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Wirtschaft und Gewerbe im alten Bermuthshain |
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Dachdecken bei "Brennerjes" in den 1930er Jahren. |
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Zimmerleute und Maurer Wenn in Bermuthshain früher ein Haus neu oder umgebaut wurde, wurde ein großer Teil der damit verbundenen einfachen Arbeiten, wie das Ausheben der Baugrube oder Fuhrdienste, von der Familie des Bauherren und anderen Dorfbewohnern in gegenseitiger Nachbarschaftshilfe ohne Bezahlung geleistet. Diese nachbarschaftliche Bauhilfe ermöglichte es, durch wechselseitige bargeldlose Kooperation die Baukosten niedrig zu halten und war im ländlichen Raum auch noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg üblich. Dennoch war natürlich ein Bauhandwerker in Gestalt eines Zimmermanns oder Maurers unentbehrlich. Im übrigen war das Bauvolumen in den Dörfern, verglichen mit den "Neubauwellen" seit dem "Wirtschaftswunder", relativ gering. In Bermuthshain wurden beispielsweise zwischen 1818 und 1945 ganze 13 Hofreiten vollständig neu erbaut, darunter 8 erst nach der Jahrhundertwende. Häufiger kamen Umbauten bereits bestehender Häuser sowie der Anbau neuer Wirtschaftsgebäude vor. In einigen Fällen mussten auch Häuser nach einer Brandzerstörung neu erbaut werden. Bis zum Beginn der 1950er Jahre war die Fachwerkbauweise die übliche Bauweise bei allen Häusern in Bermuthshain, wie in den meisten anderen Vogelsbergdörfern auch. Massiv waren nur das aus Bruchsteinen bestehende Fundament mit Unterkellerung sowie später die zumeist aus Backsteinen erbaute Stallwand. Auch die Gefache der Fachwerkhäuser wurden nach 1850 zunehmend mit Ziegelsteinen ausgemauert. Trotz der Dominanz der Fachwerkbauweise gab es in Bermuthshain nur wenige ansässige Zimmerleute. Ein Großteil der Arbeiten im 19. und 20. Jahrhundert wurde durch auswärtige Zimmereien wie die Zimmerei Fritz in Crainfeld und die Zimmerei Heineck in Salz vorgenommen. Eine einheimische Zimmermannsfamilie im 18. und 19. Jahrhundert waren die Schaub, die in dem um 1875 abgebrochenen "Kimpels" Haus im alten Weg ansässig war. Der bedeutendste Bermuthshainer Zimmermann war der zwischen 1761 und 1847 lebende Johannes Schaub. Er schuf die 1780 bzw. 1791 erbauten Fachwerkhäuser "Grundhannerjes" und "Säuhennerjes" in Bermuthshain, die bis heute erhalten sind und deren Bauinschriften noch heute auf ihn hinweisen. Auch ein Haus in Eichelsachsen bei Schotten soll von ihm erbaut worden sein. Sein Vater Johann Heinrich Schaub schuf 1775 das leider 1989 abgebrochene "Mengersch" Haus in Crainfeld. In Bermuthshain gab es vor dem Zweiten Weltkrieg zwei kleine Maurergeschäfte im Familienbesitz der Familien Lind ("Gutermuths") und Jöckel ("Lufte"). Innerhalb der Familien Lind besaß der Beruf des Maurers eine sehr lange Tradition. Bereits der erste der Familie in Bermuthshain, der 1759 in Grebenhain geborene Heinrich Lind, war Maurer. 1920 entstand der Betrieb von Jakob Lind III. im "Gutermuths" Haus. Dieser war als Maurermeister am Neubau der Bäckerei Lind in Grebenhain 1935 ebenso beteiligt, wie auch 1927 für sämtliche Maurerarbeiten beim Neubau eines in Massivbauweise erstellten Fabrikgebäudes der Holzwarenfabrik H. & F. Betz im benachbarten Völzberg. Sein Betrieb bestand bis 1948. Von 1906 bis 1944 bestand schließlich das Maurergeschäft Wilhelm Jöckel im "Lufte" Haus. Alle örtlichen Maurermeister waren auch als Dachdecker, Weißbinder, Tapezierer usw. tätig. Schuhmacherhandwerk Das Schuhmacherhandwerk war lange Zeit eines der häufigsten Gewerbe in Bermuthshain. Heute erinnert eigentlich nur noch der Hausname "Schusterjes" an diesen Beruf. Noch im Jahr 1906 gab es aber 5 Schuhmacher in Bermuthshain: Johannes Merz ("Merze"), Andreas Mohr ("Muhrsch"), Heinrich Oechler V. ("Stoffels") und Sebastian Weitzel ("Hoase"). Durchweg handelte es sich bei ihnen um kleine Heimarbeitsbetriebe. Sie verfügten weder über eine gesondert ausgewiesene Werkstatt, noch über ein Ladengeschäft, und arbeiteten wohl fast ausschließlich für den dörflichen Bedarf. Die offizielle Bezeichnung lautete: "Schuhmacher ohne Laden". Oftmals übernahm der Sohn den Beruf des Vaters, so dass die Schuhmacherei in diesen Häusern häufig auf eine längere Tradition zurückblicken konnte. Andererseits wurde das Handwerk bei der Einheirat eines Schwiegersohns in keinem Fall weitergeführt. In der Kreisstadt Lauterbach richteten einige Schuhmacher dagegen verstärkt seit 1890 schon Schuhmagazingeschäfte mit angeschlossenem Reparaturbetrieb ein. Die meisten Bermuthshainer Schuhmacherfamilien zählten zur Gruppe der größeren Kuhbauern oder gar Pferdebauern und waren somit verhältnismäßig wohlhabend. Im "Muhrsch" Haus war das Schuhmacherhandwerk schon seit 1846 mit der Einheirat des Lehrersohns Heinrich Hornung zuhause Nach seinem Tod heiratete Karl Mohr aus Weidmoos ein, der dem Haus den Namen gab. Sein ältester Sohn Andreas Mohr war noch bis 1923 Schuhmacher. Im Jahr 1855 heiratete der Grebenhainer Schuhmacher Heinrich Weitzel eine Frau aus Bermuthshain und kaufte das dortige "Hoase" Haus, wo er sein Gewerbe fortan betrieb. Sein ältester Sohn Sebastian Weitzel führte es ab 1888 weiter bis zur Niederlegung 1921. Ein Geselle von Sebastian Weitzel, der 24 Jahre alte Johannes Merz aus Metzlos-Gehaag, der bei ihm das Schuhmacherhandwerk erlernte, ließ sich 1891 nach seiner Heirat mit einer Einheimischen in Bermuthshain nieder. Er betrieb die Schuhmacherei zwischen 1892 und 1922. Seit 1877 hatte auch Christoph Oechler (Hausname "Stoffels") seinen Schuhmacherbetrieb, den später sein Sohn Heinrich Oechler V. bis 1926 weiterführte. Einer der letzten Schuhmacher in Bermuthshain war der 1945 verstorbene Heinrich Schäfer IV. ("Hirtschneidersch"). Ab 1926 arbeitete er in diesem Beruf und betrieb seit 1933 auch einen Schuhhandel (daher der neuere Hausname "Schuster"). Im "Hirtschneidersch" Haus arbeitete noch bis 1968 der Heimatvertriebene Josef Kubath als Schuhmacher. Textilgewerbe Wie bereits erwähnt, war das Leinengewerbe, zumeist in Form eines winterlichen Nebenverdienstes, noch zu Beginn des 19. Jahrhundert neben der Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig in Bermuthshain, wie in der gesamten Provinz Oberhessen. Der Niedergang dieses Gewerbes hatte bereits durch die Kontinentalsperre in napoleonischer Zeit begonnen. Er beschleunigte sich durch die Konkurrenz industriell hergestellter Textilwaren aus bereits weiter entwickelten Gebieten, wie Sachsen, da im oberhessischen Raum die mechanische Weberei erst nach 1880 Eingang fand. Die heute zumeist wegen ihrer geselligen Funktion in Erinnerung gebliebene winterliche Spinnstube war ursprünglich eine Art Produktionsgemeinschaft zur Erzeugung von Leinengarn. Es gab sowohl Frauen- wie auch Männerspinnstuben. Das gemeinschaftliche Spinnen reihum im Dorf ergab sich aus der Einsparung von Heizmaterial wie der gegenseitigen Überwachung der Arbeitsleistung. Für die Leinweberei wurde überall im Vogelsberg noch bis um 1900 Flachs angebaut. Noch um 1870 gab es in Bermuthshain einige ortsansässige Leinweber und Garnkrämer. Im Jahr 1871 ließ sich sogar ein aus Stadtlengsfeld in Thüringen stammender Leinweber und Wollkratzer namens Christoph Büttner in Bermuthshain im "Luftjes" Haus nieder. Auch der bekannte Butterhändler Andreas Oechler VI. führte einen Garnhandel. Zum letzten Mal allerdings ließ sich der Maurer und Weißbinder Sebastian Damer 1883 noch als Leinweber patentieren. Danach findet dieser Beruf keine Erwähnung mehr, womit sich das Erlöschen der Hausweberei in Bermuthshain auf Mitte der 1880er Jahre datieren lässt. Weitaus länger überlebte das verwandte Schneidereigewerbe in Bermuthshain, da im Dorf nach wie vor ein Bedarf an Kleidung bestand, während die Leinweber vorwiegend "exportorientiert" waren. Generell überstand das Bekleidungsgewerbe nicht nur weitgehend die Industrialisierung, sondern entwickelte sich im 19. Jahrhundert sogar zum wichtigsten Heimarbeitsgewerbe, insbesondere durch den Einsatz von Nähmaschinen und durch die Spezialisierung im Rahmen arbeitsteiliger Prozesse, indem die bereits schon fertig zugeschnittenen Kleidungsstücke nur noch genäht wurden. Amtlich hieß ein derartiger Gewerbetreibender dann "Schneider, der keine Stoffe zu den Kleidern liefert". Oftmals waren auch Frauen nebenberuflich als Schneiderin täglich. Die Ehefrau von Melchior Lorenz Muth ("Schloarmellersch") beispielsweise wurde im Dorf umgangssprachlich daher die "Nidden" (Näherin) genannt. Die meisten Schneider zählten zu den kleinen Kuhbauern und Ziegenbauern. In der Bahnhofstraße baute der seit 1901 als solcher tätige Schneider Heinrich Hämel 1913 sein eigenes Wohnhaus ("Hämeljes"). Bis zu seinem Tod 1939 war er als Schneider und Schnittwarenhändler tätig. Der einzige Schneidermeister in Bermuthshain war der vom nahen Ilbeshausen her 1881 in Bermuthshain eingeheiratete Johannes Böckel. Ursprünglich gehörte auch er zu den Leinwebern, denn als solcher und als Schneider meldete er sich am 1881 an. Ab 1913 führte sein ältester Sohn Friedrich Böckel das Gewerbe weiter. Der Betrieb bestand noch bis 1950. Der Erbe Jakob Johannes Böckel, der in Frankfurt am Main seine Ausbildung zum Schneidermeister gemacht hatte, war aus dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr lebend zurückgekehrt. |
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Ein Bermuthshainer Butterhändler (Christian Wies, "Annekinne") mit dem auf dem Rücken getragenen Transportkorb. |
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Der Butterhandel Vor dem Aufkommen der Molkereien wurde die Milch auf den Bauernhöfen im Vogelsberg vollständig zu Butter verarbeitet. Schon im 18. Jahrhundert wurde die Butter von besonderen "Butterführern" (Händlern) wöchentlich nach Frankfurt am Main zum Verkauf gebracht. Die Butterhändler brachten im Gegenzug wieder andere Waren von dort zum Verkauf in ihrem Heimatorten zurück. Charakteristisch für die Vogelsberger Butterhändler war der auf dem Rücken getragene große Korb, "Kiez" genannt, wo die Butter und auch eine kleine Waage verstaut waren. Aber auch auf Schubkarren wurde die Butter zu Fuß auf dem beschwerlichen Weg nach Frankfurt hin und zurück gebracht. Nur große Butterhändler verfügten über ein Pferdefuhrwerk, mit dem sie die Waren nach Frankfurt brachten. Auch sie brauchten für Hin- und Rückweg drei Tage. Die Butterhändler handelten in der Regel auch noch mit anderen Waren. Zu den vielen kleinen Butterhändlern, die es um 1920 in Bermuthshain noch gab, zählten unter anderem Christian Wies ("Annekinne") und sein Sohn Karl Wies I. ("Muhrsch"). Der größte und bedeutendste Butterhändler in Bermuthshain war jedoch Andreas Oechler VI. ("Götzjes"), der seine Gewerbetätigkeit 1872 begann. Zunächst mit Fuhrwerken und nach 1900 zunehmend per Bahnversand belieferte er einen festen Kundenstamm im Rhein-Main-Gebiet und in Westfalen, wohin viele Vogelsberger als Arbeitskräfte abgewandert waren. Teilweise belieferte er auch Zwischenhändler mit wöchentlich bis zu 100 Pfund seiner Butter, die einen ausgezeichneten Ruf besaß. Der erwähnte Christian Wies, der 1939 starb, lieferte seine Ware zunächst ebenfalls noch zu Fuß mit dem "Butterkiez" aus. Nach dem Bahnbau versandte er die Butter ebenfalls über die Vogelsbergbahn nach Frankfurt am Main an verschiedene Geschäfte, begab sich aber gelegentlich auch selbst zur Kontrolle auf die Reise zu seinen dortigen Kunden. Der Viehhandel Angesichts der überragenden Bedeutung der Landwirtschaft und hier insbesondere der Viehzucht für die Wirtschaftsstruktur des oberen Vogelsberges, war auch der Viehhandel in der Region als Gewerbe recht stark vertreten. Traditionell wurde er hier wie in anderen Teilen Hessens vor allem von jüdischen Bürgern betrieben. In der unmittelbaren Nachbarschaft von Bermuthshain bestanden zwei große jüdische Gemeinden im Pfarrdorf Crainfeld und in dem preußischen Lichenroth. Mindestens sechs jüdische Familien in Crainfeld und drei jüdische Familien in Lichenroth ernährten sich fast ausschließlich vom Viehhandel. Dennoch gab es auch in Bermuthshain einige ortsansässige nichtjüdische Viehhändler, die aber ausschließlich mit Kleinvieh wie Kälbern, Schafen Ziegen und vor allem Schweinen handelten. Sehr wahrscheinlich ermöglichte der Verzicht der jüdischen Viehhändler auf den Handel mit Schweinen aus religiösen Gründen diese Spezialisierung der Bermuthshainer Viehhändler. Häufig waren Metzger wie der erwähnte Balthasar Hornung ("Dammburjersch") oder zwischen 1903 und 1917 Karl Oechler I. ("Eberliese") als Kleinviehhändler tätig. Heinrich Rausch ("Doktersch") handelte zwischen 1895 und 1917 fast ausschließlich mit Ferkeln. Zuletzt wurde der Viehhandel in Bermuthshain nur noch von der Familie Götz ("Scheffersch") betrieben. 1910 errichtete Heinrich Karl Götz ein zunächst einstöckiges Wohnhaus mit Scheuer und Stall am Ortsausgang nach Lichenroth. Im selben Jahr erfolgte die Gewerbeanmeldung als Viehverschneider. Sein Sohn Karl Götz I. war als Schweinehändler und seit 1931 als Händler mit Kälbern und Fellen patentiert. Im Jahr 1963 gab er das Viehhandelsgeschäft auf. Handelsgeschäfte und Kaufläden In ländlichen Gebieten wie dem hohen Vogelsberg wurde lange Zeit der Großteil des Verkaufs von Waren über die in Verbindung mit Viehmärkten abgehaltenen Krammärkte abgewickelt. Ein solcher Vieh- und Krämermarkt war der seit 1768 in Bermuthshain im Sommer und ab 1927 auch im Frühjahr abgehaltene Markt. Die meisten der nicht selten sehr armen Krämer übten ihr Gewerbe im Umherziehen ohne einen festen Laden aus. Die Märkte wurden erst im 20. Jahrhundert in ihrer Rolle von stationären kleinen Geschäften, eben den „Dorfläden“, allmählich verdrängt. Die Unterbringung und Einrichtung eines dörflichen Ladens war meist sehr einfach. Häufig wurde der Laden einfach im Wohnzimmer untergebracht, was die Unkosten etwa durch Anmietung von Geschäftsräumen außerhalb stark verringerte und bei der Aufgabe des Ladens ohne großen Aufwand die Rückführung in privaten Wohnraum oder die Überführung in eine andere Gewerbenutzung erleichterte. Dörfliche Läden waren ausschließlich Gemischtwarenläden, sogenannte Spezereihandlungen bzw. Kolonialwarenläden. Nicht selten waren sie an Gaststätten angebunden. Dies traf in Bermuthshain beispielsweise bei den Gastwirtschaften "Zur Krone", "Zum goldnen Stern", "Hessischer Hof", "Deutsches Haus" und der Bahnhofswirtschaft zu, und ebenso auch bei der Molkerei Greßmann. Dort erinnerte bis vor einigen Jahren noch ein früheres Schaufenster an den bis 1978 bestehenden Laden. Die beiden bedeutendsten Warenhandlungen am Ort waren den Gastwirtschaften "Hessischer Hof" und "Deutsches Haus" angeschlossen.1886 übernahm der aus dem benachbarten Crainfeld zuziehende jüdische Bürger Alexander Lind die bereits bestehende Gastwirtschaft "Zum Hessischen Hof" mit Spezerei- und Ellenwarenhandlung. Während bei den anderen in Bermuthshain überlieferten Spezereihandlungen das Gewerbe baulich nicht besonders hervortrat, verfügte Alexander Lind über einen separaten Laden im Erdgeschoss seines Wohnhauses gegenüber der Gaststube. Ab 1922 betrieb er außerdem noch eine Drogeriehandlung. Der Laden bestand wie die Gastwirtschaft bis 1936. Am längsten bestand das Ladengeschäft im "Götzjes" Haus neben der Gastwirtschaft "Zum Deutschen Haus". Dieser Laden befand sich im Erdgeschoss eines an das eigentliche Wohnhaus mit Stall und Scheuer (wo sich später auch die Gastwirtschaft mit Tanzsaal befand) angebaute Nebengebäudes. Errichtet hatte es bereits vor 1850 ein Vorbesitzer, der wohlhabende Gemeindeeinnehmer und Salzmagazinsverwalter Peter Brückmann. Sein Sohn Heinrich Jakob Brückmann handelte auch mit Petroleum, wie er vor der Einführung des elektrischen Stroms in Lampen verwendet wurde, und errichtete hinter dem Haus einen Petroleumbehälter. Nach dem Aussterben der Familie Brückmann führte ab 1879 der Kaufmann Heinrich Zengerle aus Fulda Geschäft und Gasthaus für einige Zeit weiter. 1882 kaufte schließlich der Butterhändler Andreas Oechler VI. aus dem heutigen "Sills" Haus in Bermuthshain das Brückmannsche Anwesen. Er baute den Laden immer weiter aus und hatte ab 1877 auch die offizielle Verkaufsstelle für Postwertzeichen inne. Die örtliche Postagentur blieb bis Ende 2004 im "Götzjes" Anwesen. 1905 wurde dort der erste öffentliche Fernsprecher in Bermuthshain in Betrieb genommen. Neben dem reinen Ladengeschäft belieferten Andreas Oechler VI. und seine Nachfolger bis nach dem Zweiten Weltkrieg auch noch mit einem Fuhrwerk Kunden in benachbarten Orten, in denen es keine Läden gab. Wie die Gastwirtschaft wurde auch der Laden ständig modernisiert und verfügte seit den 1950er Jahren auch über ein richtiges Schaufenster. Im Jahr 1993 wurde er schließlich infolge der immer übermächtigeren Supermarktkonkurrenz geschlossen. Seitdem gibt es in Bermuthshain leider kein Geschäft mehr. |
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Das Gasthaus "Zur Krone" auf einer 1935 entstandenen Postkarte. |
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Die Bermuthshainer Gastwirtschaften Im Jahr 1914 gab es in dem damals etwa 490 Einwohner zählenden Bermuthshain die erstaunliche Anzahl von nicht weniger als sechs Gastwirtschaften, von denen sich fünf innerhalb der eigentlichen Ortslage und hiervon wiederum vier in fast direkter Nachbarschaft etwa in der Ortsmitte befanden. Damit hatte Bermuthshain sogar eine größere Anzahl an Gastwirtschaften als das benachbarte und weitaus verkehrsgünstiger an der Staatsstraße gelegene Grebenhain oder das etwa gleichgroße Crainfeld. Vor dem Aufkommen des Fremdenverkehrs gegen Ende des 19. Jahrhunderts dienten die Gasthäuser in den Vogelsbergdörfern vorwiegend den Einheimischen, um dort einzukehren. Darüber hinaus hatten sie auch eine politische Funktion, denn dort kamen die Gemeinderäte zu ihren Sitzungen zusammen. Die "Gemeindestube" wurde in Bermuthshain jedes Jahr neu an einen anderen Gastwirt vergeben. Auch die örtlichen Vereine hielten dort ihre Veranstaltungen und Versammlungen ab, lange bevor man an Dorfgemeinschafts- und Bürgerhäuser dachte. Neben Geschäftsleuten auf der Durchreise übernachteten dort auch Handelsreisende, die beispielsweise bestimmte Lebensmittel, Spirituosen, Kurzwaren, Textilien oder Waschpulver an Privatleute und Geschäfte im Ort und der Umgebung verkauften. Viele Gastwirte waren ohnehin selbst Inhaber eines Ladens. Für die älteren Gasthäuser war typisch, dass die ursprüngliche Wohnstube im Erdgeschoss des Hauses als Wirtszimmer genutzt wurde und somit nicht einmal ein besonderer neuer Raum für den Gasthausbetrieb geschaffen werden musste. Äußerlich traten diese Gasthäuser als solche kaum besonders hervor und waren auf den ersten Blick kaum von gewöhnlichen Bauernhäusern zu unterscheiden. Als eine der ältesten Bermuthshainer Gastwirtschaften wurde das Gasthaus „Zum Weißen Roß“ (Hausname "Heils") im Jahr 1823 von dem aus Crainfeld stammenden Handelsmann Heinrich Heil I. gegründet. Das Gebäude war ein gewöhnliches "Vogelsberger Einhaus". Erst um 1868 wurde der Stall aus dem Wohnhaus heraus in einen rechtwinklig zum Altbau errichteten Stall mit Scheune verlegt. Die Scheune im Altbau verblieb. Der Überlieferung nach sollte ursprünglich im neuen Anbau ein Saal eingerichtet werden. Das Wirtszimmer befand sich im Erdgeschoss des Hauses an der Stelle der ursprünglichen Wohnstube. Während des Ersten Weltkrieges schloss der letzte Wirt Johannes Löffler 1915 die Gastwirtschaft. Um 1870 bestanden in Bermuthshain nicht weniger als sieben kleine Schank- und Zapfwirtschaften, offensichtlich für den Ausschank des damals sehr beliebten und nicht selten auch "schwarz" gebrannten Branntweins. So gab es zeitweilig Schankwirtschaften in den Häusern "Doktersch", "Bieljes", "Pittjes" und selbst der Schneidmühle außerhalb des Ortes. Am längsten von diesen kleinen Gasthäusern bestand die Gastwirtschaft "Zum Hessischen Hof" (Hausname "Sandersch"). Bereits seit 1875 betrieb hier der Spezereikrämer Heinrich Bopp III. eine Zapfwirtschaft, die 1884 in eine reguläre Schildwirtschaft mit Beherbergungsberechtigung umgewandelt wurde. Kurze Zeit später siedelte Heinrich Bopp III. in das benachbarte "Schloarschmidtshannerjes" Haus über, da er sein Anwesen aufgrund von Überschuldung nicht mehr halten konnte. Im Juli 1886 verpachtete er die Gastwirtschaft an die beiden jüdischen Brüder Alexander und David Lind aus dem benachbarten Crainfeld. 1889 wurde Alexander Lind durch Kauf schließlich alleiniger Eigentümer des Hauses, wie auch der Gastwirtschaft. Neben der eher kleinen Gastwirtschaft betrieb Alexander Lind vor allem eine Spezerei- und Eisenhandlung. Das in zwei kleinere Räume unterteilte Wirtszimmer lag im Erdgeschoss des Hauses und auf dem Flur gegenüber der Laden sowie im zweiten Stockwerk ein Fremdenzimmer. Die Gastwirtschaft wurde vorwiegend von Bermuthshainern frequentiert. Noch 1932 erhielt der Sohn Seligmann Lind die Konzession zur Weiterführung der Gastwirtschaft. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme hatten Gastwirtschaft und Laden unter dem immer stärkeren politischen Druck zu leiden und wurden 1936 aufgegeben. Die Familie Lind zog zu ihren Verwandten nach Goßmannsdorf bei Würzburg und wurde später mit Ausnahme der beiden in die USA emigrierten Kinder von Seligmann Lind ein Opfer des Holocaust. |
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Postkarte vom Gasthaus "Zum Hessischen Hof" (links unten) mit Ortsansicht und Bahnhof um 1910. |
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Das erste moderne Gasthaus in Bermuthshain mit einem eigens hierfür errichteten Gebäude und dem ersten Tanzsaal im Ort war das Gasthaus "Zur Krone" (Hausname "Dammburjersch"). Es wurde im Jahr 1870 von dem Landwirt Balthasar Hornung gegründet, dessen Ehefrau aus der benachbarten Wirtschaft "Zum goldnen Stern" stammte. Zwischen 1865 und 1870 wurde das für die damaligen Verhältnisse riesige Gasthaus mit dem Tanzsaal im rechten Winkel an das bestehende Einhaus angebaut. Noch heute dominiert es die Ortsmitte von Bermuthshain. Im Erdgeschoss, dass über eine vorgelagerte Treppe erreichbar war, befanden sich u. a. zwei große Gastzimmer und ein Stall für Gäste ("Fremde"), während das Obergeschoss den großen Saal sowie ein Fremdenzimmer enthielt. Der Fremdenstall wurde 1934 durch einen Schlachtraum für die hauseigene Metzgerei ersetzt. Im Jahr 1924 eröffnete der gebürtige Bermuthshainer Hans Oechler in einem Nebenzimmer sogar eine Zahnarztpraxis, die allerdings nicht lange bestand. In den 1930er Jahren wandte sich auch die Gastwirtsfamilie Hornung dem Fremdenverkehr zu, weshalb zur Verköstigung der Pensionsgäste die heute noch bestehende Metzgerei eingerichtet wurde. Mit Unterbrechungen während des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit sollte die Gastwirtschaft „Zur Krone“ bis 1954 bestehen. Pläne für eine Modernisierung des Gasthauses und einen Umbau zum Erholungsheim oder Kino in den 1950er Jahren wurden leider nie verwirklicht. Ein besonderes Konkurrenzverhältnis der "Krone" bestand zur benachbarten und weitaus älteren Gastwirtschaft "Zum Goldenen Stern" (Hausname "Heutzeredersch"). Sie wurde um 1827 durch den Ackermann und Leinweber Jakob Heutzenröder I. gegründet. Durch Heirat mit der älteren Tochter Katharina kam sie im Jahr 1847 an den aus Heegheim bei Altenstadt in der Wetterau stammenden Christian Karl. Christian Karl war der Schwager des Nachbarn Balthasar Hornung. Bereits in den 1840er Jahren stellte das Anwesen einen für die örtlichen Verhältnisse stattlichen Dreiseithof dar, der durch das Wohnhaus, eine Scheune mit Stall sowie einen weiteren Stall mit Brennhaus gebildet wurde. 1872 erwarb der aus Hainbach im Kreis Alsfeld stammende Ernst Pfannstiel durch Einheirat Haus und Gastwirtschaft. Unter ihm wurde 1892 das alte Wohnhaus niedergelegt und durch ein neues Gasthaus mit Saal ersetzt, das von außen dem benachbarten Gasthaus „Zur Krone“ sehr ähnlich sah. In dem Gasthaus befanden sich im Erdgeschoss u. a. das Gastzimmer und im Obergeschoss der Tanzsaal sowie zwei Fremdenzimmer und hinter dem Anwesen im Freien auch noch eine Kegelbahn. Auf dieser Kegelbahn wurden regelmäßig Preiskegelwettbewerbe veranstaltet. Nach dem Ersten Weltkrieg führte der Sohn Otto Ernst August Pfannstiel die Gastwirtschaft „Zum Goldenen Stern“ bis zu seinem Tod 1962 weiter und wurde auch 1926 zum Bürgermeister von Bermuthshain gewählt. Zwischen 1965 und 1970 war der "Goldene Stern" an Artur Hohmeier aus Schlitz und seine Ehefrau Paula ("Tante Paula") verpachtet. Anschließend folgte Wolfgang Schmelz aus Engelrod/Lauterbach, der dem "Goldenen Stern" als Szenediskothek "Oldy" zu immenser Popularität bis weit über die Grenzen Hessens hinaus verhalf. Bis dahin immer noch im Eigentum der Familie Pfannstiel, kaufte in den 1970er Jahren Karl Ullrich aus Blofeld in der Wetterau die Gastwirtschaft "Zum goldnen Stern". Nach seinem Tod 1981 führte seine Witwe Marianne Ulrich den "goldnen Stern" bis 2006 weiter. Zeitweilig geschlossen, hat das traditionsreiche und älteste Bermuthshainer Gasthaus seither schon zweimal den Besitzer gewechselt. Unter den weiteren Gastronomiebetrieben in Bermuthshain sind noch das "Park-Cafe" Appel (Hausname "Dammbauersch") zwischen 1981 und 1991 und die Gaststätte "Zum Sturmvogel" (Hausname "Stirskloase") zu erwähnen, welche von 1989 bis 2005 bestand. Abseits des eigentlichen Dorfes wurde 1909 das Gasthaus "Zur Bahn" neben dem Bermuthshainer Bahnhof eröffnet. Umgangssprachlich wurde es zumeist nur als Bahnhofswirtschaft bezeichnet. Der Erbauer war Ernst Oechler II., zweitjüngster Sohn des Gastwirts Andreas Oechler VI. ("Götzjes"). Nachdem Ernst Oechler II. 1911 verstarb, heiratete sein jüngerer Bruder Valentin Friedrich Oechler die Witwe Bertha Oechler geb. Heddrich. Er betrieb zusätzlich zur Gastwirtschaft ab 1912 noch eine Sattlerei und Spezerei. 1954 übernahm sein Sohn Friedrich Oechler ("Zeechnersch Friedel") die Bahnhofswirtschaft, die wegen ihrer Abgeschiedenheit ein beliebter Treffpunkt der Jugend aus Bermuthshain und den Nachbardörfern war. 1966 wurde das Gasthaus dann geschlossen und im folgenden Jahr an die Familie Schunk zur Nutzung als Wohnhaus verkauft und umgebaut. |
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Werbeanzeige für das "Deutsche Haus" aus dem Jahr 1904. |
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Die Geschichte des heute so bedeutenden Bermuthshainer
Gastronomiebetriebes "Deutsches Haus" beginnt mit dem Butterhändler
Andreas Oechler VI., der 1882 das leerstehende Anwesen der
Kaufmannsfamilie Brückmann in der Hauptstraße erwarb, ein 1780 errichtetes
Fachwerkhaus.
Dort war
bereits schon ab 1857 eine Schankwirtschaft betrieben worden. Im Jahr 1886
stellte Andreas Oechler VI. ebenfalls das ihm auch gewährte Gesuch zur
Errichtung einer Schankwirtschaft, die den Namen "Zum Deutschen Haus"
erhielt. Als erster Bermuthshainer Gastwirt warb Andreas Oechler VI.
bereits vor dem Ersten Weltkrieg um Touristen und Feriengäste. An die
lange Tradition der Postagentur im Haus erinnert heute noch die
"Poststube", einer der drei Gasträume im "Deutschen Haus". Um 1900 wurde
anstelle der bisherigen Scheune ein Saal im Obergeschoss eingerichtet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg führte Enkel Eugen Heinrich Oechler die
Familientradition fort. Unter Schwiegersohn Heinrich Jöckel wurde mit der
Vermietung von Fremdenzimmern begonnen und es entwickelte sich das
"Deutsche Haus" zu einem gut frequentierten Ausflugsziel.
Besondere Beliebtheit fand das "Deutsche Haus" als Tanzlokal bei der
Jugend weit über die Grenzen des Vogelsbergkreises hinaus, nachdem 1968
ein neuer Tanzsaal im Erdgeschoß fertig geworden war. 1980 wurde der
bis dahin bedeutendste Umbau des Gasthauses, der eher schon einem Neubau
gleichkam, abgeschlossen. Durch die jetzige Besitzergeneration Ewald Däsch
und Ulrike Däsch geb. Jöckel wurde 1994 eine erneute Erweiterung
vorgenommen. Heute besteht das "Deutsche Haus" aus der eigentlichen
Gastwirtschaft, der "Poststube" und "Jägerstube" sowie dem großen Saal im
Erdgeschoss und 26 Fremdenzimmern im Obergeschoss. Ganz neue Wege
beschritt man dann mit der Eröffnung der angegliederten Kulturscheune "Zum
Wilden Mann" im Jahr 2001, der umgebauten Hofreite "Schloarschmidts". 2006
folgte als bisher neuestes Projekt des Familienbetriebes die
Übernachtungsscheune "Zur Wilden Frau". Das Sägewerk Nach der Eröffnung der Vogelsbergbahn im Jahr 1906 gab es viele Hoffnungen auf die Ansiedlung von Industrie in Bermuthshain. Anfang 1906 wurden in der Gemarkung Bermuthshain ergebnislos Probebohrungen nach Kali vorgenommen. 1927 wurde ein Steinbruch nahe dem Oberwald erschlossen, aber nach wenigen Monaten wieder aufgegeben. Auch die Ansiedlung einer Pelztierfarm am Scheidborn im Jahr 1928 kam nicht zustande. Als einzige Gewerbeansiedlung wurde 1920 das Sägewerk am Bahnhof realisiert. Es handelte sich um einen Zweigbetrieb des in Gießen ansässigen Bauunternehmens „Hoch- und Tiefbaugesellschaft m. b. H., vorm. Heinrich Zinn und Konsorten“. Ausschlaggebend waren insbesondere der Holzreichtum des Oberwaldes und die im Vergleich zu städtischen Regionen niedrigeren Löhne. Das Sägewerk kam unmittelbar neben den Bahnanlagen und der Straße nach Grebenhain zu stehen. Zum Sägewerk gehörten der eigentliche Sägebau, das Kessel- und Maschinenhaus (mit einem gebrauchten Dampfkessel), eine Lagerhalle und ein Schuppen sowie ein einstöckiges Wohnhaus für den Verwalter. Insgesamt erwies sich der Betrieb jedoch als nicht wirklich rentabel und es kam zu häufigen Besitzwechseln und Betriebsstillegungen, denen das Sägewerk in den 1920er und 1930er Jahren ausgesetzt war. 1925 ging es durch Kauf in den Besitz der „Waldindustrie G.m.b.H.“ mit Sitz am Osthafen in Frankfurt am Main über, wurde jedoch 1927 wieder stillgelegt. Erst im Jahr 1934 wagte der aus dem Dorf Steinfurt bei Herbstein im Kreis Lauterbach gebürtige, aber in Frankfurt am Main ansässige Tischlermeister Karl Seibert einen Neuanfang. Im August 1934 übernahm er das Sägewerk von der Waldindustrie G.m.b.H. und richtete neben der wieder in Betrieb genommenen Holzschneiderei einen Tischlereibetrieb ein, der schon im ersten Jahr 17 Schreiner und Tischler aus der Umgebung beschäftigte, sowie mehreren Holzfuhrleuten durch die Anfuhr des Holzes aus dem Oberwald Arbeit gab. Ab 1935 gehörten Sägewerk und Tischlerei zeitweilig dem gebürtigen Crainfelder Ludwig Schmelz, der nach 1945 ein bekannter Architekt in der Vogelsbergregion war. Bereits 1936 wurde der Betrieb dann durch das Sägewerk Karl Henkel in Lauterbach übernommen und als Filialbetrieb geführt. Nach 1945 beschaffte die Firma Henkel einen 60-PS-Benzinmotor zum Antrieb des Sägegatters. Dieser war zuvor im Besitz der nahen "Muna" gewesen und hatte dort als Notstromaggregat, untergebracht in einem eigens hierfür gebauten Bunker, gedient. Im Jahr 1964 kaufte dann die Familie Reckziegel aus Wüstwillenroth das Sägewerk und hielt den Betrieb noch bis zur endgültigen Einstellung des Betriebes im Jahr 1975 aufrecht. |
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| Winterliche Ansicht des Sägewerks aus den 1940er Jahren. Von links sieht man die Lagerhalle, den Sägebau, das Kesselhaus und ganz rechts noch das Wohnhaus des Verwalters. Alle Betriebsgebäude waren durch eine Lorenbahn miteinander und mit dem benachbarten Bahnhof verbunden. | ||
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Wirtschaftsstruktur heute Bermuthshain ist heute, wie im übrigen alle Vogelsbergdörfer, ein nahezu reiner Arbeitspendler-Wohnort. Die Mehrzahl der Ortseinwohner arbeitet demzufolge auswärts, teilweise bis in das Rhein-Main-Gebiet hinein. Die wichtigsten Arbeitgeber in Wohnortnähe sind das Display- und Verpackungsunternehmen STI (ehemals Stabernack) und die Oberwaldklinik, beide in Grebenhain-Oberwald auf dem Gelände der einstigen Luftmunitionsanstalt Hartmannshain ("Muna") gelegen, von wo die Industrialisierung der Region in den 1930er Jahren ihren Ausgang genommen hatte. Im Zuge eines extremen Strukturwandels wurden seit den 1950er Jahren die meisten Bauernhöfe bzw. landwirtschaftlichen Betriebe aufgegeben. Gegenwärtig gibt es nur noch drei Haupterwerbsbetriebe und drei Nebenerwerbsbetriebe im Dorf, doch ist auch hier die Aufgabe dieser landwirtschaftlichen Anwesen aufgrund der fehlenden Nachfolge mittelfristig absehbar. Ein nicht unwesentlicher Teil der Bermuthshainer Gemarkung wird mittlerweile von auswärtigen Großlandwirten oder -betrieben wie dem an der Gemarkungsgrenze zu Crainfeld gelegenen "Lüderhof" bewirtschaftet oder liegt aufgrund der EU-geförderten "Flächenstillegung" brach. Ebenso wie die Landwirtschaft verschwand auch eine Vielzahl der handwerklichen Betriebe und Geschäfte aus dem Bermuthshainer Dorfleben. Zu den überlebenden "Traditionsbetrieben" zählen heute die Großschlachterei Hornung und das Sportartikelfachgeschäft "Ski Luft". Daneben gibt es auch noch einen Getränkehandel, aber seit 1993 keinen Gemischtwarenladen mehr, so dass die Bermuthshainer heute überwiegend auswärts zum Einkaufen fahren müssen. Besonders in den 1960er Jahren setzte die damals noch selbstständige Gemeinde Bermuthshain große Hoffnungen auf eine Entwicklung zum Fremdenverkehrsort. Die ehemalige Skisprungschanze auf dem Höllerich von 1970 erinnert bis heute an den Traum vom Wintersportzentrum Bermuthshain, in dessen Rahmen sogar die seit 1969 leerstehende Schule (heute Dorfgemeinschaftshaus) zu einer Skischule bzw. einem Sportlerheim umgebaut werden sollte. Ebenso war die Gründung eines Fremdenverkehrsvereins vorgesehen. Die Gebietsreform, fehlende Gastronomie an der überdies mit Mängeln behafteten Schanze, und letzten Endes die seit den 1980er Jahren schneeärmeren Winter bereiteten diesen Plänen ein Ende. Seit 1983 wird die Sprungschanze nicht mehr genutzt und ist mittlerweile sehr verfallen. Dennoch hat Bermuthshain auch heute noch einen guten Namen im Vogelsberger Tourismus durch den auch überregional bekannten Landgasthof "Zum Deutschen Haus", der zudem nicht weit vom Vulkanradweg auf der Trasse der ehemaligen Vogelsbergbahn gelegen ist. Zusammen mit der Kulturscheune "Zum Wilden Mann" und der Übernachtungsscheune "Zur Wilden Frau" ist die Gastronomie der Familie Däsch damit heute der wichtigste Arbeitsgeber im ansonsten relativ strukturschwachen Bermuthshain selbst. In der jüngeren Vergangenheit hat sich Bermuthshain auch zum Standort von zwei kleinen, aber bundesweit tätigen, Unternehmen der Dienstleistungs- bzw. IT-Branche entwickelt. Die "Forschungsgruppe Metrik", 1997 von dem gebürtigen Bermuthshainer Winfried Zinn gegründet, ist Deutschlands Marktführer im Bereich Patienten- und Mitarbeiter-Befragung im Gesundheitswesen und beschäftigt mittlerweile fünf Arbeitskräfte vor Ort und weitere 23 in der übrigen Bundesrepublik. Die Firma "dinob.de" wurde 1999 von Stephan Wies gegründet, der das namensgebende Softwareprogramm DINOB (Der innovative Bauhof) selbst entwickelte, welches seither stetig optimiert wurde und bei zahlreichen kommunalen Bauhöfen und Straßenmeistereien in ganz Deutschland im Einsatz ist. |
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