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Gesangverein "Liederkranz" Bermuthshain |
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Bis zur systematischen Aufarbeitung der Ortsgeschichte seit einigen Jahren
war niemandem in Bermuthshain mehr bekannt, dass es vor dem
traditionsreichen, 1911 gegründeten MGV "Eintracht" Bermuthshain einst noch
einen Männergesangverein gegeben hatte, der bereits im Jahr 1902 aufgelöst
worden war und den Namen "Liederkranz" getragen hatte. Die Entstehung dieses Vereins liegt bisher im Dunkeln. Erst in einer Zeitungsmeldung des "Lauterbacher Anzeiger" von 1900 wird der Gesangverein "Liederkranz" erwähnt, mit dem Hinweis, dass dieser "schon lange Jahre" existierte. Die Gründung kann durchaus schon in den 1880er Jahren erfolgt sein, ähnlich wie der gleichnamige (seit 1963 faktisch aufgelöste) MGV "Liederkranz" Crainfeld, der 1884 gegründet worden ist. Möglicherweise ist er in der Zeit der in Bermuthshain tätigen Schullehrer Emil Kayser und Heinrich Zimmer zwischen 1879 und 1884 ins Leben gerufen worden, jedoch ist dies mangels Quellen nicht beweisbar. "Präsident", d. h. Vorsitzender, des Gesangvereins "Liederkranz" war Balthasar Muth III. (Hausname "Kammveldersch"), der später auch dem Männergesangverein "Eintracht" als Gründungsmitglied angehörte. Im Jahr 1899 wurde der Verein nach mehrjähriger Untätigkeit wieder zu neuem Leben erweckt, und zwar auf Betreiben des im selben Jahr von Crainfeld nach Bermuthshain versetzten Lehrers Adam Heldmann, der das Amt des Dirigenten übernahm. Am 18.2.1900 lud der Verein zu einer Abendunterhaltung, bestehend aus Gesangsvorträgen, "komischen Duetten" und Terzetten mit Ball im Saal des Gasthauses "Zum goldnen Stern" gegen ein "Entree" von 20 Pfennigen ein. Nach der Versetzung von Adam Heldmann nach Bannerod übernahm der neue Lehrer Gustav Kröll 1901 den Dirigentenstab. Ganz entsprechend der "vaterländischen" Gesinnung der Gesangvereine beging der Gesangverein "Liederkranz" am 27.1.1901 den Geburtstag von Kaiser Wilhelm II.. Am 3.2.1901 unternahm der Verein einen Ausflug mit vier Pferdeschlitten durch die verschneite Vogelsberglandschaft zur Gastwirtschaft Johannes Muth im benachbarten Ober-Moos und am 22.5.1901 auf den Hoherrodskopf. Im selben Jahr erfolgte die Aufnahme in den 1885 gegründeten Vogelsberger Sängerbund. Bereits im Jahr 1902 wurde Lehrer Kröll nach Friedberg versetzt. Ein Nachfolger als Dirigent des Gesangvereins "Liederkranz" konnte nicht mehr gefunden werden. Daher wurde die Auflösung des Vereins beschlossen und am 17.12.1902 vollzogen. Das noch vorhandene Inventar des Vereins wurde durch den Vorsitzenden Balthasar Muth III. öffentlich im Vereinslokal versteigert. In den folgenden neun Jahren betätigten sich die Sangeslustigen in Bermuthshain im 1900 gegründeten örtlichen Kriegerverein, dem ebenfalls eine Gesangsabteilung angeschlossen war. |