf: |
| Dann folgte noch eine Reihe von Nachrufen und Kranzspenden, unter anderem im Namen der hessischen Regierung, des Herrn Staatspräsidenten und der drei Minister, des Landbundes, der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft, der sozialdemokratischen Landtagsfraktion, des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Bezirkssparkasse Herbstein, zu deren Aufsichtsrat der Verstorbene gehört hatte, ferner im Namen des Kriegervereins Bermuthshain, des Gewerbevereins und des hiesigen Gesangvereins, sowie des evangelischen Kirchenvorstandes Crainfeld, dessen Mitglied Herr Jost seit 28 Jahren gewesen ist. In den Worten aller Redner kam übereinstimmend die Hochachtung vor der Persönlichkeit des Heimgegangenen zum Ausdruck. Er, der sich aus ganz kleinen Verhältnissen emporgearbeitet hatte, war ein Mann, der sich unermüdlich für das Wohl seines Hessenlandes, vor allem aber seiner geliebten engeren Heimat eingesetzt hat, und der durch sein lauteres Wesen und durch die Vornehmheit seiner Kampfesweise sich auch die Hochachtung seiner politischen Gegner gewonnen hat. In seiner zuvorkommenden Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft hat er stets für die Bitten und Anliegen seiner Landsleute ein offenes Ohr gehabt. So hat Friedrich Jost durch sein Wirken sich bleibende große Verdienste um seine Heimat erworben und sich in den Herzen seiner Landsleute ein Denkmal der Dankbarkeit gesetzt. |
| Quelle: "Lauterbacher Anzeiger" vom 22.5.1921 |
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Porträt von Friedrich Jost. |
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"Im Schatten" der wohl bedeutendsten Persönlichkeit Bermuthshains im 20.
Jahrhundert und seiner Familie gab es aber noch andere Namensträger Jost in
dem Dorf. Ebenfalls ein gebürtiger Vaitshainer, möglicherweise sogar
verwandt, war der Maurer Heinrich Jost. Er heiratete 1869 Elisabeth
Sparwasser (genannt die "Spoarlies") aus Bermuthshain und wohnte in einem
Haus in der heutigen Obergasse, das 1882 durch Kauf in den Besitz der
Gemeinde Bermuthshain überging und seither als Gemeindehaus bekannt war.
Sein Sohn Karl Jost (geb. 1874) wuchs in bitterer Armut auf, brachte es aber
später als Kohlenhändler in Mannheim zu großem Wohlstand. Sein Heimatdorf
vergaß er jedoch nicht, was sich in verschiedenen Stiftungen (u. a. für das
Kirchenblatt "Heimatglocken" und einem Wimpel für den örtlichen
Männergesangverein "Eintracht") äußerte. Schließlich gab es auch noch den aus Herchenhain stammenden Heinrich Jost (gest. 1934), an den bis heute der Hausname "Joste" erinnert. Sein Haus an der Lüder gelangte später an seinen Schwiegersohn Karl Bloß und nach dessen Tod 1982 interessanterweise wieder an eine Familie Jost, die mit den früheren Besitzern jedoch nicht verwandt ist. |
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Stammbaum Jost |
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