Schultheis

 

Der Familienname Schultheis tritt in Bermuthshain nachweislich zum ersten Mal während des Dreißigjährigen Krieges mit dem 1605 geborenen Michel Schultheis in Erscheinung, der auch in dem 1659 neu angelegten Crainfelder Kirchenbuch genannt wird. Seine Herkunft liegt im Dunklen. Seine Söhne waren der 1692 gestorbene Klaus Schultheis und der 1704 gestorbene Michel Schultheis. Ein Urenkel war der 1724 in Crainfeld geborene Johann Heinrich Schultheis (dessen Vater aus Bermuthshain gestammt hatte), der 1751 eine Anna Maria Schubkegel in Bermuthshain heiratete, jedoch ohne Nachkommen 1780 starb. Für etwa fünf Jahrzehnte war der Name Schultheis damit aus Bermuthshain verschwunden, bis er zweimal unabhängig voneinander durch Einheiraten aus den im einst isenburgischen (preußischen) bzw. riedeselischen "Ausland" gelegenen Nachbardörfern Völzberg und Ober-Moos wieder seinen Einzug im Dorf hielt.

Im Jahr 1832 heiratete der 23jährige Ackermann (Landwirt) Heinrich Schultheis I. aus Völzberg Gertraud Rasch, Tochter des Ortsbürgers und Ackermanns Johann Balthasar Rasch im Bermuthshainer "Ahlewirts" Haus an der heutigen Hauptstraße (Fuldaer Straße). In Völzberg, das damals kaum mehr als 40 Häuser zählte, war der Name Schultheis zu jener Zeit der häufigste Familienname im Ort überhaupt. Das Elternhaus von Heinrich Schultheis I. war die heute noch existierte Hofreite "Aleschommess" (alte Hausummer 22) in Völzberg, die im Jahr 1800 in den Besitz von dessen Vater Adam Schultheis übergegangen war. Der Bruder von Heinrich Schultheis I. war der dort ansässige Völzberger Bürgermeister Wilhelm Schultheis. Fünf Generationen und 178 Jahre lang, bis 1978, existierte der Name Schultheis in diesem Völzberger Anwesen und sollte seine Bermuthshainer Zweiglinie "Ahlewirts" noch lange überleben.

Sowohl der Sohn als auch der Enkel und Urenkel von Heinrich Schultheis I. trugen den Vornamen Heinrich. Die einzige Ausnahme bildete der jüngere Sohn des Heinrich Schultheis II., der 1860 geborene Karl Schultheis, welcher im Bermuthshainer "Bensels" Haus verheiratet gewesen war. Er war auch der letzte männliche Namensträger im Ort und starb Ende 1939. Das "Bensels" Haus ging an seinen Schwiegersohn Sebastian Heinrich Wies ("Hoase") über, welcher die jüngste Tochter geheiratet hatte (die älteste Tochter war in Berlin verheiratet). Das "Ahlewirts" Haus verlor im Ersten Weltkrieg mit dem noch 1918 im Alter von 29 Jahren gefallenen Heinrich Schultheis, Sohn des 1927 verstorbenen Landwirts Heinrich Schultheis III., seinen Erben, blieb aber zunächst noch in Familienbesitz. Maria Schultheis, die einzige Tochter von Heinrich Schultheis III., hatte nämlich als Dienstmädchen bei der adeligen Familie von Müffling gearbeitet, die im Besitz der 1904 erbauten sogenannten "Villa Flora" bzw. "Waldvilla" im Oberwald auf dem Gelände der späteren Luftmunitionsanstalt Hartmannshain ("Muna") im Oberwald war.

Dort hatte sie den jungen Freiherren August Marcellinus Freiherr von Finster und zu Urfahrn kennengelernt, der aus Regensburg stammte. Die für damalige Zeiten eigentlich nicht "standesgemäße" Ehe der beiden wurde 1909 geschlossen. Hintergrund war die beabsichtigte Auswanderung von Finsters in die damalige Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia, wo die damalige deutsche Kolonialmacht auf die Verheiratung der deutschen Siedler mit Frauen aus Deutschland drang. Die Eheschließung selbst erfolgte in Deutsch-Südwestafrika vor dem kaiserlichen Distriktgericht in Okandja, wo auch die drei Töchter geboren wurden. Nach Kriegsende 1918, als das Deutsche Reich alle Kolonien an die alliierten Siegermächte abtreten musste, kehrte die Familie wieder nach Deutschland zurück. Die Ehe wurde schließlich, auch aufgrund der zu Tage tretenden Standesunterschiede, geschieden, und Maria von Finster zog mit ihren Kindern in ihr verwaistes Elternhaus nach Bermuthshain zurück. Dieses blieb noch bis 1958 im Familienbesitz. Während der 1920er und 1930er Jahre vermietete Maria von Finster regelmäßig eine Wohnung im Haus an den unverheirateten der beiden Dorfschullehrer, da die heutige "alte" Schule nur über eine Lehrerwohnung verfügte. Weiterhin betrieb sie sogar eine Pension für Feriengäste, die während des Zweiten Weltkrieges Arbeiter, die in der nahen "Muna" Dienst taten, aufnahm.

Nach 1939 gab es in Bermuthshain zunächst keinen Einwohner mit dem Namen Schultheis mehr. Erst im Jahr 1959 heiratete der aus dem benachbarten Ober-Moos (Hausname "Spielmanns") gebürtige Heinrich Schultheis in die alteingessene Bermuthshainer Familie Jockel, genauergesagt in das "Petersch" Haus, ein. Diese "neue" Bermuthshainer Familie Schultheis besteht mittlerweile auch schon in der dritten Generation. Es ist bislang nicht erforscht, aber durchaus nicht auszuschließen, dass ihre Vorfahren ebenfalls dem Ort Völzberg entstammten, wo dieser Name ja der einst am weitesten verbreiteste Familienname überhaupt war.

 

Stammbaum Schultheis

("Ahlewirts" Stamm)

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