Müller

 

Der Name Müller wird in Bermuthshain zum ersten Mal im nach 1600 entstandenen Zinsregister der Pfarrei Crainfeld erwähnt, wo ein Enders Müller aufgeführt ist. Der Name ist aber in allen späteren Quellen aus dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr zu finden und dürfte in dessen Verlauf untergegangen sein. Erst im Jahr 1666 ließ sich dann ein Stoffel Müller aus Grebenhain nach Einheirat in Bermuthshain nieder.

In Crainfeld und Grebenhain taucht der Name Müller schon in den "Furstgelt"-Verzeichnissen von 1549 und 1553 auf und hat sich in beiden Fällen bis zum heutigen Tag gehalten. In Crainfeld gab es nach dem Dreißigjährigen Krieg drei unterschiedliche Müller-Stämme, die aber alle ihren Ursprung in benachbarten Orten hatten. Der älteste Stamm geht auf den 1683 geborenen Peter Müller aus Grebenhain zurück, welcher 1717 nach Crainfeld heiratete, und erlosch erst 1996 in männlicher Linie mit Heinrich Müller XII. ("Liederelse"). Der zweite Stamm begann mit einem Heinrich Müller, geboren 1668 in Ilbeshausen und 1729 in Crainfeld eingeheiratet. Noch heute seine Nachfahren in Crainfeld ("Brückehannese", "Linneboste", "Michelhennerjes", "Peterjes"), in Grebenhain ("Goasbalzersch") und seit einigen Jahren (dem letztgenannten Grebenhainer Haus entstammend) auch in Bermuthshain. Der dritte Stamm war auf Michel Müller zu Grebenhain zurückzuführen, welcher 1673 eine Maria Laufer heiratete. Er endete in männlicher Linie 1922 mit dem Crainfelder Landwirt Heinrich Müller VII. ("Roasche").

Aus Grebenhain stammen auch die Vorfahren der "alten" Bermuthshainer Müller-Familien. Ihr Urahn ist der 1622, im Jahr des verheerenden Einfalls der Truppen Herzog Christians von Braunschweig, dort geborene Jörg Müller. 1693 heiratete er eine Juliana Schad in Crainfeld, an die der bis heute verwendete Hausname "Jule" erinnert. Sein Urenkel Christoph Müller (geb. 1737) heiratete dann 1760 Juliana Franz aus Bermuthshain. Durch zwei Söhne entstanden die beiden wichtigsten Hauptlinien des Geschlechts. Der älteste, Johannes Müller, hatte wiederum drei Söhne. Der jüngste, Andreas Müller, heiratete 1823 in ein Haus in der jetzigen Obergasse, welches nach seinem Schwiegersohn Karl Mohr heute "Muhrsch" heißt. Der mittlere, Johann Balthasar Müller, kehrte 1819 durch Heirat an den Ursprungsort Grebenhain "zurück". Mit seinem Sohn Dietrich Müller starb diese Seitenlinie 1900 aus.

Der älteste Sohn war Johann Heinrich Müller (geb. 1787). Dieser war Gerichtsschöffe für seinen Heimatort Bermuthshain und ist im Brandkataster von 1818 als Besitzer der Hofreite "Kannjerche" zu identifizieren. Im Jahr 1821 wurde er der Unterschlagung von Geld aus der Gemeindekasse überführt und erzog sich seiner Bestrafung, indem er "böslicherweis" nach Amerika "entwich". Johann Heinrich Müller wurde somit, wenn auch unfreiwillig, zum ersten Bermuthshainer Amerikaauswanderer. Die Hofreite "Kannjerche" kam an seine Tochter Gertraud, welche 1834 mit Johannes Kimpel aus Ober-Moos und 1846 mit Melchior Mühlhäuser aus Hohenzell bei Schlüchtern die Ehe schloss. Mit ihnen kam auch das Schmiedehandwerk nach "Kannjerche". Mit Johannes Müller, dem ältesten Sohn von Johann Heinrich Müller, starb diese Hauptlinie 1873 im Mannesstamm aus. Sein um 1866 abgebrochenes Haus stand zwischen dem jetzigen "Wilden Mann" ("Schloarschmidts") und der Lüder.

Der jüngste Sohn des Christoph Müller hieß Johann Georg Müller. Dessen Sohn Johann Bast Müller wiederum ist 1818 als Besitzer der Hofreite "Schmieds" belegt und war Schmied. Ob er den bis 1923 bestehenden und namensgebenden Schmiedebetrieb in "Schmieds" auch gegründet hat, ist unklar. Er gab diesen auch an den ältesten Sohn Sebastian Müller weiter. Bis zu seinem Enkel Valentin Müller II. (gest. 1878) blieb die Hofreite "Schmieds" im Mannesstamm im Besitz der Müllers. Valentin Müller I. war der jüngere Sohn des Johann Bast Müller. Er kaufte 1855 das Haus "Schreiersch" in Bermuthshain und richtete auch hier eine Schmiedewerkstatt ein. Diese wurde anschließend von seinem Sohn Johannes Müller II. betrieben.

Seine vier Söhne (neben vier Töchtern) waren Sebastian, Heinrich, Johannes und Karl. Sechs Jahre nach seiner Heirat mit Elisabeth Berting aus Salz errichtete Sebastian Müller (gest. 1939) im Jahr 1912 im Grasgarten neben "Schreiersch" ein eigenes Haus, welches nach seiner Ehefrau seitdem "Liesbets" genannt wird. Heinrich Müller (gest. 1955) heiratete 1907 Gertraud Heutzenröder aus dem Haus "Kannjerche", wodurch nach fast 80 Jahren ein entfernter Verwandte des "entwichenen" Johann Heinrich Müller wieder auf diesen Hof kam. Johannes Müller (geb. 1885) heiratete 1916 Klara Strieb aus Reinhards. Er ließ sich dann als Wagner in Grebenhain und erbaute am Ortsausgang der heutigen B 275 in Richtung Hartmannshain ein einstöckiges Wohnhaus, das dort bis heute das Ortsende markiert und nach ihm "Wänerhannese" genannt wurde. Nachfahren von ihm leben bis heute in Grebenhain und Sichenhausen.

Das Stammhaus "Schreiersch" überschrieb Johannes Müller II. im Jahr 1910 seinem jüngsten Sohn Karl Müller (gest. 1962). Dieser letzte männliche Angehörige des alten Müller-Geschlechts in Bermuthshain blieb jedoch zeitlebens unverheiratet. Er lebte über Jahrzehnte mit seiner ebenfalls ledigen Schwester Maria Müller (gest. 1965) in dem Haus "Schreiersch" zusammen. Das Gebäude wurde dadurch vom Beginn des 20. Jahrhunderts an faktisch nicht mehr baulich verändert und stand auch nach dem Tod der beiden Geschwister noch fast 30 Jahre lang. Erst 1994 wurde das mittlerweile schon etwas verfallene, letzte im wirklichen "Originalzustand" des 19. Jahrhunderts verbliebene "Vogelsberger Einhaus" des Dorfes abgerissen.

 

Stammbaum Müller

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