Weitzel

 

Der Familienname Weitzel hat seinen Ursprung eigentlich in Grebenhain. Dort wird erstmals in der Kriegsschadensliste von 1640 die Witwe eines Hans Weitzel erwähnt. Dieser Hans Weitzel war sicherlich der Vater der am Beginn des Crainfelder Kirchenbuches 1659 erwähnten Stoffel Weitzel (geb. 1618) und Johannes Weitzel (geb. 1622) in Grebenhain. Von beiden gingen zwei bis heute existierende Stämme der Familie Weitzel aus, die sich noch in mehrere Nebenlinien unterteilten. Der erstgenannte Johannes Weitzel hatte drei Söhne. Von dem mittleren, dem 1655 geborenen Nickel Weitzel, rührt der noch heute verwendete Grebenhainer Hausname "Nickels" her. Vier Generationen nach Nickel Weitzel gründete sein Ururenkel Johann Heinrich Weitzel um 1820 die Gastwirtschaft Weitzel (mit Metzgerei), die unter dessen Enkel Andreas Weitzel vom alten Haus neben der Grebenhainer Kirche an ihren heutigen Standort an der Grebenhainer Hauptstraße "umzog" und auch heute noch in Familienbesitz (Fam. Heinrich und Markus Weitzel) ist. Der Grebenhainer Organist Emil Weitzel ("Foatzkammbalzersch") war ebenfalls ein Nachfahre des Nickel Weitzel im 9. Glied.

Dem 1660 geborenen Johannes Weitzel, dem jüngeren Bruder des Nickel Weitzel, war es vorbehalten, als erster der Familie im Jahr 1686 im benachbarten Bermuthshain einzuheiraten. Geblieben ist von ihm bis heute der Bermuthshainer Hausname "Weidels", eigentlich "Weitzels". Er hatte zwei 1691 geborene Zwillingssöhne, von denen Adam Weitzel nach seiner Heirat 1716 jedoch offensichtlich aus Bermuthshain verzogen ist. Der Bruder Johannes Weitzel starb dann 1721. Die heutigen Bermuthshainer Weitzel stammen nicht aus dem Stamm des Johannes Weitzel, sondern dem des Stoffel Weitzel. Er hatte ebenfalls drei Söhne. Die Linie des ältesten Sohnes Bast Weitzel (geb. 1653), Kirchensenior und Unterschultheiß, starb bereits nach drei Generationen im Mannesstamm aus. Doch der gleichnamige 1691 geborene Sohn Bast Weitzel heiratete als erster des Stammes 1722 in Bermuthshain ein, und zwar ehelichte er die Witwe des erwähnten 1721 gestorbenen Johannes Weitzel aus dem "Nickels"-Stamm. Mit seinem Tod 1762 verschwand der Name Weitzel dann für fast ein Jahrhundert vorerst aus Bermuthshain.

Stoffel Weitzels mittlerer Sohn war der gleichnamige Stoffel Weitzel, der 1658 geboren wurde. Die von ihm ausgehende Linie endete erst 7 Generationen später mit dem 1880 geborenen Grebenhainer Landwirt und Sägemüller Heinrich Weitzel ("Schoumesch"). Mit dem 1662 geborenen jüngeren Sohn des Stoffel Weitzel, Henrich Weitzel, begann eine Linie von Grebenhainer Schuhmachern. Ururenkel war der 1786 geborene Schuhmacher Johann Balthasar Weitzel, dem das Haus "Hansmechels" in Grebenhain gehörte und 1820 eine Elisabetha Nies aus Herchenhain heiratete. In Grebenhain starb diese Linie jedoch zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus. Der jüngste Sohn war der 1907 gestorbene Sebastian Weitzel III., dessen Sohn Balthasar Weitzel als Bahnhofsvorsteher ins benachbarte Hartmannshain verzog. Balthasar Weitzel hieß auch der 1820 geborene älteste Sohn, der 1848 im Grebenhainer Haus "Foatzkammbalzersch" einheiratete. Der Sohn Johannes Weitzel starb 1891 und durch Heirat mit der Witwe gelangte das Anwesen in den Besitz des Grebenhainers Heinrich Faitz X..

 

Bürgermeister Johannes Weitzel bei der Grundsteinlegung der neuen Schule (heutiges DGH) am 6.10.1951. Sein Nachfolger Richard Oechler nahm 1952 die Einweihung vor.
 
Als zweiter Sohn des Schuhmachers Johann Balthasar Weitzel wurde 1823 Heinrich Weitzel geboren. Er erlernte den Beruf des Vaters und heiratete 1855 eine Elisabeth Lind aus Bermuthshain. Bereits im Jahr 1854 hatte er in Bermuthshain ein Haus erworben, nämlich die Hofreite "Hoase". Heinrich Weitzel hatte zwei Söhne und eine Tochter. Die 1867 geborene Katharina Weitzel heiratete 1887 den Landwirt Christian Schwarzhaupt (Hausname "Schwarzhaupts") im Geburtsort des Vaters, in Grebenhain. Der ältere Sohn, der 1853 geborene Sebastian Weitzel, war Teilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Im Jahr 1877 heiratete er Margaretha Leinberger aus dem Bermuthshainer Haus "Stirskloase" und führte die Schuhmacherei noch bis 1921 weiter. Im "Hoase" Haus erlosch der Name Weitzel mit seinem Tod 1932, da Sebastian Weitzel keinen Sohn, sondern nur fünf Töchter hatte, von denen die älteste, die 1877 geborene Elise Weitzel, nach der Heirat mit Heinrich Weitzel aus "Annekinne" 1895 das "Hoase" Haus erhielt. Die zweitjüngste Tochter Lina Weitzel (geb. 1888) heiratete 1918 den Postschaffner Nikolaus Maul aus Fleschenbach, mit dem sie in Grebenhain wohnte und 1931 in das nunmehr so genannte "Mauls" Haus in Bermuthshain zog. Die jüngste Tochter Marie Elise Weitzel (geb. 1891) heiratete 1909 den Bermuthshainer Landwirt Heinrich Damer ("Damersch").
 

Die drei Töchter von Johannes Weitzel ("Hanse"). Stehend Lydia Weitzel und Johanna Weitzel, sitzend Ottilie Weitzel. Der Sohn Emil Weitzel war zum Zeitpunkt der Aufnahme (vor 1928) noch nicht geboren.
 

Jüngerer Bruder des Sebastian Weitzel war der 1859 geborene Jakob Weitzel. Er heiratete 1882 Anna Maria Groh aus dem Bermuthshainer Haus "Hanse" in der "Vierdern Eck" und gelangte auf diese Weise in den Besitz dieser Hofreite, da sein Schwager Balthasar Groh Missionar geworden war. Das älteste Kind, die 1883 geborene Tochter Katharina Weitzel, heiratete 1908 den Crainfelder Landwirt Heinrich Eifert II. ("Lenze"). Das Elternhaus "Hanse" fiel an den Sohn, den 1887 geborenen Johannes Weitzel, umgangssprachlich "Hanse Hannes" genannt, der 1919 Lina Laufer aus Bermuthshain ("Götzekannjes") heiratete.

Johannes Weitzel gehörte bereits vor der nationalsozialistischen Gleichschaltung 1933 dem Bermuthshainer Gemeinderat an und wurde, da politisch unbelastet, nach Kriegsende 1945 durch die amerikanische Militärregierung zum Bürgermeister von Bermuthshain ernannt, welches er bis 1952 blieb. Es ist überliefert, dass Johannes Weitzel bereits bei der Bürgermeisterwahl von 1925 als Kandidat anstelle des dann doch angetretenen Amtsinhabers Friedrich Jost im Gespräch gewesen sein soll. Er war auch Gründungsmitglied und erster Dirigent des MGV "Eintracht" Bermuthshain. Die Eheleute Johannes und Lina Weitzel hatten drei Töchter und einen Sohn, von denen nur die jüngste Tochter Ottilie Weitzel außerhalb von Bermuthshain verheiratet war, nämlich im "Gehannesjes" Haus (Familienname Hornung) in Ober-Moos. Das alte "Hanse" Haus, baulich ein zum Zweikanter erweitertes Einhaus, wurde noch bis Ende der 1970er Jahre von der Familie Weitzel bewohnt und im August 2005 abgerissen.

Klaus-Heiko Weitzel, Enkel des Bürgermeisters Johannes Weitzel, war von 2001 bis 2011 Ortsvorsteher von Bermuthshain.

 

Stammbaum Weitzel

(nur Bermuthshainer Stamm)

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