Männergesangverein "Eintracht" Bermuthshain e. V.

 

Der traditionsreichste und älteste noch bestehende Verein in Bermuthshain ist der Männergesangverein "Eintracht". Die Entstehung dieses zweiten Gesangvereins im Dorf nach dem Ende 1902 aufgelösten "Liederkranz" führt in die heftigen innerörtlichen Auseinandersetzungen während der Bürgermeisterwahl im Herbst 1911 zurück, wie sie bei allen Bürgermeisterwahlen seit 1892 latent in Erscheinung getreten waren. In Bermuthshain war nach der Auflösung des ersten Gesangvereines weiterhin Chorgesang betrieben worden, und zwar innerhalb einer Gesangsabteilung im damaligen Kriegerverein, die von dessen Vorsitzenden Wilhelm Dillemuth geleitet wurde. Wie das gesamte Dorf, so wurde auch der Kriegerverein von der Spaltung der Bermuthshainer in zwei sich feindlich gegenüberstehende "Parteien" in Mitleidenschaft gezogen. Am 27.9.1911 wurde schließlich Amtsinhaber Friedrich Jost ("Stockjes") mit zehn Stimmen Mehrheit vor seinem Herausforderer Jakob Laufer ("Götzekannjes") erneut zum Bürgermeister gewählt. Doch die Stimmung im Ort hatte sich nach der Wahl keineswegs geglättet. Da der Vorsitzende des Bermuthshainer Kriegervereins, Wilhelm Dillemuth, den bisherigen Bürgermeister Friedrich Jost gewählt hatte, traten 18 Mitglieder aus dem Verein aus und beschlossen, unter der Führung des unterlegenen Bürgermeisterkandidaten Jakob Laufer einen eigenen Gesangverein zu gründen.

Man besorgte man sich eine Abschrift der Statuten des benachbarten MGV „Liederkranz“ Crainfeld und am 21.11.1911 wurde dann der Männergesangverein „Eintracht“ Bermuthshain gegründet. Der erste Vorsitzende des neuen Vereins wurde der in der Bürgermeisterwahl unterlegene Kandidat Jakob Laufer und dessen Stellvertreter Konrad Schäfer II. ("Schloarschmidts"). Erster Chorleiter wurde Johannes Weitzel ("Hanse"). Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Wahl des Vereinsnamens "Eintracht" bewusst im Hinblick auf die damals im Dorf herrschende "Zwietracht" erfolgte. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg stand der noch junge MGV "Eintracht" in einem scharfen Konkurrenzverhältnis zum Kriegerverein, dessen Gesangsabteilung weiterhin bestand. Beide Vereine wurden am 10.3.1913 in den 1885 gegründeten Vogelsberger Sängerbund aufgenommen, dem der MGV noch heute angehört. Seinen ersten Vereinsausflug unternahm der MGV "Eintracht" am 18.5.1913, als dem MGV 1897 Blitzenrod ein Freundschaftsbesuch abgestattet wurde. Dirigent dieses Vereins war der Blitzenröder Lehrer Wilhelm Mink, dessen Frau aus Bermuthshain stammte, wodurch der Kontakt zustande gekommen war. Aus Anlass dieses Besuches wurde auch die älteste noch existierende Aufnahme des Vereins aufgenommen.

 

Anlässlich eines Freundschaftsbesuches beim MGV 1897 Blitzenrod entstand dieses Gruppenbild des noch jungen MGV "Eintracht" Bermuthshain vor dem dortigen Gasthaus "Hamburger Hof" am 18.5.1913. Erster Vorsitzender war Jakob Laufer (auf Stuhl), Dirigent Johannes Weitzel (mit Taktstock). Auch der frühere Vorsitzende des 1902 aufgelösten ersten Bermuthshainer Gesangvereins "Liederkranz" befand sich unter den Sängern des MGV "Eintracht". Von links sind zu sehen:
Oben stehend: Heinrich Oechler VI. ("Säuherts"), Ernst Baumbach ("Schmedebaste"), Otto Ernst August Pfannstiel ("Heutzeredersch"), Karl Jöckel ("Lufte").
Auf der Treppe: Heinrich Karl Götz ("Scheffersch"), Heinrich Appel I. ("Dammbauersch"), Heinrich Rausch ("Doktersch"), Karl Schneider ("Hohlkhannes"), Wilhelm Rausch ("Doktersch"), Balthasar Muth III. ("Kammveldersch"), Theodor Hornung ("Dammburjersch"), Johannes Merz ("Merze"), Wilhelm Roos ("Pittjes"), Heinrich Heutzenröder I. ("Kannjerche"), Andreas Mohr ("Muhrsch").
Sitzend vor Geländer: N.N., Johannes Schlotthauer ("Annas").
Unterste Reihe: Albert Greßmann ("Greßmanns", Johannes Jäger ("Jägersch"), Wilhelm Jöckel ("Lufte"), Heinrich Jost ("Joste"), Johannes Weitzel ("Hanse"), Benjamin Lind ("Sandersch"), Heinrich Leinberger II. ("Stirskloase").
Sitzend auf Stuhl: Jakob Laufer ("Götzekannjes").
 
Während des Ersten Weltkrieges ruhte die Vereinstätigkeit, da viele Sänger zum Kriegsdienst eingezogen waren. Angesichts des Krieges und der vielen Gefallenen war der Unfrieden zwischen den beiden Bermuthshainer Vereinen allmählich verblasst, so dass die Gesangsabteilung des Kriegervereins mit allen verbliebenen Mitgliedern sich nun von diesem löste und dem MGV "Eintracht" beitrat. Seitdem existierte nur noch der MGV "Eintracht" als einziger Gesangverein in Bermuthshain. Zugleich traten auch die einst beim Kriegerverein ausgetretenen Mitglieder des MGV diesem wieder bei. Im Herbst 1919 gab es dann einen Wechsel an der Führungsspitze des MGV. Der bisherige Vorsitzende und Vereinsgründer Jakob Laufer stellte sein Amt zur Verfügung und neuer Vorsitzender wurde Otto Ernst August Pfannstiel, der Wirt des Gasthauses "Zum Goldenen Stern" ("Heutzeredersch"). Neuer Chorleiter wurde im selben Jahr der im Frühjahr 1919 nach Bermuthshain versetzte Lehrer Hans Mangold. Es wird berichtet, dass er durch seine unermüdliche Arbeit den Chor auf ein bis dahin unerreichtes Leistungsniveau brachte. So nahm der MGV damals an allen Sängerfesten des Vogelsberger Sängerbundes teil und konnte bei den Wertungssingen immer vordere Plätze belegen. Zu einer festen Veranstaltung wurden in jenen Jahren auch die mit einem Theaterstück umrahmten Familienabende in den Wintermonaten. Erst seit 1920 sind alle Protokollbücher des Vereins vorhanden.

Ausgerechnet in der schwierigen Krisenzeit nach dem Ersten Weltkrieg richtete der MGV am 5.8.1923 erstmals das Bundessängerfest des Vogelsberger Sängerbundes in Bermuthshain aus, und zwar am Markplatz sowie in den drei örtlichen Gasthaussälen. Die Eintrittspreise zum Fest erschienen wegen der damaligen Inflation geradezu astronomisch. So hatten die mitwirkenden Vereine 200 Mark pro Mitglied als Eintritt zum Fest zu zahlen. Von allen Nichtmitgliedern wurde dagegen auf dem Festplatz 500 Mark und beim Wertungssingen im Saal 3.000 Mark erhoben. Bei dem Bundessängerfest wurde ein Gewinn von nicht weniger als 30 Millionen Mark erzielt. Man beschloss, diese geradezu täglich an Wert verlierende Summe in eine Vereinsfahne zu investieren, deren Anschaffung schon seit einiger Zeit vorgesehen war. Chorleiter Mangold wurde beauftragt sich hierfür mit der Fahnenfabrik Anton Ernst in Heidelberg in Verbindung zu setzen und eine entsprechende Fahne dort zu erwerben.

Es kam zu einem aus heutiger Sicht kuriosen Tauschgeschäft, weil die Fabrik nicht für wertlose Banknoten, sondern nur über einen Handel mit Naturalien zur Herstellung einer Fahne bereit war. Glücklicherweise bot sich der Maschinenhändler Spahn aus Eckartsborn an, dem MGV "Eintracht" eine Milchzentrifuge für die 30 Millionen Mark zu überlassen. Allerdings konnte die Fahnenfabrik mit einer Milchzentrifuge nichts anfangen. Daher wurde der Beschluss gefasst, sie gegen Naturalwert öffentlich zu versteigern. Schließlich wurde die Zentrifuge von dem Mühlenbesitzer Theodor Möller aus der unteren Ahlmühle bei Grebenhain für 15 Zentner Roggenmehl ersteigert. Der Restbetrag wurde noch durch freiwillige Spenden der Vereinsmitglieder in Hafer aufgebracht und der MGV kam auf diese Art und Weise in den Besitz seiner heute noch existierenden ersten Vereinsfahne, gehalten in den Farben Braun und Beige. Sie wurde im Rahmen eines Familienabends an Weihnachten 1923 geweiht. Hierzu wurde dem MGV "Eintracht" von dem aus Bermuthshain stammenden Kohlengroßhändler Karl Jost in Mannheim eine Fahnenschleife spendiert.

Im Frühjahr 1925 gab der inzwischen an die Schule des benachbarten Crainfeld gewechselte  Lehrer Hans Mangold sein Amt als Dirigent des MGV auf. Neuer Chorleiter wurde Lehrer Karl Winter, der gebürtig aus Nieder-Seemen stammte. Er stellte zuvor jedoch die Bedingung, dass der Verein ein Harmonium anschaffen sollte. Der MGV war dazu jedoch finanziell nicht in der Lage. Stattdessen erwarb nun die Gemeinde Bermuthshain das Harmonium, welches im Betsaal (oberer Schulsaal) im Schulhaus aufgestellt und während der Betstunden gespielt wurde. Der MGV gab neben anderen Mitgliedern jedoch einen Zuschuss und besaß ausdrücklich das Recht zur Mitbenutzung des Harmoniums in seinen Chorproben, welche von nun an auch im oberen Schulsaal stattfanden.

Unter der Leitung von Karl Winter, der neben dem MGV auch den damals in Bermuthshain existierenden Gemischten Chor ins Leben rief und dirigierte, wurden weitere gesangliche Fortschritte erzielt. Im Jahr 1926 warf wieder eine Bürgermeisterwahl ihren Schatten auf den MGV "Eintracht" Bermuthshain, nachdem der bisherige Vorsitzende Otto Ernst August Pfannstiel zum Bürgermeister gewählt wurde. So wurde in der Generalversammlung am 26.11.1926 einstimmig Heinrich Sill ("Sills") zu seinem Nachfolger bestimmt. Dieser zählte zu den Mitbegründern des MGV und war bereits ab 1902 in seinem Heimatort Salz aktiver Sänger im dortigen MGV "Sängerlust" gewesen.

Im Jahr 1930 beendete Karl Winter seine Tätigkeit als Dirigent des MGV. Nach einer halbjährigen Pause des Chorgesangs trat im Dezember desselben Jahres Emil Weitzel aus Grebenhain, Dirigent des dortigen MGV 1880 und des Musikvereins sowie des  Evangelischen Kirchenchors Crainfeld, seine Nachfolge an. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 führte auch der MGV "Eintracht" Bermuthshain die "Gleichschaltung" durch. Der jüdische Gastwirt und aktive Sänger Seligmann Lind ("Sandersch") wurde aus der Mitgliederliste gestrichen. Am 1.5.1933 sang der Verein zur Pflanzung der "Hitlereiche" das Lied "Wo gen Himmel Eichen ragen". Nach der Auflösung des Vogelsberger Sängerbundes als Folge der Gleichschaltung im Herbst 1933 trat der MGV "Eintracht" dem Hessischen Sängerbund bei.

1934 beendete Emil Weitzel seine Tätigkeit als Dirigent. Nun kam die Aktivität des MGV über 4 Jahre lang völlig zum Erliegen. Erst am 24.11.1938 wurde der MGV auf Initiative des Lehrers Wilhelm Bitsch, der im gleichen Jahr an die Volksschule Bermuthshain versetzt worden war, wieder ins Leben gerufen. Weiterhin amtierte Heinrich Sill als "Vereinsführer" der gleichzeitig auch der Kriegerkameradschaft Bermuthshain und damit dem einst "verfeindeten" Kriegerverein vorstand. Mit 32 Sängern nahm der MGV "Eintracht" seine Aktivität wieder auf, doch diese neue Blütezeit währte nicht lange, da Wilhelm Bitsch am 14.6.1939 am Ortseingang von Grebenhain mit seinem Motorrad verunglückte und an den Folgen dieses Unfalls wenig später verstarb. Kurze Zeit später brach der Zweite Weltkrieg aus, und an Chorgesang war nun nicht mehr zu denken.

Erst im Jahr 1949 wurde der MGV "Eintracht" auf Initiative seines alten Vorsitzenden Heinrich Sill wieder zu neuem Leben erweckt. Es gelang, den im gleichen Jahr an die Bermuthshainer Schule versetzten Lehrer Alfons Schiller als Chorleiter zu gewinnen und am 1.11.1949 war es dann endlich soweit. Heinrich Sill hatte zu einer Versammlung eingeladen, auf der der MGV wieder auferstehen sollte. Viele junge Sänger waren erschienen und es konnte auch gleich die erste Gesangsstunde unter Leitung von Alfons Schiller stattfinden. Anfangs ging es langsam voran, schließlich musste man sich erst wieder finden, doch es gelang sehr schnell, an die 1934 abgebrochene erste Glanzzeit des Vereins wieder anzuknüpfen. Bereits am 5.2.1950 konnte der MGV einen Liederabend verbunden mit Theater und Tanz veranstalten. Im Sommer 1950 konnte der MGV schon an den Sängerfesten in Freiensteinau und Salz teilnehmen. Der MGV trat auch dem 1933 aufgelösten Vogelsberger Sängerbund bei dessen Wiedergründung am 3.12.1950 wieder bei, dessen erstes Bundessängerfest am 27.5.1951 in Volkartshain stattfand. Zeitweise existierte in jenen Jahren sogar noch eine "Quartett" genannte besondere Sängergruppe innerhalb des Vereins.

Am 10.6.1951 war der MGV Ausrichter des zweiten Bundessängerfestes des Vogelsberger Sängerbundes, wobei gleichzeitig das 40-jährige Bestehen des Vereins gefeiert wurde. Als Festplatz war derselbe wie im Jahr 1923 gewählt worden, als das erste Mal ein Bundessängerfest in Bermuthshain stattgefunden hatte. Es hatten sich hier über 1.000 Gäste zu diesem Fest eingefunden, allein 22 Gesangvereine nahmen daran teil. Zuvor bewegte sich bereits ein stattlicher Festzug durch den Ort. Es schlossen sich noch gesangliche Darbietungen der Vereine, sowie eine abendliche Tanzveranstaltung an. Sogar eine Lautsprecheranlage hatte der MGV zu diesem Fest organisieren können, eine damals nicht alltägliche Sache, welche ihm von verschiedensten Seiten viel Lob einbrachte. Dieses Bundessängerfest war auch die erste große Festveranstaltung in Bermuthshain nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im Sommer 1952 unternahm der MGV "Eintracht" erstmals einen längeren Tagesausflug mit drei Autobussen an den Rhein. Auch an der gesanglichen Umrahmung der Einweihung der neuen Schule am 12.10.1952 beteiligte man sich. Am 5.3.1955 fand auf der Generalversammlung des MGV nach zum ersten Mal seit fast 30 Jahren wieder ein Wechsel an der Spitze des Vereins statt. Aufgrund seines inzwischen fortgeschrittenen Alters von 71 Jahren legte Heinrich Sill sein Amt nieder. Als sein Nachfolger wurde Heinrich Jockel V. ("Petersch") gewählt. Nach der Versetzung von Lehrer und Dirigent Alfons Schiller 1957 an die Volksschule Müs im Landkreis Fulda wurde sein Nachfolger als Dirigent des MGV der aus Domaschin im  Sudetenland stammende Josef Präger I. ("Veitenhansels").

 

Anlässlich des Bundessängerfestes und 55-jährigen Jubiläumsfestes präsentierte sich der MGV "Eintracht" Bermuthshain am 4.5.1966 mit der alten Vereinsfahne von 1923 vor seinem damaligen Vereinslokal "Zum Goldenen Stern".
Auf der Treppe: Ottmar Damer ("Damersch"), Heinrich Damer ("Damersch"), Alois Präger ("Mauls"), Manfred Kaiser ("Koarsersch"), Karl Götz II. ("Kinnfräs"), Johannes Zimmer ("Kläsjes"), Heinrich Klein ("Weidels"), Helmut Rahn ("Stocke"), Wilfried Pfannstiel ("Pittjes"), Karl Wies I. ("Hoase"), Artur Hohmeier (in "Heutzeredersch")
Stehend vor Geländer: Wilhelm Imhof ("Imhofs"), Wilhelm Blum ("Blumme"), Albert Sensburg ("Sensburgs"), Karl Deuchert ("Schloarschmidtshannerjes"), Heinrich Schlotthauer III. ("Annas"), Willi Appel ("Velde"), Erwin Rausch ("Kannjerche"), Heinrich Jockel IV. ("Ahlewegs Lufte"), Ernst Lind ("Doktersch"), Emil Oechler I. ("Ahlewegs Lufte"), Karl Hämel ("Kläsjes"), August Baumbach ("Schefersch"), Karl Schneider ("Hohlkhannes"), Richard Oechler ("Luise").
Sitzend: Emil Wies ("Annekinne"), Josef Präger I. ("Veitenhansels"), Heinrich Jockel V. ("Petersch").
 

Im Jahr 1966 war der MGV zum dritten Mal in seiner Vereinsgeschichte Ausrichter des Bundessängerfests des Vogelsberger Sängerbundes und feierte gleichzeitig sein 55-jähriges Bestehen. Das Fest wurde auf der "Hühnerwiese" zwischen dem Ortsrand und dem Weg zu den Grundmühlen abgehalten. Den Festauftakt bildete ein vierstündiges Gastspiel der Egerländer Musikanten unter Leitung von Ernst Mosch vor über 4.000 Zuhörern am Pfingstsamstag, den 28.5.1966 im Festzelt. Das eigentliche Fest begann am Samstag, den 4.6.1966 mit einem Festgottesdienst und anschließender Totenehrung auf dem Friedhof. Am Abend schloss sich der Festkommers an, welcher mit der Weihe der neuen Vereinsfahne verbunden war. Diese war zuvor bei der Fahnenhandlung Carl Noll in Kirchhain beschafft und in der Fahnenfabrik Koch in Coburg angefertigt worden. Die Grundfarben dieser bis heute verwendeten Fahne und damit zugleich die Farben des Vereins sind Rot-Weiß. Der Festsonntag, 5.6.1966, begann mit dem Wecken des Ortes durch die bei dem Fest mitwirkenden Musikanten der Trachtenkapelle „Edelweiß“ und des Spielmannszugs Büdesheim. Es folgte das Wertungssingen im Saal des Deutschen Haus und der Festzug, welchem sich der Festakt auf dem Festplatz anschloss. Das vom MGV ausgezeichnet organisierte Fest endete mit einer Tanzveranstaltung am Abend. Erstmals wurde auch eine Festschrift mit der Vereinsgeschichte herausgegeben, in deren Rahmen der Heimatpfleger und Altbürgermeister Richard Oechler einiges über die Ortsgeschichte zusammengetragen hatte.

In der Generalversammlung am 15.3.1974 legte der 1. Vorsitzende Heinrich Jockel V. nach fast 20 Jahren an der Spitze des MGV sein Amt aus Altersgründen nieder. Als sein Nachfolger wurde Wilfried Pfannstiel, Enkel des früheren Vereinsvorsitzenden Otto Ernst August Pfannstiel, einstimmig gewählt. Der MGV "Eintracht" veranstaltete damals übrigens alljährlich einen Maskenball und eine Sonnenwendfeier am Höllerich. Sein 65-jähriges Bestehen beging er vom 10. bis 12.7.1976 mit einem Sängerfest auf dem Festplatz. Hierbei  wirkte die Reservistenkameradschaft Bermuthshain mit einer Waffenschau mit. Ein Festzug durch den Ort und ein Freundschaftssingen schlossen sich an.

Im Frühjahr 1982 beendete Josef Präger I. nach 25 Jahren seine Tätigkeit als Dirigent des MGV. Als neuer Chorleiter konnte der damals 24 Jahre junge Klaus Fillsack aus Kefenrod gewonnen werden. Unter seiner Leitung konnte die Leistungsfähigkeit des Chores enorm gesteigert werden und vor allem der Anteil junger Sänger wuchs. Dies bedeutete für den MGV "Eintracht" Bermuthshain eine erfreuliche Entwicklung, waren doch seit den 1960er Jahren zahlreiche traditionsreiche Gesangvereine in der Region dem veränderten Arbeits- und Freizeitverhalten zum Opfer gefallen. Im Jahr 1982 wurden auch die wöchentlichen Chorproben vom "Deutschen Haus", wo sie seit 1970 (Besitzwechsel des alten Vereinslokals "Zum Goldenen Stern") abgehalten worden waren, ins Dorfgemeinschaftshaus verlegt.

Vom 29.11. bis 2.12.1984 unternahm der MGV "Eintracht" eine Konzertreise nach Wien, wo man im Festsaal des Rathauses, neben anderen internationalen Chören, sowie im Stephansdom und im Kloster Melk auftrat. Seither wurde in fast jedem Jahr ein mehrtägiger Vereinsausflug durchgeführt. Zum vierten Mal fand vom 6. bis 8.6.1986 das Bundessängerfest des Vogelsberger Sängerbundes anlässlich des 75-jährigen Vereinsjubiläums in Bermuthshain statt. Den Auftakt bildete am Freitag, den 6.6.1986 ein Chorkonzert unter Mitwirkung aller „Fillsack-Chöre“. Am Samstag folgten eine Totenehrung und der Festkommers mit anschließendem Tanz. Der Sonntag begann mit dem Wertungssingen im Deutschen Haus, worauf sich ein Gästesingen im Festzelt auf dem Festplatz anschloss. Nach dem Festzug folgte der Festakt im Festzelt, der mit einer Tanzveranstaltung endete. Leider war dem MGV bei diesem Fest der "Wettergott" nicht gut gesinnt.

 

Anlässlich der 75-Jahr-Feier des MGV "Eintracht" Bermuthshain im Jahr 1986 entstand dieses Gruppenbild mit den beiden Vereinsfahnen von 1923 und 1966 vor dem Dorfgemeinschaftshaus.
Hintere Reihe v. l.: Hans Heuser, Günter Blum, Detlef Werblinski, Martin Oechler, Edwin Köhler, Wilfried Siebenlist, Manfred Deuchert, Karl-Heinz Oechler, Bernd Pfannstiel, Dieter Schultheis, Walter Muth, Thomas Appel.
Mittlere Reihe v. l.: Martin Luft, Wilfried Pfannstiel, Dietmar Emrich, Otfried Köhler, Markus Appel, Wilfried Betz, Heinrich Schultheis, Wolfgang Zinn, Werner Blöser, Ewald Schäfer, Karl-Heinz Scholtes, Horst Schlotthauer, Willi Appel, Reinhard Klein.
Vordere Reihe v. l.: Ditmar Betz, Stefan Blum, Arnd Pfannstiel, Ernst Oechler III., Karl Hämel, Wilhelm Imhof, Erwin Wies, Ernst Lind, Alois Präger, Harald Appel, Helmut Rahn.
 

Am 19.8.1986 wurde in einer außerordentlichen Generalversammlung der damals erst 26-jährige Harald Appel zum 1. Vorsitzenden des MGV "Eintracht" gewählt, der bis heute an der Spitze des Vereins steht. Weitere Neuerungen in der Zusammensetzung des Vorstands waren erstmals das Amt eines Passivenvertreters sowie das des Jugendvertreters. Seit 1987 wird auch der Liederabend des MGV "Eintracht" jährlich im Bürgerhaus Grebenhain veranstaltet. Das 80jährige Bestehen des MGV wurde vom 30.8 bis 1.9.1991 in einem Festzelt auf dem Festplatz am Sportplatz gefeiert. Den krönenden Abschluss der Feierlichkeiten bildete ein fünfstündiges Konzert der österreichischen Tanz- und Showband „Die Paldauer“. Seit 1993 veranstaltet der MGV "Eintracht" gemeinsam mit dem Hessischen Schlittenhunde-Amateursportclub (HSSC) am letzten Wochenende im Oktober das Internationale Schlittenhunde-Wagenrennen in Bermuthshain.

Neue Wege bei der Chorarbeit ging der MGV "Eintracht" im September 1995 mit einem Chorwochenende in der Sportschule Grünberg, wo man sich in einer Art Trainingslager mit mehreren Chorproben intensiv mit dem Chorgesang befasste. Seither wurde in der Regel alle zwei Jahre ein Chorwochenende bzw. eine Chorfreizeit durchgeführt. Im gleichen Jahr schloss sich der MGV neben der bestehenden Mitgliedschaft im Vogelsberger Sängerbund erneut dem Hessischen Sängerbund an. Zu einem weiteren Höhepunkt in der Vereinsgeschichte avancierte die Konzertreise nach Ungarn vom  8. bis 14.10.1998. Zum zweiten Mal nach Wien 1984 galt es diese große gesangliche Herausforderung zu meistern. Seit dem 18.8.1999 präsentiert sich der MGV auch mit einer eigenen Homepage im Internet, die seit dem 21.12.2001 unter der Adresse www.mgv-bermuthshain.de erreichbar ist.

Auf sein 90-jähriges Bestehen konnte der MGV im November 2001 zurückblicken. Unter dem Motto „Ein Verein im Wandel der Zeiten“ wurden die Feierlichkeiten im Bürgerhaus Grebenhain begangen. Zuerst gedachte man nachmittags am Samstag den 10.11.2001 mit einer Totenehrung am Ehrenmal des Friedhofs den verstorbenen Mitgliedern des Vereins. Am Abend dieses Tages fand dann der Festkommers im Bürgerhaus Grebenhain statt, verbunden mit einer Präsentation der Vereinsgeschichte. Einen interessanten Einblick in die Vereinsgeschichte nahmen dann viele Besucher am Sonntag, den 11.11.2001 bei der Ausstellung „Der MGV Gestern und Heute“ in der Kulturscheune „Zum Wilden Mann“ in Bermuthshain. Hier präsentierte der MGV seine Geschichte von den Anfängen bis in die aktuelle Zeit mit zahlreichen Fotos und Pressetexten, sowie einer Dia- und Videofilmshow. Der zweite Teil des Festes am folgenden Wochenende startete mit einem Chorkonzert am Freitag, den 16.11.2001 unter Mitwirkung von vier weiteren Vereinen, das mit dem Auftritt des fünfköpfigen Acapella-Vokalensembles „Matzsingers“ vor etwa 250 begeisterten Zuhörern im Bürgerhaus Grebenhain seinen gelungenen Abschluss fand.

Am 20. und 21.4.2002 feierte der MGV "Eintracht" das 20-jährige Jubiläum von Klaus Fillsack als Chorleiter. Bedingt durch den Umbau des Dorfgemeinschaftshauses wurden die Chorproben ab dem 6.10.2003 in die alte Schule verlegt, wo sie in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen schon einmal stattgefunden hatten. Die erste Chorprobe im renovierten DGH fand dann am 9.5.2005 statt. Gemeinsam mit dem ebenfalls von Klaus Fillsack geleiteten MGV 1884 Niederwald begab sich der MGV "Eintracht" vom 23. bis 26.9.2004 auf seine dritte Konzertreise nach Berlin.

Nach 23 Jahren beendete Klaus Fillsack im Jahr 2005 seine Tätigkeit als Chorleiter des MGV "Eintracht". Von Oktober 2005 bis Mai 2007 stand der Verein unter der Leitung von Beate Knüttel aus Freiensteinau, der ersten Chorleiterin in der fast 100-jährigen Vereinsgeschichte. Zu Beginn des Jahres 2007 gehörten dem MGV "Eintracht" 125 Mitglieder an, darunter 37 aktive Sänger. Gemessen an der Mitgliederstärke liegt der Traditionsverein in Bermuthshain damit an dritter Stelle. Seit dem 7.5.2007 hat der MGV "Eintracht" mit dem bisherigen Vize-Chorleiter und zweiten Vorsitzenden Ditmar Betz einen neuen Chorleiter. Ditmar Betz ist nicht nur der erste aus den Reihen des Vereins selbst hervorgegangene Chorleiter seit 1982, sondern auch der erste gebürtige Bermuthshainer als Chorleiter des MGV "Eintracht" seit Johannes Weitzel, der den Verein einst in seinen Gründerjahren von 1911 bis 1914 dirigiert hatte.

Im Mai 2010 erfolgte die Eintragung des MGV "Eintracht" Bermuthshain ins Vereinsregister. Sie stand bereits in Verbindung mit dem nächsten Höhepunkt der Vereinsgeschichte, auf den sich der Verein bereits seit 2009 vorbereitete. In einer Festwoche vom 1.-5.6.2011 und mit vielfältigen Veranstaltungen und Projekten feierte der MGV "Eintracht" Bermuthshain sein einhundertjähriges Bestehen. Wie bereits 1986 war ein Festzelt auf dem örtlichen Festplatz Mittelpunkt der Feierlichkeiten, die anders als ein Vierteljahrhundert zuvor von deutlich besserem Wetter begünstigt waren. Im Zeichen der 100-Jahr-Feier war im Rahmen des MGV "Eintracht" ein Projektchor unter dem Namen "Bermetzhaa 100" gegründet worden, mit dem Ziel, mindestens so viele Sänger auf die Bühne zu bekommen wie der Verein an Jahren seines Bestehens feierte, was auf dem Festkommers am 1.6.2011 dann auch eindrucksvoll gelang.

Ein vierstündiges Live-Konzert der "Zillertaler Haderlumpen" und von Marc Pircher folgte am 3.6.2011. Der 4.6.2011 bot unter dem Motto "Das Sommerfest des Chorgesangs" ein Chorkonzert mit leistungsstarken Chören aus der näheren und ferneren Region und als besonderen "Clou" einen Soloauftritt von Ramona Fottner, bekannt aus der RTL-Fernsehshow "Das Supertalent". Eines der eindrucksvollsten Vereinsfeste in Bermuthshain der vergangenen Jahrzehnte fand schließlich einen gelungenen Abschluss mit dem Bundessängerfest und dem Festzug durch Bermuthshain mit 44 teilnehmenden Vereinen und Gruppen am 5.6.2011. Am 12.6.2011 wurde dem MGV "Eintracht" aus Anlass seines 100-jährigen Bestehens dann auf dem Hessentag in Oberursel die Zelterplakette verliehen.

 

zur Übersicht