Pfannstiel

 

Die Bermuthshainer Pfannstiel sind nur ein relativ kleiner Zweig eines großen hessischen Förster-, Gastwirts- und Bauerngeschlechtes. Dieses geht auf den Ende des 17. Jahrhunderts in Grebenhain lebenden landgräflich-hessischen reitenden Förster Andreas Pfannstiel zurück, der im Jahr 1649 geboren ist. Die Familie Pfannstiel war aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur kleinen Gruppe der landgräflichen Beamten im Gericht Crainfeld auch mit den Crainfelder Schultheißengeschlechtern Buff und Ellenberger verschwägert. Über drei Generationen lang wurde die Försterei Grebenhain von Andreas Pfannstiel, Johann Heinrich Pfannstiel und schließlich von Georg Friedrich Pfannstiel verwaltet. Der letztgenannte hatte drei Söhne. Der älteste war der 1768 geborene Johann August Pfannstiel, der zunächst Assistent seines Vaters war und nach dessen Tod 1794 die Stelle als reitender Förster in Grebenhain erhielt. Mit seinem Tod 1824 erlosch der Name Pfannstiel in Grebenhain. Sein Sohn Ludwig August Pfannstiel war Forsteivikar in Maulbach.

Der mittlere Sohn war der 1771 geborene Johann Friedrich Pfannstiel, der 1792-1795 im Dienst des fürstlichen Oberjägermeisters von Baumbach stand, 1795 zum Hofjäger im Forst Arheilgen bei Darmstadt und 1796 zum Gagenschreiber ("Forstrechner) in Bessungen ernannt wurde.1805-1808 war er dann Oberförster in Groß Gerau und von 1808 bis zu seinem Tod 1817 Oberförster in Arheilgen.

Der jüngste Sohn war der 1777 geborene Ernst Christian Ludwig Pfannstiel, der zunächst seinem Vater und dann 1804 seinem künftigen Schwiegervater, dem reitenden Förster Ludwig Kasimir Beck in Hopfgarten bei Alsfeld, als Assistent beigegeben wurde, dessen Stelle (ab 1817 "Revierförster") er nach dessen Ableben erhielt. 1824 wurde er zum Revierförster in dem neu konstituierten Forstrevier im benachbarten Hainbach bestellt, wohnte in Ermangelung einer Wohnung jedoch zunächst bis 1835 in Elpenrod. 1848 wurde er in den Ruhestand versetzt. Wegen seines großen Ansehens war er 1814 zum Chef des 1. Bataillons des 24. hessischen Landwehrregiments ernannt worden. Sein erster Sohn Georg Ludwig Pfannstiel (geb. 1805) sollte die Familientradition fortsetzen und studierte Forstwirtschaft an der Universität Gießen. Dort geriet er unter den Einfluss der revolutionären Ideen nach den Befreiungskriegen. Als Delegierter nahm er 1832 am Hambacher Fest teil und beteiligte sich auch an der Revolution 1848/49. Wegen Besitzes revolutionärer Schriften wurde er zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt und auf ein Gnadengesuch des Vaters hin wieder entlassen. Seinen angestrebten Beruf als Forstmann durfte er nicht ausüben und wollte daher Mitte der 1830er Jahre mit der Familie zunächst nach Amerika auswandern. Stattdessen pachtete er in Ulrichstein, dem Geburtsort seiner Ehefrau Johannette Pfannstiel geb. Kühn, das Gemeindewirtshaus. Später baute er dann das Gasthaus mit Posthalterei "Zum Darmstädter Hof" in Ulrichstein, das bis zu seinem 1935 gestorbenen Enkel Ferdinand Pfannstiel (Mitbegründer des Vogelsberger Höhenclubs im Jahr 1881) in Familienbesitz blieb.

Der zweite Sohn August Johann Pfannstiel (geb. 1809) studierte Tierheilkunde in Gießen und wurde 1832 Bezirkstierart für die Bezirke Lauterbach und Schlitz. 1858 starb er in Bensheim. Die sechs verwaisten Kinder wanderten wegen der schlechten Vermögensverhältnisse in die USA aus, wo die drei Söhne im Sezessionskrieg in der Armee der Nordstaaten kämpften. Der dritte Sohn Jost Karl Pfannstiel (geb. 1816) übernahm nach dem Tod der Eltern das Gut der Familie in Hainbach und gehörte von 1872 bis 1896 der 2. Kammer des hessischen Landtages für die Nationalliberalen an. Sein zweiter Sohn Karl Pfannstiel war Pächter auf dem gräflich-bernsdorffischen Gut in Angenrod. Dessen einzige Tochter war mit dem Landtagsabgeordneten Gustav Korell, einem Kollegen des Bermuthshainer Landtagsabgeordneten Friedrich Jost, verheiratet. Der dritte Sohn Georg Karl August Pfannstiel starb 1937 in Gießen, von ihm gibt es noch Nachfahren in männlicher Linie bis heute.

Vom ersten Sohn Ernst Pfannstiel leitet sich der Bermuthshainer Zweig der Pfannstiel ab. Seine Entstehungsgeschichte ist mit einer geplanten Tauschheirat verbunden und beginnt eigentlich schon Ende des 18. Jahrhunderts. Im Jahr 1798 nämlich heiratete der Bermuthshainer Ackermann Johann Dietrich Heutzenröder, Besitzer der großen Hofreite "Heutzeredersch" in der heutigen Ober-Mooser Straße, die Christiane Friedrike Pfannstiel, Tochter des erwähnten reitenden Försters Georg Friedrich Pfannstiel zu Grebenhain. Sein Sohn Jakob Heutzenröder I. gründete um 1827 die Gastwirtschaft "Zum Goldenen Stern" und erhielt 1847 als Schwiegersohn Christian Karl, Sohn des Friedrich Karl, Pächter auf Hofgut Entenfang bei Kirchbracht. Die Verbindung zur Familie Pfannstiel war unterdessen nicht abgerissen. Anfang der 1870er Jahre beschlossen Jost Karl Pfannstiel und Christian Karl im beiderseitigen Einvernehmen, dass Ernst Pfannstiel von Hainbach Christiane Karl in Bermuthshain heiraten solle, während Jakob Karl mit Auguste Pfannstiel in Hainbach die Ehe schließen sollte. Letzterer löste jedoch die bereits vollzogene Verlobung und heiratete dann die Erbtochter vom Hofgut Wolf in Dauernheim in der Wetterau.

Ernst Pfannstiel, geboren 1843 in Hainbach, vollzog dagegen wie geplant 1872 die Ehe mit Christiane Karl und wurde auf diese Weise Besitzer der "Heutzeredersch" Hofreite in Bermuthshain. Um dieselbe Zeit erbaute er das Gasthaus "Zum Goldenen Stern" in der noch heute erhaltenen Gestalt. Ernst Pfannstiels ältester Sohn, der 1874 geborene Johannes Christian Karl Pfannstiel, heiratete seine Cousine in Dauernheim. Die Tochter Lina Pfannstiel (geb. 1875) verheiratete sich 1897 an den Postbeamten Philipp Wolf in Herbstein. Diese starb ganz jung im Wochenbett und nahm ihrem Mann beim Abschied das Versprechen ab, dass er eine zweite Ehe mit ihrer Cousine Emma Stein aus Stumpertenrod eingehen solle, was auch geschehen ist. Als zweiter Sohn erhielt schließlich der 1885 geborene Otto Ernst August Pfannstiel das elterliche Anwesen mit dem Gasthaus nach seiner Ehe mit Katharina Appel aus dem Kaulstoßer "Wirtskanne" Haus (Stammhaus der Bermuthshainer Appel) im Jahr 1910. Otto Ernst August Pfannstiel war von 1919 bis 1926 Vorsitzender des MGV "Eintracht" Bermuthshain. 1925 kandidierte er erfolgreich bei der Bürgermeisterwahl gegen den Amtsinhaber und Landtagsabgeordneten Friedrich Jost. Die von schweren innerdörflichen Auseinandersetzungen begleitete Wahl wurde jedoch zunächst annulliert. Erst im Jahr 1926 konnte Otto Ernst August Pfannstiel nach einer Wiederholung der Wahl das Amt als Bürgermeister in Bermuthshain antreten. Bereits seit 1929 gehörte er der NSDAP an und war vor 1933 einer der wichtigsten nationalsozialistischen Aktivisten im oberen Vogelsberg überhaupt. Er blieb während der gesamten Zeit des "Dritten Reiches" Bürgermeister und wurde kurz nach dem Einmarsch der Amerikaner in Bermuthshain am 31.3.1945 abgesetzt. Der spätere letzte Bermuthshainer Bürgermeister Ernst Baumbach ("Schmedebaste") war ab 1939 sein Schwiegersohn.

Sein Sohn Otto Pfannstiel (gest. 2006) verpflichtete sich zunächst zur Reichswehr, wurde aber 1935 gemäß einem Beschluss des OKW entlassen, nach dem erbberechtigte Inhaber von landwirtschaftlichen und Gewerbetrieben keine Berufssoldaten mehr werden durften. Er kehrte auf den "Heutzeredersch" Hof zurück, der damals auch das zweitgrößte landwirtschaftliche Anwesen in Bermuthshain war. 1941 heiratete er Johanna Roos, Erbtochter vom "Pittjes" Hof in Bermuthshain, dem größten landwirtschaftlichen Anwesen des Dorfes, wohin er nach der Rückkehr aus Krieg und Gefangenschaft auch zog. Das Stammhaus, die Gastwirtschaft "Zum Goldenen Stern", war fortan verwaist, was erst zur Verpachtung und dann zum Verkauf der großen Hofreite führte.

Den Eheleuten Wilfried und Johanna Pfannstiel wurden zwischen 1941 und 1965 die fünf Kinder Wilfried, Rosemarie, Werner, Bernd und Andrea geboren. Wilfried Pfannstiel, Enkel des Bürgermeisters Otto Ernst August Pfannstiel, war von 1989 bis 2001 Ortsvorsteher von Bermuthshain.

 

Stammbaum Pfannstiel

(nur Bermuthshainer Zweig)

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