Schmidt

 

Die Familie Schmidt, bis weit ins 19. Jahrhundert zumeist "Schmitt" (nicht verwandt mit den heutigen Namensträgern im Ort geschrieben, taucht erstmals in der Kriegsschadensliste von 1640 auf. Dort werden gleich drei Personen genannt, Ludwig Schmidt, Adam Schmidt und Enders Schmidt. Möglicherweise handelte es sich bei ihnen um Brüder. Der erste Namensträger Schmidt dürfte während des Dreißigjährigen Krieges zugewandert oder eingeheiratet sein.

 Von den 1640 genannten Schmidts taucht keiner im 1659 angelegten Crainfelder Kirchenbuch mehr auf, dafür jedoch der 1630 geborene Henn Schmidt. Möglicherweise war er ein jüngerer Bruder oder auch ein Sohn eines der Vorgenannten. Durch die fünf Söhne des Henn Schmidt und deren Nachkommen war der Name im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert in Bermuthshain relativ häufig. Bereits vor 1800 waren aber bis auf eine schon alle Schmidt-Linien wieder im Mannesstamm erloschen.

Erwähnenswert ist der älteste Andreas Schmidt (geb. 1656), welcher Kirchensenior war. Dessen einziger Sohn aus der zweiten Ehe, Johann Heinrich Schmidt, wiederum ist der erste bekannte Schulmeister von Bermuthshain nach dem Dreißigjährigen Krieg und der zweite bekannte überhaupt. Er dürfte vom Jahr seiner Heirat (1721) bis zum Amtsantritt des Schulmeisters Johann Balthasar Hornung 1741 amtiert haben.

Bis in das 20. Jahrhundert hielt sich die Linie des Klaus Schmidt (geb. 1660). Sein Urenkel Johann Bast Schmidt (geb. 1760) ist anhand des ältesten Brandkatasters von 1818 als Besitzer der Hofreite "Pittjes" genannt. Der Hausname "Pittjes" dürfte auf seinen Schwiegervater Peter Muth zurückgehen. Der jüngere seiner beiden Söhne war der 1821 geborene Sebastian Schmidt. Er sollte eine der einflussreichsten Persönlichkeiten im Dorf während des 19. Jahrhunderts werden.

1862 wurde Sebastian Schmidt zum Bürgermeister der Gemeinde Bermuthshain gewählt. Er sollte dieses Amt annähernd drei Jahrzehnte lang, so lange wie keiner vor und nach ihm, ausüben. Zugleich wurde er auch zum größten landwirtschaftlichen Grundbesitzer des Ortes und kaufte mehrere andere Anwesen (wie die Häuser "Ahlewegslufte" und "Joste")  im Zuge von Auswanderungen auf. Gemeinsam mit seinem Crainfelder Amtskollegen und Landtagsabgeordneten Heinrich Schmalbach IV. gründete er 1881 den Darlehenskassenverein Crainfeld-Bermuthshain. Mit Heinrich Schmalbach IV. verbanden ihn überdies verwandschaftliche Beziehungen, nachdem seine Tochter Maria Schmidt 1867 dessen Sohn Christian Schmalbach (Bürgermeister von Hartmannshain und Inhaber der Gastwirtschaft "Zum Darmstädter Hof") heiratete. Gegen Ende seiner Zeit als Bürgermeister wurde der alternde Sebastian Schmidt wegen seiner als autoritär eingeschätzten Amtsführung innerhalb der Bermuthshainer Dorfbevölkerung jedoch zunehmend unbeliebt. Aufgrund des wachsenden Drucks trat er 1893 vorzeitig von seinem Amt zurück. Der daraufhin folgende erbitterte Wahlkampf zweier Kandidaten und deren "Parteien" sollte das Dorf bis in die 1920er Jahre prägen.

Seinen Hof überließ Sebastian Schmidt bereits seit 1872 seinem Sohn Johannes Schmidt. Dessen Tochter heiratete 1886 Ernst Oechler I., den einzigen Sohn des Bürgermeisters Heinrich Oechler I. ("Henkelkammbalzersch"), welcher Sebastian Schmidt im Amt gefolgt war und auch auf dessen Empfehlung hin kandidiert hatte. 1905 starb der Altbürgermeister im Alter von 84 Jahren, nachdem er sowohl seinen Sohn als auch seinen Schwiegersohn überlebt hatte.

 

Stammbaum Schmidt

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