Backgemeinschaft "Vulkanbäcker" Bermuthshain e. V.

 

Als zweitwichtigstes Projekt der 1999 begonnenen Dorferneuerung in Bermuthshain , gleich nach dem Umbau des Dorfgemeinschaftshauses, wurde die Sanierung und Umfeldgestaltung des Bermuthshainer Backhauses, d. h. des 1953 neu erbauten Unterdörfer Backhauses, in den Maßnahmenkatalog aufgenommen. Im Unterschied zu etlichen anderen Vogelsbergorten, in denen die Backhäuser schon seit den 1950er und 1960er Jahren außer Betrieb genommen und nicht selten auch abgerissen wurden, nachdem die einstige bäuerliche Selbstversorgung verschwand, wird in Bermuthshain auch heute noch von 14 örtlichen Familien das Selbstbacken rege praktiziert und darüber hinaus das Backhaus von den Vereinen, nicht nur während der jährlichen Backhausfeste, genutzt.

Das Bermuthshainer Backhaus selbst befand sich vor der Dorferneuerung im Eigentum der Großgemeinde Grebenhain, welche 1972 die Rechtsnachfolge der selbstständigen Gemeinde Bermuthshain angetreten hatte und wie diese für die Unterhaltung des Gebäudes verantwortlich war. Als nun die Sanierung des Backhauses in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen werden sollte, machte die Großgemeinde Grebenhain zur Bedingung, dass diese Sanierung nur dann erfolgen würde, wenn durch die Bermuthshainer Bürgerschaft eine Backgemeinschaft zur langfristigen Erhaltung des Backhauses und damit der Rechtfertigung der getätigten Investitionen gegründet werden würde. Diese Backgemeinschaft sollte dann auch das Backhaus von der Gemeinde übernehmen.

Für den Abend des 4.12.2002 lud der Ortsbeirat von Bermuthshain zu einer Informationsveranstaltung in das örtliche Dorfgemeinschaftshaus ein, auf der die Backgemeinschaft gegründet werden sollte. In deren Verlauf erklärten sich 21 Anwesende zu ihrem Beitritt zu der Backgemeinschaft bereit, die noch am selben Abend gegründet wurde. Als juristische Person trat der SV Bermuthshain 1975, der bis dahin die Backhausfeste veranstaltete, der Backgemeinschaft bei. Zum vorläufigen Sprecher des Vereins wurde Steffen Eigner gewählt. Am 15.1.2003 fand die erste Mitgliederversammlung statt, während der der Vorstand der Backgemeinschaft gewählt wurde. Dieser bestand aus Steffen Eigner (1. Vorsitzender), Bernd Seipel (2. Vorsitzender), Elvira Köhler (Schriftführerin), Elfriede Zinn (Rechnerin), Horst Schlotthauer (Beisitzer), Jürgen Oechler (Beisitzer) und Klaus-Heiko Weitzel (Beisitzer) Weiterhin wurde die Satzung des Vereins verabschiedet und als Vereinszweck neben dem Erhalt des Backhauses die Pflege der hiesigen traditionellen Backkunst und die Förderung von dörflicher Kultur und Gemeinschaft festgeschrieben. Am 23.10.2003 wurde die Backgemeinschaft Bermuthshain als gemeinnützig anerkannt und in das Vereinsregister eingetragen.

Das Jahr 2004 wurde ganz von den Sanierungs- und Umbauarbeiten am Backhaus bestimmt, die durch die Backgemeinschaft umfangreich begleitet wurden. Nachdem im Februar 2004 eine Informationsfahrt zu verschiedenen bereits sanierten Backhäusern stattfand, begann im April 2004 die Renovierung des alten Backofens, die letztendlich in einem Neubau anstelle des nicht mehr zu verwendenden alten Ofens mündete. An den Arbeiten beteiligten sich die Mitglieder der Backgemeinschaft mit Eigenleistungen. In den Sommermonaten 2004 erfolgte die Renovierung des eigentlichen Backhauses und die Neugestaltung des Umfeldes. Am 18.11.2004 wurde das Backhaus im Rahmen einer Feier in der Kulturscheune "Zum wilden Mann" in Bermuthshain, gemeinsam mit dem Wiegehaus, formal eingeweiht, war aber zunächst noch nicht benutzbar. Die Wiederinbetriebnahme des Backofens und die Übergabe des Backhauses an die Backgemeinschaft sollte erst im darauf folgenden Sommer geschehen.

Aus beruflichen Gründen stellte Steffen Eigner in der Mitgliederversammlung am 24.3.2005 im "Deutschen Haus" sein Amt als 1. Vorsitzender zur Verfügung. An seiner Stelle wurde Bernd Seipel, der bisherige 2. Vorsitzende, zum neuen 1. Vorsitzenden der Backgemeinschaft gewählt. Diese gab sich im Jahr 2005 zudem den zusätzlichen Namen "Vulkanbäcker". Am 19.8.2005 veranstalteten die "Vulkanbäcker" ihr erstes "historisches Backfest" am Backhaus, in dessen Rahmen die offizielle Übergabe des Gebäudes von der Gemeinde an die Backgemeinschaft vollzogen wurde, nachdem bereits seit dem vorherigen Jahr Verhandlungen zwischen beiden Seiten um den Übergabevertrag aufgenommen worden waren. Das Backhaus ist seither der Backgemeinschaft "Vulkanbäcker" unentgeltlich zur Nutzung überlassen worden, jedoch bleibt das Grundstück im Eigentum der Gemeinde. Die weitere Unterhaltung des Backhauses wird ebenfalls durch die Backgemeinschaft selbst bestritten, während die Sanierung noch durch die Großgemeinde Grebenhain finanziert worden war. Weiterhin wurde durch die Backgemeinschaft eine neue Backordnung aufgestellt.

Das Backfest im Monat August, während dem "Bauernbrot" und Kuchen nach historischen Rezepten gebacken und angeboten werden, ist inzwischen schon zu einer festen Einrichtung geworden und die jährliche öffentliche "Präsentation" der "Vulkanbäcker", die mittlerweile über 40 Mitglieder zählen.

 

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